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22. Juni 2007, 16:50 Uhr

"Schröder war kein Polenfresser, aber..."

Quadratwurzel oder Tod! Warum nur stellen sich die Polen auf dem EU-Gipfel so stur? Und: Was für ein Problem haben sie mit den Deutschen? Der polnische Journalist Rafal Wos erklärt, um was es der polnischen Regierung eigentlich geht.

Lech Kaczynski kann vielleicht auch mit einem kleinen Triumph nach Hause zurückkehren© Gerard Cerles/AFP

Was wollen die Polen nur mit ihrer Realpolitik? Was das mit der Quadratwurzel soll? Hört mir auf mit der Mathematik. Das hier ist Politik, sagen mir die deutschen Politiker, Publizisten und Experten, die ich täglich anrufe. Wie eine Mantra wiederholen sie ihre Kritik: Polen denkt anachronistisch. Sie setzen auf eine veraltete Vorstellung von Realpolitik. Machtverhältnisse aber seien nicht mehr das Wichtigste in der EU. Vielleicht ist das so.

Aber die polnischen Politiker sehen das anders. Und wenn man ehrlich ist, dann waren es nicht die Polen, die die Realpolitik erfunden haben. Wie ist das denn mit Frankreich? Charles de Gaulle und alle seine Nachfolger im Elysée-Palast haben mit Argusaugen darauf geachtet, dass die französischen Bauern ihre Privilegen nicht verlieren, die Brüsseler Pfründe. Und wie war das doch gleich mit Maggie Thatcher und dem britischen Rabatt? All das fragen die Warschauer Politiker. Auch Gerhard Schröder, finden sie, war eine Politik des nationalen Egoismus keineswegs fremd. Überhaupt Schröder. Dessen Politik gegen Amerika, sein Schulterschluss mit Putin, die deutsch-russische Ostseepipeline. Das alles hat das Vertrauen der Polen an der deutschen Partner in Frage gestellt.

Was bedeutet die Politik Gerhard Schröders für Polen? Gerhard Schröder war kein Polenfresser, aber mit seiner Außenpolitik, die sich vor allem an nationalen Interessen orientierte, hat er den antideutschen Ressentiments in der polnischen Gesellschaft Auftrieb gegeben.

Die Kaczynski-Zwillinge sind im Juni 1949 geboren worden. Sie stammen aus einer patriotischen Warschauer Familie, in der man die Erinnerung an die Tragödie des Zweiten Weltkriegs wach hielt. Diese Erfahrung spiegelt sich nun in der Vorsicht gegenüber Deutschland wieder. Aber nicht nur. Auch gegenüber den Russen sind die Kaczynskis vorsichtig. Im Bund mit Hitler-Deutschland hatten diese Polen tatsächlich gefressen. Dennoch hatten sie lange kein besonders tiefes Interesse an Außenpolitik. Vor 1989 hatte Polen ohnehin keine richtige. Warschau musste nach 1989 erst lernen, sich international zu bewegen. Zunächst war klar: Die Nato und die EU würden die Leuchttürme sein, an denen man sich orientierte, denen man entgegenstrebte - ohne sich große Gedanken zu machen.

Aber nach den Beitritten zur Nato und zur EU tauchten die ersten Probleme auf. Müssen wir uns in der Irak-Frage auf die Seite Washingtons stellen - oder doch lieber auf die Seite Brüssels? Brauchen wir eine EU-Verfassung? Warum kriegen unsere Bauern eigentlich nur halb so viel Unterstützung wie die Bauern aus der Provence? Lässt uns der Westen im Stich, wenn die Russen uns den Gashahn abdrehen? In den vergangen Jahren ist Außenpolitik für Polen so zu einem einzigen Crashtest geworden. Und so testen wir auch die Grenzen der Belastbarkeit der Europäischen Union. "Wurzel oder Tod" - das ist ein Kurs, der aus einer Mischung aus Misstrauen und Unerfahrenheit erwachsen ist. Das Problem ist nur, dass dieser Weg in eine Sackgasse geführt hat: Sie kommen einfach nicht mehr raus.

Was haben die Polen falsch gemacht Erst wenn man sich all diese Hintergründe des polnischen Verhaltens klar gemacht hat, kann man dazu übergehen, die polnische Regierung zu kritisieren. Und die Kritikpunkte sind kurz und durchschlagend: Warschau hat einen großen diplomatischen Fehler begangen: Denn den Kaczynski-Zwillingen ist es schlicht nicht gelungen, die anderen von ihren Vorschlägen zu überzeugen - nur, zumindest zu einem Teil, die Tschechen. Sie haben zu wenig angenommen, zu wenig gesprochen, zu wenige Anrufe getätigt. Und sie haben viel zu früh mit einem Veto gedroht.

Das ist im Kern das Versagen der polnischen Regierung: Sie hat ein großes Maß an Schwäche und Unwirksamkeit offenbart. Dennoch sieht es am zweiten Gipfeltag so aus, als könne Lech Kaczynski, der Präsident, im Brüsseler Kampf einen Erfolg erringen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ist klug. Sie weiß, dass sie nicht mit leeren Händen nach Hause zurückkehren kann. Deshalb geht sie auf die Polen zu. Aber so wird es eben gespielt, dieses europäische Theater: Am Ende muss jeder sagen können: "Guck' mal her. Ich habe etwas erreicht." Gibt es einen Kompromiss, wie er sich derzeit abzeichnet, könnten die Kaczynski-Zwillinge getrost sagen: "Es ist zwar keine Wurzel herausgekommen. Aber wir haben Nizza erhalten. Und dafür wollten wir auch schon mal sterben."

