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17. Juni 2008, 08:28 Uhr

Juncker warnt vor Isolation Irlands

Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker rechnet nach dem Nein der Iren mit deutlichen Verzögerungen beim EU-Reformvertrag. Er warnt jedoch davor, Irland deswegen unter Druck zu setzen. Es sei arrogant, den Iren zu sagen, ihr Votum zähle nicht.

Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker rechnet nach dem Nein der Iren mit Verzögerungen beim EU-Reformvertrag© Dominique Faget/AFP

Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker warnt davor, Irland nach dem Nein-Votum zum Lissabon-Vertrag unter Druck zu setzen oder zu isolieren. "Ich bin darüber beunruhigt, dass es vor allem großen EU-Staaten an Sensibilität gegenüber Irland fehlt", sagte der dienstälteste Regierungschef der "Financial Times Deutschland". "Wir überwinden die Krise nicht, wenn wir den Iren Standpauken halten oder sie in die Ecke stellen", kritisierte Juncker.

Er halte es "für verhängnisvoll, wenn wir Irland ausgrenzen würden", sagte Juncker. Es sei "arrogant", den Iren zu sagen, ihr Votum zähle nicht, weil es aus einem kleinen Land käme. "Ich bin ein Spezialist für kleine Staaten", sagte der luxemburgische Regierungschef. "Sie mögen es nicht, wenn die Großen ihnen Lektionen erteilen". Die EU müsse mit Irland einen Weg aus der Krise finden.

Nach Informationen der "FTD" zeichnen sich die Konturen einer Lösung der Referendumskrise ab. So verlautete aus Kreisen der EU-Regierungschefs, es könnten Irland einige Protokolle und Erklärungen angeboten werden, die Ängste der irischen Wähler vor Eingriffen in die nationale Souveränität entkräften könnten. Dazu könnten Klarstellungen gehören, dass der Lissabon-Vertrag nicht zu einer Legalisierung von Abtreibungen führe, die Neutralität des Landes nicht antaste und Dublins Vetorecht bei EU-Steuerbeschlüssen nicht in Frage stelle.

Der "Welt" sagte er, er rechne mit deutlichen Verzögerungen beim EU-Reformvertrag. Er erwarte, dass dieser nicht wie geplant am 1. Januar 2009 in Kraft treten werde. "Es wird also zum Beginn des kommenden Jahres keinen neuen EU-Ratspräsidenten, der für zweieinhalb Jahre amtiert, keinen neuen Hohen Beauftragten für Außen- und Sicherheitspolitik und keinen neuen Europäischen Diplomatischen Dienst geben." Zugleich betonte Juncker, dass die Verzögerungen auch eine Verkleinerung der EU-Kommission erforderlich machten: "Sollte der Lissabonner Reformvertrag nicht in Kraft treten, muss die EU-Kommission laut des Vertrags von Nizza, der ja dann immer noch gültig ist, mit derzeit 27 Kommissaren ab 2009 verkleinert werden. Dann wird nicht mehr jedes Land einen eigenen Kommissar haben."

