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25. März 2009, 13:26 Uhr

Ratspräsident verhöhnt Obama

Vielleicht ist es der Frust des Gescheiterten, vielleicht aber auch einfach nur seine Sicht der Dinge: Mirek Topolanek, EU-Ratspräsident und tschechischer Premier auf Abruf, pöbelte im EU-Parlament über Barack Obama und seine Konjunkturpolitik.

Tschechien, Mirek Topolanek, Barack Obama, Konjunkturpolitik EU-Parlament

Kurz vor dem großen Auftritt: In wenigen Augenblicken wird Tschechiens Noch-Premier Mirek Topolanek dem EU-Parlament seine unmissverständliche Meinung zu Obamas Krisenmanagement näherbringen© Frederick Florin/AFP

Mirek Topolanek wollte eigentlich über den Brüsseler EU-Gipfel in der zurückliegenden Woche berichten. Stattdessen sorgte der gestürzte Prager Regierungschef im Europaparlament für einen Eklat. Er nannte die milliardenschweren US-Konjunkturhilfen einen "Weg in die Hölle". Die Versicherung des EU-Ratspräsidenten, er wolle alles tun, damit der Lissabon-Reformvertrag in seinem Heimatland doch noch ratifiziert werde, ging am Mittwoch in der Polemik um seine Äußerungen über die USA fast unter.

Topolanek stellte sich der europäischen Volksvertretung, obwohl seine Regierung am Dienstag an einem Misstrauensvotum im Prager Parlament gescheitert war. Derzeit ist er also nur interimistisch im Amt. Der kantige Zwei-Meter-Mann Topolanek hat ein sehr negatives Bild der Washingtoner Krisenpolitik. Die US-Konjunkturhilfen würden die Stabilität der globalen Finanzmärkte untergraben. Das nötige Geld solle auch durch Waffenverkäufe verdient werden. Delikat daran ist, dass sich Topolaneks Land weiter als Radar-Stützpunkt für die umstrittene US-Raketenabwehr in Europa anbietet.

Nach nur drei Monaten als "EU-Vorsitzender" bekam der 52-jährige Prager Noch-Regierungschef kräftigen Gegenwind aus dem Parlament. "Das ist nicht die Ebene, auf der die Europäische Union mit den USA zusammenarbeiten kann", empörte sich der streitbare Vorsitzende der Sozialisten, Martin Schulz. Zu Topolanek gewandt, ging der deutsche Sozialdemokrat zum persönlichen Angriff über: "Sie repräsentieren nicht den Rat der Europäischen Union, Sie repräsentieren sich selbst."

Der konservative Topolanek, der im kleinen Kreis nicht das offene Wort scheut und unkonventionell auftritt, vermied vor den Abgeordneten eine Antwort. "Ich will nicht den Fehler von Herrn Berlusconi wiederholen." Vor sechs Jahren hatte Silvio Berlusconi, auch damals schon Regierungschef in Rom, Schulz witzelnd als Idealbesetzung für den Kapo in einem KZ-Film bezeichnet und damit erhebliches Aufsehen erregt.

