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15. Juni 2008, 13:12 Uhr

Irlands "Nein" lässt Schäuble kalt

Nicht überbewerten - dazu rät Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in Sachen irisches EU-Referendum. "Ein paar Millionen Iren" könnten ja kaum die Entscheidung für Europa treffen, meint Schäuble. Die Briten sehen das ganz anders.

Freund des "Europas der zwei Geschwindigkeiten": Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU)© Axel Schmidt/ddp

Nach dem Nein der Iren zum EU-Reformvertrag hat Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Gemeinschaft zu mehr Transparenz bei ihren Entscheidungen aufgerufen. "Die Menschen mögen einzelne Aspekte der Politik in Brüssel nicht, etwa weil sie nicht hinreichend transparent ist", sagte Schäuble laut Vorabbericht der "Welt am Sonntag". Er sei aber sicher, dass es in Europa eine "klare Mehrheit" für die europäische Einigung gebe.

Schäuble, der bereits 1994 in einem Papier ein "Europa der zwei Geschwindigkeiten" - also Bündnisse, an denen nicht alle EU-Länder teilnehmen müssen - gefordert hatte, riet dazu, das irische Nein nicht überzubewerten. "Natürlich müssen wir die irische Abstimmung ernst nehmen. Aber es kann ja nicht sein, dass ein paar Millionen Iren für 495 Millionen Europäer die Entscheidung treffen. Zu sagen: Das Volk ist gegen die europäische Einigung, ist Unsinn", sagte er. "Ich glaube nicht, dass die europäische Einigung an dem irischen Referendum zugrunde geht." Als Weg für mehr Bürgernähe nannte Schäuble die Direktwahl des künftigen Ratspräsidenten: "Ich wäre auch dafür, dass wir eines Tages den Präsidenten des Europäischen Rats, diese künftige europäische Führungspersönlichkeit, in einer europäischen Wahl wählen."

Die Iren hatten am Freitag in einem Referendum gegen den Vertrag von Lissabon gestimmt, der die EU nach jahrelanger Reformdebatte demokratischer und handlungsfähiger machen soll. Irland hielt als einziger Mitgliedstaat eine Volksbefragung ab, weil dies in seiner Verfassung vorgeschrieben ist. Alle anderen EU-Staaten lassen die Parlamente entscheiden. Inzwischen haben 18 Länder, darunter auch Deutschland, dem Vertragswerk zugestimmt.

Die Briten halten gar nichts von den "zwei Geschwindigkeiten". "Das war die Agenda von 1990, nicht die des 21. Jahrhunderts", sagte der britische Außenminister David Miliband am Sonntag dem Sender BBC. Der Vorschlag von einem Europa, das in eine "erste, zweite und dritte Abteilung" gegliedert sei, "stimmt nicht mit der heutigen Realität überein". Miliband vertrat die Auffassung, dass Europas Regierungschefs eventuell akzeptieren müssten, dass der EU-Reformvertrag nicht in Kraft treten könne. "Die Regeln sind absolut klar. Wenn nicht alle 27 Länder den Vertrag von Lissabon billigen, dann kann er nicht in Kraft treten."

Briten unter Druck

Die britische Regierung steht nach dem Nein der Iren wieder verstärkt unter Druck, weil sie - anders als vor der Wahl 2005 versprochen - den Vertrag im Parlament und nicht vom Volk billigen lässt. Die Opposition wiederholte am Wochenende die Forderungen nach einem Referendum in Großbritannien.

Frankreich will seine umfangreichen Pläne für die bevorstehende EU-Ratspräsidentschaft trotz der irischen Ablehnung des EU-Vertrags vorerst nicht ändern. "Die Agenda wird nicht infrage gestellt, sie ist jetzt umso notwendiger, weil sie auf die Sorgen der Bürger eingeht", betonte der französische Europa-Staatssekretär Jean-Pierre Jouyet in der Zeitung "Journal du Dimanche".

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 34)
 
Ma-Cell (17.06.2008, 12:33 Uhr)
Schäubles Demokratieverständnis
Schäuble hat sich noch nie für die Meinung des Bürgers interessiert. Und Demokratie scheint für ihm auch ein Fremdwort zu sein. Warum sollte er also auch verstehen, dass ein Volk gegen den EU-Vertrag gestimmt hat?
Sempralon (17.06.2008, 07:31 Uhr)
Wer sagt, das kosherpork ...
... ein Ire ist ? Mein Englisch ist genauso "gut" wie seines ...
Entweder ist kosherpork die bayrische Mundart (sorry liebe Bayern, aber Ihr habt mit die deftigste Aussprache Deutschlands) oder er ist Deutscher mit einem fürchterlichen Akzent !
seppmaier (16.06.2008, 17:04 Uhr)
nicht überbewerten?
bei dem dr.seltsam-schäuble kommt mir echt die galle hoch!
was glubt der denn wie hier in deutschland ein referentum ausfallen würde?
die merheit der bürger aller staaten der eu sind gegen dieses undemokratische monster.
wenn dem schäuble nicht passt, bitteschön, wir ihm keiner ne träne nachweinen. bye bye!
ganzbaf (16.06.2008, 10:50 Uhr)
Keine EU-DSSR!