AFP/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
SABATA (17.06.2008, 16:19 Uhr)
IRLAND HAT RECHT
IRLAND steht nicht Abseits und wird auch nicht Benachteiligt sein , eher ist es Richtig dieses Referendum Abzulehnen , weil , wenn man genau Hinsieht die Nachteile überwiegen .
Wenn Deutschland wählen dürfte würde dieses " Machwerk " auch Abgelehnt .
Aber leider sind wir mal wieder Entmündigt worden beim Referendum .
Necro (17.06.2008, 15:58 Uhr)
Wieso Arroganz
Also mal echt wo haben wir uns den bitte arrogant verhalten?
Ob es Ihnen nun gefaellt oder nicht. Ein Referendum war in Irland unumgaenglich und unser Ziel war hier nicht der europaeischen Idee ans Bein zu pinkeln sondern wir haben einen Vertrag abgelehnt. Ihre Argumentation ist hoechst bedenklich. Du machst nicht was ich will, also darfst du nicht mehr mit mir spielen und auch nicht mehr in mein Zimmer. Sie sie so auch immer mit Ihren Freunden umgegangen ?
Und was soll das Gesuelze von frei gewahlter Regierung ? Die wird auch in Irland frei gewaehlt nur haben hier die Verfassungsvaeter bei gewissen Fragen eine Mitbestimmung eingeraeumt.
Nicht mehr und nicht weniger
Das mit einem irischen Nein der komplette Plumperquatsch geblockt ist, ist auch nicht auf unserem Mist gewachsen.
Und natuerlich sprechen wir nur fuer uns und nicht fuer Europa, wir haten nie was anderes vor.
Fakt ist doch wohl das man einer Mehrheit nicht diesen Vertrag vermitteln konnte.
Meinethalben werft uns halt raus, ich bin schon sehr gespannt was das fuer Reaktionen heraufbeschwoert.
Gruss aus Irland
manesse (17.06.2008, 13:48 Uhr)
@countryjoe
Sie beschreiben die Arroganz und Überheblichkeit der Iren in Ihrem Beitrag sehr gut. Es steht den Iren überhaupt nicht zu, das Ratifizierungsverfahren in den anderen Staaten auch nur irgendwie zu kritisieren, oder gar zu behaupten, sie (die Iren) hätten quasi stellvertretend im Sinne einer schweigenden europäischen Mehrheit entschieden. Welch eine Anmaßung! Die Verfassungen der übrigen Staaten garantieren die Bedingungen für eine repräsentative Demokratie mit frei gewählten Parlamenten, die vom Souverän (dem Staatsvolk) ermächtigt sind, über den Vertrag abzustimmen. Diese Parlamente sprechen für das jeweilige Staatsvolk; und auch die Iren sprechen nur für sich und sonst für niemanden. Ich kritisiere aus diesem Grund auch nicht das irische Ratifizirungsverfahren, vielmehr die Entscheidung, die die Iren in diesem Verfahren getroffen haben. Wenn die Iren nun den Lissabon-Vertrag für bedenklich halten und die anderen Völker eben nicht, dann muss aus diesem Dissenz zwischen Irland und Europa die Konsequenz gezogen werden. Dann haben sich die Iren nämlich aus freien Stücken aus Europa herauskatapultiert. Und dann sollen sie eben sehen, wo sie bleiben. Die europäische Karawane hingegen wird dann weitermarschieren und die Iren einfach links liegen lassen.
Necro (17.06.2008, 13:32 Uhr)
Nochmals
Dublin hatte gar keine andere Wahl da hier von der Verfassung ein Referendum vorgeschrieben ist. Waere das nicht der Fall waere auch hier der Vertrag durchgewunken worden. Die beiden grossen Parteien : Fine Fail und Fine Gail haben hier eine grosse Vote "Yes" Kampagne gestartet. Intressanterweise findet man im stern immer nur die Vote No Plakate.
Selbst die Green Party war fuer ein "yes".
Das nicht komplett Europa aufgerufen worde seine Stimme zu erheben kann man uns nun wahrlich nicht vorwerfen.
Auch wird hier immer so getan als ob wir immer generell alles von der EU blocken. Die EU Verfassung ist damals auch von NL und F abgelehnt worden.
Konsequenterweise sollten die dann ja auch nicht mehr mitspielen duerfen.
Wenn ich Ihre Kommentare lese manesse wird mir echt schlecht.
Dem Volk nur kein Stimmrecht geben.
Also immer schoen das Kreuz bei der CDU machen. Stasi 2.0 alias Schaeuble wird schon dafuer sorgen das Sie bald gar keine Kreuze mehr machen muessen und alles schoen abnicken duerfen.