Topolanek, der gelernte Maschinenbauer, konnte den Abgeordneten nicht erläutern, wie es mit seiner EU-Ratspräsidentschaft weitergehen wird. Es hängt jetzt vor allem von dem europaskeptischen tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus ab, wie lange er die Mitte-Rechts-Koalition von Topolanek noch im Amt lässt. Ganz neu ist die Situation eines Regierungssturzes während einer EU-Präsidentschaft nicht. Dies passierte schon mehrmals, so 1993 in Dänemark und 1996 in Italien.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
gmathol (25.03.2009, 23:10 Uhr)
Der US Raketenschirm hat sich damit erledigt.
Gut so! Das die neu zur EU hinzugekommenen Laender frustriert sind kann man verstehen, denn sie besitzen nur eine halbe Mitgliedschaft.
Waehrend Laender wie Spanien, Frankreich, Irland und Italien die Subventionen fuer ihre "boomende" Wirtschaft abziehen koennen gehen diese Laender die es wirklich brauchen koennten ziemlich leer aus.
Topolanek hat allerdings recht mit der Aussage das mit der Liquiditaet die die Amis fuer die Rettung ihrer Wirtschaftsblase benoetigen werden die Finanzmaerkte wohl weiterhin ziemlich trocken bleiben.
Murksel, Brown und Sarkozy wird das nicht stoeren, deren Geldkoefferchen bleiben ja gut gefuellt.
SethusCalvisius (25.03.2009, 23:03 Uhr)
Immer wieder interessant,
wie wenig die Zusammenhänge unserer globalisierten Welt erkannt werden:
1. Die Forderung, die Banken einfach "vor die Hunde gehen zu lassen" klingt populär, hätte aber dern Zusammenbruch der Weltwirtschaft zur Folge. Natürlich kann man sich ein anderes System wünschen als das, was wir gerade haben (da gibt es ja tatsächlich gute Gründe für), aber der Zusammenbruch des aktuellen Wirtschaftssystems würde zunächst einmal Massenarbeitslosigkeit und Verarmung bedeuten und das weltweit. Das sollte man sich schon bewusst machen.
2. Die EU hat Länder wie Tschechien ja nicht aus lauter Altruismus aufgenommen, sondern weil sie sich davon politische und wirtschaftliche Vorteile verspricht. Man sollte nicht so tun, als wäre das nur ein Zuschussgeschäft.
3. Der Weg, mit milliardenschweren Konjunkturprogrammen die Wirtschaft am Laufen zu halten, ist wahrscheinlich derzeit ohne Alternative, aber nichtsdestotrotz überaus riskant. Es ist ja nicht nur Herr Topolanek, der vor den unübersehbaren Folgen warnt. Frage an manesse und co: Wie erfolgreich muss ein Politiker sein, bevor er offen seine Meinung sagen darf?
manesse (25.03.2009, 22:23 Uhr)
Klaus und Topolanek
haben es noch nicht einmal geschafft, das eigene Land in den 20 Jahren seit Einführung der Demokratie ordentlich voran zu bringen. Und nun spielen sich diese Politiker als ökonomische Lehrmeister Amerikas und Europas auf? Das ist doch überheblich. Was nimmt sich dieser Topolanek eigentlich heraus? Der ist noch nicht einmal im Stande, bei sich zuhause eine eigene Parlamentsmehrheit zu organisieren, und spuckt nun in Brüssel große Töne. Dreister geht's nicht.
Man wird den Tschechen deutlich machen müssen, dass sie die EU unverzüglich zu verlassen haben, wenn sie den Lissabon-Vertrag nicht ratifizieren. Solche Defätisten können wir in der EU nicht gebrauchen. Dann sollen sie doch die Wirtschaftskrise alleine durchstehen. Es darf keinem Land innerhalb der EU Obstruktion gestattet werden. "Love it, or leave it!" Dies muss die Maxime der EU gegenüber solch renitenten und rechtaberischen Kleingeistern wie Klaus oder Topolanek sein.
Popobawa (25.03.2009, 21:36 Uhr)
@NewWorld
Wer weiß, genug Terrorverdächtige wurden ja schon verhaftet ohne jemals vor ein Gericht gestanden zu haben, vielleicht sogar schon hingerichtet, man muss es ja nicht an die große Glocke hängen. Ob das nun wirklich Terroristen sind oder wie früher Klassenfeinde werden wir mit unseren beschränkten Informationen nicht sagen können. Vermutlich werden sich unsere Kinder nach einer Revolution darüber aufregen wie blind und dumm wir waren.
