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14. Juni 2008, 20:16 Uhr

Auf der Suche nach einem Ausweg

Nach dem Nein der Iren zum EU-Reformvertrag suchen die Regierungen fieberhaft nach einem Ausweg. Irland könnte vorübergehend aus der europäischen Integration aussteigen, schlug Außenminister Frank-Walter Steinmeier vor. Krisengespräche werden geführt, Irland fühlt sich in Europa isoliert.

Orange, weiß, aber grün sind sie sich nicht: Die Iren haben den EU-Reformvertrag abgelehnt© Olivier Hoslet/DPA

Nach dem Nein der Iren zum EU-Reformvertrag hat eine fieberhafte Suche nach Auswegen aus der schweren Krise der Union begonnen. Als eine Möglichkeit brachte Außenminister Frank- Walter Steinmeier den vorübergehenden Ausstieg Irlands aus der europäischen Integration ins Gespräch. Damit könnte der Weg freigemacht werden für das Inkrafttreten des Vertrages unter den übrigen 26 EU-Mitgliedsländern. "Aber das ist keine ganz banale Rechtsfrage", sagte Steinnmeier am Rande eines Besuchs in Peking.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nahm derweil Krisengespräche mit europäischen Regierungen auf. Barroso werde das ganze Wochenende und die kommenden Tage mit den Staats- und Regierungschefs über Auswege beraten, sagte sein Sprecher Johannes Laitenberger. Bereits am Montag wird das Thema im Mittelpunkt des lange geplanten EU-Außenministerrats in Luxemburg stehen. Auch das Treffen der 27 EU-Staats- und Regierungschefs am kommenden Donnerstag und Freitag in Brüssel dürfte damit zum Krisengipfel werden.

Irische Regierung: Wiederholung unwahrscheinlich

Die irische Regierung äußerte die Befürchtung, sie sei nach dem Nein in der EU nun isoliert. "Ich denke, das Ergebnis schadet uns und unserer Position in Europa enorm", sagte der Staatssekretär für Integration, Conor Lenihan. Eine Wiederholung des Referendums hält er für unwahrscheinlich. Auch Ministerpräsident Brian Cowen hatte eine erneute Abstimmung nicht in Betracht gezogen.

Bei dem Referendum hatten am Donnerstag 53,4 Prozent der Iren gegen den Vertrag gestimmt, 46,6 Prozent waren dafür. Irland musste laut Verfassung als einziger der 27 EU-Staaten die Bürger um ihre Meinung fragen. Der Reformvertrag von Lissabon war im vergangenen Dezember nach schwierigen Verhandlungen - vor allem unter deutscher und portugiesischer Präsidentschaft - unterzeichnet worden. Er sollte Anfang 2009 in Kraft treten.

Steinmeier: "Herber Rückschlag"

In dem Vertrag gibt es mehrere Neuerungen: ein neues Abstimmungsverfahren im Ministerrat mit häufigeren Mehrheitsentscheidungen, eine Stärkung der nationalen Parlamente, die Schaffung eines EU-"Außenministers" mit eigenem diplomatischem Dienst sowie die Schaffung eines Präsidenten des Europäischen Rates. Solange der Nizza-Vertrag weiter gilt, kann sich die EU nicht mehr erweitern, da ihr maximal 27 Staaten angehören dürfen. Damit ist der für 2009 angestrebte Beitritt Kroatiens in Gefahr.

Steinmeier sagte, es müsse nun über einen Ausweg aus einer rechtlich nicht einfachen Situation diskutiert werden. Das Nein der Iren bezeichnete er als "herben Rückschlag" für Europa und die Integration Europas insgesamt. "Da gibt es überhaupt nichts zu beschönigen." Er könne auch eine persönliche Enttäuschung nicht verhehlen, sagte Steinmeier mit Blick auf die "Tage und Nächte", die während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft auf die Suche nach einem politischen Kompromiss zum Reformvertrag verwendet worden seien.