Countryjoe (17.06.2008, 13:05 Uhr)
@manesse
Die Iren haben nicht über Europa, sondern über den höchst bedenklichen Lissabonvertrag abgestimmt. Wären alle Europäer gefragt worden und nicht von ihren Regierungen übergangen, dann wäre dieses undemokratische Machwerk auch gescheitert. Deshalb hat man ja die Abstimmung soweit möglich vermieden, sondern den Vertrag von Parlamentariern abnicken lassen, die ihn selbst nicht begriffen haben.
Um in einer globalisierten Wirtschaft bestehen zu können, genügt eine Wirtschafts- und Handelsunion vollauf. Es ist nicht notwendig, dazu die Verfassungen der Mitgliedsstaaten außer Kraft zu setzen und einem bürokratischen Monster die Kontrolle aller Lebensbereich zu gewähren.
tricky_dude (17.06.2008, 12:41 Uhr)
Wie bei Mugabe
Wenn einem das Abstimmungsergebnis nicht paßt, dann wird Druck ausgeübt.
NeuerMensch (17.06.2008, 12:30 Uhr)
@manesse
Die Iren sprechen sich nicht gegen Europa aus, sondern gegen die politische Gestaltung Europas in Form des Lissabonvertrages, der ja zu 98% nichts anderes ist, als der vorhergehende Vertrag, den auch das französische und das niederländische Volk abgelehnt haben. Vielleicht sollte man Europa politisch so gestalten, daß die Bürger(!) dem zustimmen wollen. Eine friss-oder-stirb Einstellung ist für ein so wichtiges und großes Projekt von Verfassungsrang sicher nicht besonders konstruktiv.
manesse (17.06.2008, 12:07 Uhr)
@countryjoe
In einer Demokratie ist es so, dass der gesamte Volkssouverän abstimmt und nicht bloß ein kleiner Teil die übrigen majorisiert. Wenn es denn sein muss, dass in Sachen Europa das Volk zur Abstimmung gerufen wird, dann bitte in ganz Europa und nicht bloß in Irland. Das irische Votum hat kein höheres Gewicht als dasjenige der freigewählten Parlamente der übrigen Staaten. Und wenn die Iren sich nun bereits zum zweiten Mal gegen Europa ausprechen, sollen sie die EU verlassen oder man muss sie rausschmeißen. Solche arroganten und destruktiven Quertreiber wie die Iren können wir in Europa nämlich nicht brauchen. Europa droht nämlich zur Zeit auf allen Feldern in die Defensive zu geraten, weil kleinliche Störmanöver wie bspw. diejenigen der Iren eine klare Interessenpolitik für den Kontinent verhindern. Die Konkurrenz zu Indien, China und andere aufstrebende Regionen dieser globalisierten Welt fordert nämlich zügige Antworten, die dann eben ohne Irland gegeben werden müssen. Die Iren jedenfalls haben den Interessen der anderen EU-Länder schwer geschadet, und dies nun bereits zum zweiten Mal. Deshalb wird man in Europa antiirische Konsequenzen ziehen müssen.
Countryjoe (17.06.2008, 11:45 Uhr)
@manesse
Vielleicht sollten Sie einmal Ihr Verständnis von Demokratie überdenken und wenn Sie gerade dabei sind auch, warum 26 Völker Europas von der Abstimmung ausgeschlossen wurden.
Wir brauchen ein Europa der Völker und kein Europa der Politiker.
manesse (17.06.2008, 11:19 Uhr)
Es wäre tatsächlich
arrogant, die Iren nach ihrem zweiten europafeindlichen Votum nicht ernst zu nehmen. Der Respekt gegenüber dem Votum muss also Konsequenzen haben - und zwar im Sinne des Votums. Das kann nur heißen: Raus mit den Iren aus der EU. Wenn die irisch politische Elite das Votum ihres Volkes noch nicht verstanden hat, ist das das Problem der irischen Regierung. Das übrige Europa aber hat verstanden. Die geldgierigen Iren wollen den Subventionszaster aus Europa abgreifen und gleichzeitig die Blockade der Reform. Diese rundum destruktive Haltung darf nicht geduldet werden. Man muss diesen Leuten deutlich machen, dass ihr Handeln in der Wahlkabine Folgen haben wird, die für Irland hässlich sein werden. Deshalb: Dreht diesem unsolidarischen Voks den Europa-Subventionshahn zu.
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