Und kein Aushebeln des Grundgestzes!
Nach Artikel 20 kann, darf und muß hier der Volkssouverän aktiv Widerstand leisten.
nightmare_online (16.06.2008, 10:06 Uhr)
Degenerierung
Die Vorgänge um die Ablehnung der Iren sind für mich das eigentlich interessante.
Zunächst mal ist der Reformvertrag die (abgelehnte) europäische Verfassung, mit einigen kosmetischen Umformulierungen. Diesmal wird die Bevölkerung (abgesehen von den Iren) erst gar nicht gefragt. Vorsichtshalber.
Im "Reformvertrag" steht eindeutig das er nur dann in Kraft gesetzt wird, wenn er von allen Vertragsstaaten ratifiziert wird. Das passiert nun nicht, entsprechend müsste der Vertrag "tot" sein.
Aber was passiert: Die Politiker brechen die Vereinbarungen, die sie selbst aufgestellt haben!
Das ganze ist für mich der ultimative Beweis - wenn es noch eines solchen bedurft hat - für die Degeneration der politischen Kaste. Jeder Politiker der nun ein "weiter so" empfiehlt, gehört IMHO aus seinem Amt entfernt.
Achja, noch ne kleine Anmerkung zur Abstimmung in Irland: Wenn der Reformvertrag so toll wäre wie uns die Politik glauben machen will, dann wäre das der Bevölkerung auch zu vermitteln. Es geht hier schliesslich nicht um die Relativitätstheorie. Wenn das also nicht zu vermitteln ist, hat das Gründe.
Ach und zum Schluss: Typisch ist, das hier in D der Bürger - wie immer - nicht gefragt wird.
AxelR. (16.06.2008, 09:32 Uhr)
Demokratie? WO?
Ein Signal für mehr Bürgernähe wäre doch, die Bürger JEDEN Landes zu fragen, ob sie den EU-Vertrag wollen oder nicht. Die Iren durften abstimmen, die Deutschen (und viele andere Länder) nicht. Warum? Weil klar ist, dass dieser EU-Vertrag von der Mehrheit abgelehnt wird. Der Gipfel ist jedoch, dass manche Politiker jetzt solange wählen lassen wollen, bis das Ergebnis stimmt.
Is2a3bella (16.06.2008, 09:06 Uhr)
Mal nachlesen
WIKIPEDIA siehe Republik
"Antike
Erste Ansätze einer am Gemeinwohl orientierten Gesellschaft erschienen in der ..... des Aristoteles.
Er teilte die sechs ihm bekannten Herrschaftsformen in zwei Kategorien:
die Guten, am Gemeinwohl orientierten (Monarchie, Aristokratie, Politie) und
die Schlechten, die sich nur nach dem Bedürfnis der herrschenden Gruppe richten (Tyrannis, Oligarchie, Demokratie beziehungsweise Ochlokratie)."
Nuvla (16.06.2008, 07:52 Uhr)
Zurück zum Krautsspeaking
Wenn man sieht, was unser lieber irischer Freund kosherpork so von sich gibt, wird klar, weshalb eine Volksbefragung in Irland geradezu unter Strafe gestellt werden sollte.
Sempralon (16.06.2008, 01:23 Uhr)
Ochlokratie ... geil, das passt auf Deutschland wie ...
... die Faust auf's Auge :
http://de.wikipedia.org/wiki/Ochlokratie
Danke manesse !
Gucke dich um, was siehst du hier in Deutschland ?
Du siehst (wahrscheinlich nicht ...), das in Deutschland die Politisch-Wirtschaftliche Selbstbedienung herrscht, das in Deutschland die Politik wieder zu Mitteln greift, die in der DDR zu einem leichten Unmut geführt hatte ...
... und hier noch etwas zum Lesen, wie Verträge gehandhabt werden:
"6. Artikel 146 wird wie folgt gefaßt: „Artikel 146 Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“ "
Quelle: http://www.bpb.de/wissen/FMJCMZ,0,0,Grundgesetz.html
... ist Deutschland nun wiedervereinigt oder nicht ?
Sollen wir Deutschen auf die alte Ländergrenzen von 1937 warten ??
Oder ist Deutschland in den Grenzen von 1942 das erstrebte Ziel ?
Komm schon, manesse ... sage es mir !
Wann ist der Wahnsinn vorbei ... nach dem nächsten Bürger- oder Weltkrieg ?
Tja ... der Tag ist lang ... du hast Zeit ...ich stelle die Frage: Wie lange noch ?
Ich werde es dir sagen, sobald du wegen einer Nichtigkeit wie einer Meinungsäußerung in einer Zelle sitzt und des Hochverrats bezichtigt wirst ... nur dann wird es zu spät sein !
manesse (16.06.2008, 00:50 Uhr)
Was die Iren
mit diesem "Nein" der europäischen Öffentlichkeit vorexerziert hat, ist nicht Demokratie, sondern - wie die antiken Staatstheoretiker sagten - "Ochlokratie", zu deutsch: Pöbelherrschaft. Die Iren bissen in die Hand, die sie nährte, nämlich in die Hand der EU, die riesige Milliardenbeträge auf die grüne Insel schmiss, um Irland aus seiner Jahrhunderte währenden ökonomischen Krise zu führen. Raus aus der EU mit einem zu tiefst unsolidarischen und unfairen Volk, das die EU aus kleinlichen und hinterwäldlerischen Gründen, gepaart mit boshafter Arroganz, blockiert. Die Iren können ja nach dem Rauswurf aus Europa bei den Briten anklopfen, damit sie Irland wieder einmal Hukepack nehmen.
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