Und zum Thema USA, recht hat der Mann. Es ist gerade mal eine Blase geplatzt und schon stecken wir so tief in der scheiße. Bin gespannt wann die wichtigste Blase platz (Dollar).
vegefranz (25.03.2009, 19:51 Uhr)
auch die Tschechen sind nur in der EU, um Gelder abzuzocken
darin ähneln sie den Polen und anderen osteuropäischen Staaten. Sind diese Länder erst einmal in der EU wird man sie nicht wieder los und kann zahlen ohne ende. Wann wird diesem EU-WAHNSINN endlich ein Ende bereitet???ß
jetrabbit (25.03.2009, 17:31 Uhr)
kristallklare sicht der dinge,
er nennt das kind beim namen. ich sage es immer wieder... merkel die NWO hörige...
.
alles für die bankster und den geld adel. während sich 9/11 steinmaier und merkel um den thron streiten wie im mittelalter, verliert das volk seine letzten reserven... pervers.
starmax (25.03.2009, 17:25 Uhr)
So weit sind wir also wieder mal
...wer die Wahrheit sagt, kriegt als der "Bote mit der schlechten Nachricht" eins übergebraten. Mit dem Inhalt möchte man sich lieber nicht auseinandersetzen...
Dabei kommt es sehr bald noch viel schlimmer (SZ heute lesen!) - was vielen Kommentatoren hier gar nicht bewußt zu sein scheint.
Denkt dann mal in ca. einem Jahr an heute zurück - wer sich dann noch Internet leisten kann....
Obama ist n i c h t dumm! Er spielt sein Rolle auftragsgemäß und perfekt; denn der Auftrag ist nicht etwa, die Krise zu überwinden oder die alten Wohlstände herzustellen, sonder zu beruhigen und falsche Hoffnungen zu wecken, damit der Geldadel noch schneller Sachwerte asgreifen kann von Menschen, die jetzt die falsche Entscheidung treffen.
Julian2225 (25.03.2009, 17:03 Uhr)
PS
das die Staatsverschuldung in die Trillionen gehen wird ist den Banken im uebrigen egal, die haben ihre Kohle und werden sie offshore verwalten wenn die Inflation eintrifft.
Wenn Chinesen in die USA kommen und ganze Strassenzuege billig aufkaufen (koennen) dann weiss man was welche Stunde geschlagen hat!
Reality (25.03.2009, 16:58 Uhr)
Wo er Recht hat hat er Recht...
Er hat wohl als einer der wenigen das gesagt was man wirklich zu diesem Thema sagen kann.
Neue Schulden um die Alten Schulden zu begleichen mit Aussicht auf Schuldsklaverei der eigenen Bevölkerung kann ja wohl nicht die Lösung sein.
Es muß so gehandelt werden, dass der Wirtschaftmarkt, Weltweit kontrolliert werden kann.
Es müssen Auswüchse der Vergangenheit, Schulden zu machen um neue Schulden erneut wieder zu gebären, unterbunden werden.
So wie es jetzt aussieht, wird nichts oder fast nichts geändert werden, es scheint man will so weiter wursteln wie bisher.
Dem schlechten Geld gutes Geld hinterher werfen, die Geldpressen auf Hochtouren laufen lassen, was eine weiter sich verstärkende Inflation zur Folge haben wird.
Geld in ein Fass ohne Boden zu werfen ist sinnlos.
Man will offensichtlich mit neuen Schulden der Lage Herr werden um so weiter zu machen mit diesen wirtschaftlichen Roulettespielen.
Genügt es nicht wenn wir zusehen müssen wie alles das in den letzten Jahren aufgebaut wurde kaputt geht ?
Die USA müssen leider wenn es ihnen Ernst ist, sich zu Regulierungen des Kapitalmarktes durchringen, auch wenn es den Banken nicht gefallen wird, denn die würden natürlich dieses Spiel bis zum Exzess weiterspielen wollen.
Sveto (25.03.2009, 16:54 Uhr)
Recht hat er!
Was man uns als Medizin verkaufen möchte (mehr billiges Geld), ist doch das Gift, das die Krise verursacht hat!
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