Sarkozy: Wir müssen das europäische Projekt erklären

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy rief zu neuen Anstrengungen für Europa auf. "Wir müssen berücksichtigen, dass die Menschen (das europäische Projekt) nicht verstanden haben", sagte Sarkozy, der in der zweiten Jahreshälfte die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt. Zuvor hatte sich Sarkozy gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel dafür ausgesprochen, den Ratifizierungsprozess fortzusetzen. Sarkozy erwartet nach der Ablehnung des EU-Reformvertrags in Irland eine schwierige Ratspräsidentschaft. Das mache die Aufgabe für Frankreich nicht einfacher, sagte er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Präsident George W. Bush in Paris.

Der französische Europa-Staatssekretär Jean-Pierre Jouyet sprach sich für eine "Anpassung" des Textes und eine erneute Abstimmung in Irland aus. "Man muss den Iren Zeit zum Nachdenken lassen", sagte Jouyet dem Sender Europe 1. "Es ist noch zu früh, um zu wissen, was sie von uns erwarten", fügte er hinzu.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 44)
 
ecomoc4u (17.06.2008, 20:07 Uhr)
gesunder protektionismus
@davehaasters "...sondern eher auf dem globalen Markt zu überleben und den allgemeinen Wohlstand der Bevölkerung zu halten."
.
@Nostradamus
""...Das bedeutet keinen billigen Müll mehr aus Fernost kaufen..."
.
dazu: gleiches problem wie oben.
.
uns kann nur eine mischung aus russischer sozialtreue und amerikanischem erfindergeist helfen, oder umgekehrt, für den der es mag.
UweEllinghausen (16.06.2008, 02:05 Uhr)
Nostradamus
All das notorische Genoergel bringt doch ueberhaupt nichts, reine Zeitverschwendung. Wem es in Deutschland nicht so recht passt sollte meinen Ratschlag befolgen: Auswandern oder zumindest es vermeiden nach Deutschland einzuwandern.
So habe ich es gemacht, niedergelassen 22 Flugstunden oestlich von Eurem hitzigen Brandherd. Und nach wie vor bin ich stolz genug zu sagen dass ich Deutscher bin. Nach wie vor sind meine jaehrlichen Besuche in Deutschland sehr erfreulich, im Gegensatzt zu Besuchen in anderen Laendern innerhalb der EU. Schon mal in England gewesen? Oder Holland? Mir sind eigentlich nur ausgesprochen freundliche Deutsche in meinem Heimatland ueber den Weg gelaufen wenn auch der Eine oder der Andere seine kleinen Problemchen hat. Vielleicht sollten mal diejenigen, die staendig auf die Traenendruesen druecken, sich die Nachbarlaender ein bisschen genauer anschaun. Dort stinkt es zum Teil, und mir ist wohl bekannt das mit den deutschen EU-Beitraegen hier ordentlich zugebuttert wird. Das ist halt das Resultat der heutigen EU. Waere es bei den EU-Gruenderstaaten geblieben, waere die Situation offensichtlich etwas anderes. Ich koennte mir sogar vorstellen das ich keinen Grund gehabt haette zum Auswandern. Wer aber heute in Deutschland lebt muss davon ausgehen das ein Grossteil seiner hard verdienten Taler in die erweiterten Mitgliederstaaten abwandern, und da gibt es absolut nichts was ein paar Beitraege beim Stern Forum aendern koennte, ausser dem Einen: Auswandern.
Nostradamus (15.06.2008, 21:48 Uhr)
@davehaasters: Richtig
Du hast keine Ahnung oder streust absichtlich Dummfug unter die Menge.
Worin ich Dir zustimme:
Europa braucht eine Verfassung oder einen EU Vertrag.
Worin wir uns unterscheiden ist bezüglich dessen was akzeptabel und was inakzeptabel ist.
Inakzeptabel ist, wenn man versucht den demokratischen Rechtsstaat durch einen europäischen Moloch zu ersetzen.
Was hat uns Europa gebracht? Den Deutschen nur deutliche Verschlechterungen. Abbau von Bürgerrechten, Anstieg der Armut, eine unüberschaubere Bürokratie und Milliarden Kosten. Wir sind nunmal di größten Nettozahler in Europa aber gleichzeitig das ärmste Volk in Europa.
Schlechteste Bildungssysteme, Altervorsorge, den geringsten Anteil an Eigenheimen pro Kopf der Bevölkerung, eine recht hohe Sterblichkeit und eine vergleichsweise schlechte Gesundheitsversorgung etc..
Da kann man mit Propanda niemanden mehr täuschen. Die Bevölkerung hat diesem Europa den Rücken zugedreht und dafür kann man nicht den Bürgern die Schuld geben sondern allenfalls jenen, die schlechte Arbeit geleistet und den Bürgern "Bärendienste" erwiesen haben.
Zur Globalisierung ist zu sagen, dass die Bürger Europas und Amerikas überhaupt die Mittel zur Verfügung gestellt haben, dass die Dritte Welt heute die Führung übernommen hat und wie stark da die Verquickungen internationaler Konzerne sind weiß niemand.
Finanzieren wir die Globalisierung selbst, die uns den Takt vorgibt in dem wir Sozialabbau betreiben? Ja. Damit sollte Schluß sein!
Das bedeutet keinen billigen Müll mehr aus Fernost kaufen, das bedeutet keine finanzielle Hilfe mehr für die, die sie nicht benötigen, wie China und Indien, das bedeutet auch Förderung der eigenen Stärken, Nutzung eigener Ressourcen, Reduzierung der Abhängigkeiten, mehr Autonomie für Europa.
Is2a3bella (15.06.2008, 21:44 Uhr)
*Thema nachlesbar
Die derzeitige "Politik-Elite" sorgt sich um den Machterhalt.
Wirklich interessantes Thema* auf 3sat,
21 Uhr am 15.05.08
http://es.wikipedia.org/wiki/Imagen:Escudo_Reyes_Catolicos.png
http://www.youtube.com/watch?v=I540IM8nB-A
http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Isabel_I_de_Castilla.jpg
Nostradamus (15.06.2008, 21:38 Uhr)
@IndianerJoe: Rechtsstaatlichkeit nach Gutsherrenart
Prinzipiell hast Du recht. Für die Masse ist soziale Sicherheit ein Luxusgut geworden. Diejenigen, die diese noch haben sind die Beamten und der öffentliche Dienst. Ich möchte hier betonen, dass der öffentliche Dienst für mich nur Arbeiter und Angestellte in Staatsdienst sind. Nicht der Müllwerker oder die Krankenschwester, die für "privatwirtschaftliche" Unternehmen arbeiten.
Diese Gruppen haben sich zusammen mit Teilen der Politiker von der allgemeinen Entwicklung abgekoppelt. Jene sind es, die vom internationalen Wettbewerb reden aber trotz leerer Kassen mal eben deutliche Gehaltserhöhungen fordern.
In 2003/2004, da hat Herr Schäuble schon mal einem kräftigen Schluck aus der Pulle zugestimmt und es hieß damals, nur, weil dann für viele Jahre Schluß sei. 2007 gibt es dann wieder.
Letztendlich haben wir hier ein System in dem sich die, die die Macht haben nach belieben selbst bedienen und alle anderen ausgebeutet, belogen und betrogen werden und man alles tut, um den sich anbahnenden Widerstand mit aller Gewalt zu unterdrücken.