 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Roy05441 (23.06.2007, 16:08 Uhr)
Kein Polenfresser.........-
dafür aber ein Gazprom-Esser!
Du kannst tausend Jahre sein an der Macht,erst dann wirst du sehn, was über Nacht,eine Mafia aus deinen Konten so macht!
Roy05441 (23.06.2007, 15:08 Uhr)
Ich seh als DEUTCH-Lerner im Schweiss......
bis an die Knie, wünsche mir nur noch eine Gazprom-Demokratie!
Wie sagte mir mein Babba schon:"gib mir einen 500Tausend Watt Flammenwerfer mein Sohn, den Rest selektiere ich dir schon"!
polen_raecher (23.06.2007, 00:02 Uhr)
@mitläufer
wenigstens einer mit hirn !
polen_raecher (23.06.2007, 00:01 Uhr)
@heiner5362
genau so du dich gibst, genau so sieht die welt die deutschen (du deiner info, die welt besteht nicht nur aus D) .. und DU bist schuld.
aber ich lese heraus dass du schon ein wenig in die jahre gekommener alt-fasho und 3reich-verherrlicher bist daher will ich auch gar nicht argumentieren da es sowieso sinnlos ist.
nur eins: es steht sowas von im vordergrund, was dir am wichtigsten ist. GELD. dein geld kannste dir aber in den arsch schieben. das will NIEMAND haben. erst recht nicht die polen. die sind zu stolz (was du nicht grade von dir behaupten kannst).
du tust mir nicht leid, denn ich weiss dass DU die welt nicht mehr lange mit deinen nachkommen verpestest.
für alle andern: wie welt hat sich weitergedreht ! es geht nicht mehr nur um D! findet euich damit ab dass ihr weder alleine seid auf diesem planeten, noch dass ihr die herrenrase seid
mitlaeufer1it (22.06.2007, 23:59 Uhr)
DEUTCH lernen
davehaasters ICH danke Ihnen sehr ,Sie konnen als gehlerte Deutche BESSERWISSER DEUTCHES bei bringen.Im ubrigens, Ich will nur sagen das Polen sich dorchboxen muss weil eure sehr gebildete ex Kanzler SCHRODER viel mist gegen diese land Polen eingerichtet hat.(PS DEUTCH WERDE ICH NEBENBEI LERNEN)
polen_raecher (22.06.2007, 23:50 Uhr)
@davehaasters
1. doch kann man. genau das macht eine demokratie aus. nur weil man in D die demokratie nach dem momentanen bedürfnissen anpasst (hat man mit der religion auch gemacht.. das ergebniss kannste bei den deutschen gemeinden erfahren) heisst das noch lange nicht das es nicht anders geht
2. kurwa (oder so)
polen_raecher (22.06.2007, 23:47 Uhr)
@oetker
das ist sehr schlimm, das mit den russen (mich verwundert immer wieder warum ich bescheid weiss obwohl ich von nem anderen kontionent komme und die (angeblich so freundlichen)nachbarn schwimmen in unwissenheit) .. du musstverstehen dass die russen die polen nach dem krieg richtig gefickt haben.. die haben gemordet und vergewaltigt, nach lust und laune.. ey man,. ich bin kein rassist, aber das nioch nicht mal 20 jahre her.. sowas vergisst man nicht so schnell.. wenn dann die beiden erzfeinde (nun angeblich freunde [wie schon damals behauptet]) geschäfte über die köpfe der polen hinweg zu machen, obwohl polen direkt betroffen ist, da wäre es eher krank und naiv und einfach nur geistesgestört, wenn man nicht direkt die alarmglocken hören würde
die polen sind zurecht mißtrauisch und sie wissen auch dass sie einigen herrschaften ein dorn im auge sind.. dafür verdienen sie meinen höhsten repekt. die lassen sich nicht unterkriegen. das elend welches die nachbaarstaaten in dem letzten jahrhundert über das (eins der friedlichsten länder dieser welt)gebracht haben, hat die jungs hart gemacht..
nebenbeibemerkt haben die jungs auch vollkommen recht, wenn sie sagen das die verfassung mist ist. das ist sie auch. und das würde jeder gelehrte politologe kommentarlos unterschrieben (habe mich in den letzten wochen sehr oft mit 'wichtigen' leuten darüber gesprochen.. eine debatte oder gar diskussion ist nie zustandegekommen.. man war sich immer einer meinung.. deutsche, türken, hölländer, engländer, amerikaner, einpaar polen waren auch dabei.
davehaasters (22.06.2007, 22:51 Uhr)
...
1. Kann nicht alles und jedes durch ein e Volkswahl abgestimmt werden.
2. Lernen Sie deutsch.
mitlaeufer1it (22.06.2007, 21:44 Uhr)
KACZYNKI
Wieder verhandeln Regierungschefs über die köpfe der Nationalen Parlamente hinweg,sowie an Europäischen burger vorbei. Danke an Polen das wiederstand leistet, Danke an die Englaender das gegen die ubermacht Bruxsel, deren beamte burokratie hinweg stellen. Das ist leider nicht genugt.Mann muss jeder mittel ausnutzen ,um dieser SCHLEICHENDE undemokraticher ubermacht das ohne Volks mandat als EU DIE BURGER Europa mundtot macht.
Roy05441 (22.06.2007, 18:10 Uhr)
Sieh hin oh Herr,...
es tut mir weh, wenn Nationalisten tanzen ich seh! Da kommen plötzlich parteipolitische Idiotn, verbreiten ihre unsittlichen Zoten, und denken sie sind Herr Jesu Christ, es ist ein Fehler, dass Du kein Vierling gewesen bist°
(was ein Mit)
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