Es dauert bis sich Vergewaltigungsopfer wehren aber meist sind sie schwach und bezahlen den Widerstand mit dem Tot. Vergewaltiger suchen sich normalerweise immer nur unterlegene Opfer. Der Punkt ist der, dass das in diesem Staat nicht mehr gegeben ist. Man beklaut immer mehr die wehrhaften.
utospatz (15.06.2008, 20:17 Uhr)
Das irische Volk hat doch recht
der Hauptsponsonsor Deutschland füttert Europa, lässt 2,5 millionenen eigene Kinder hungern, nur damit Präziosen der politischen Gesellschaft in der Gegend herumlungern! Egal wie sie heißen, schickt sie mit den Meisen, am Besten in die Wüste Gobi, dort fehlt an Hirn solchen Trotteln am Meisten!( Mach mal in der BRD eine Umfrage über Europa)
Die größten Profiteure von Europa sind die Abgeordneten die niemand in den einzelnen Ländern mehr braucht!
IndianerJoe (15.06.2008, 13:41 Uhr)
Anarchie - haben wir doch schon längst!
@Nostradamus:
.
"Letztendlich wäre das der Einstieg in die Anarchie."
.
Anarchie haben wir doch schon - zumindest in den Betrieben: sogenannte "Arbeitgeber" lassen die Menschen ohne reguläre Arbeitszeiten bis zur totalen Erschöpfung arbeiten, fordern von ihnen unbezahlte Überstunden, mobben sie raus und leasen sie nach Wohldünken und aktuellem Belieben wieder oder stellen gleich staatsbezahlte Zwangsarbeiter ein, die zwar arbeiten dürfen, aber keinerlei Rechte haben und auch keinen Lohn erhalten.
.
Das, was "in der Wirtschaft", in den Betrieben abgeht, nenne ich Anarchie: einen rechtsfreien Raum, in dem der Stärkere ohne rechtliche oder sonstige Einschränkungen dem Schwächeren abpresst, was im gerade passt -
IndianerJoe (15.06.2008, 13:32 Uhr)
Ein Europa der zwei Geschwindigkeiten"...
... gibt es tatsächlich und schon lange: das eine der zu versorgenden Politbonzen und realitätsfernen EU-Bürokraten - und das Andere derjenigen, die sich im Alltag mit dem täglichen Überlebenskampf abmühen müssen und schön langam die Schnauze gestrichen voll haben von Dummlaberern und Wolkenschiebern!
Is2a3bella (15.06.2008, 12:43 Uhr)
Ab in die Mülltonne
mit dem EU-Vertrag!!!!!
"Mit dem Vertrag von Lissabon wird wird die Charta der Grundrechte rechtsverbindlich. *
Im Artikel 2 dieser Grundrechtecharta steht unter (2):
Niemand darf zur Todesstrafe verurteilt oder hingerichtet werden.
Das PROBLEM liegt im "Kleingedruckten", in den sogenannten Erläuterungen zur Grundrechtecharta.*
Da steht:
"Eine Tötung wird nicht als Verletzung des Artikels betrachtet,"
wenn es erforderlich ist,
"einen Aufruhr oder Aufstand rechtmäßig niederzuschlagen".
Die zweite Ausnahme, wann die Todesstrafe verhängt werden darf:
"Für Taten in Kriegszeiten
oder bei unmittelbarer Kriegsgefahr."
"Das heißt, in der Grundrechtecharta und damit dem Reformvertrag ist die Todesstrafe nicht mehr grundrechtswidrig! Eigentlich ein Skandal."
Quelle eu-vertrag-stoppen
davehaasters (15.06.2008, 12:33 Uhr)
Keine Ahnung
Das Problem ist einfach, dass der Großteil der Bevölkerung einfach mal keinen Plan von der EU hat. Die meisten Kommentatoren anscheinend auch nicht, sonst würden sie nicht so einen Quatsch schreiben und erkennen, wie wichtig und unglaublich großartig die Idee eines vereinigten Europas ist. Und das hat nichts mit Leute ausbeuten zu tun sondern eher auf dem globalen Markt zu überleben und den allgemeinen Wohlstand der Bevölkerung zu halten.
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