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28. März 2007, 14:57 Uhr

Die 30-Millionen-Euro-Nummer

Brüssel wird von einem neuen Korruptionsfall erschüttert. Ein EU-Beamter schanzte einem italienischen Landsmann Großaufträge zu - und bekam im Gegenzug sein Haus renoviert. Von Hans-Martin Tillack

Schmiergeld - auch EU-Beamte sind anfällig dafür© Gero Breloer/DPA

In dem jüngsten EU-Korruptionsskandal geht es nach Informationen von stern.de um eine höhere Auftragssumme als bisher bekannt. Nach Erkenntnissen der EU-Betrugsbekämpfungsbehörde Olaf sollen Aufträge im Wert von um die 30 Millionen Euro zu Unrecht vergeben worden sein. Im Mittelpunkt des Skandals steht ein jetzt festgenommener italienischer Beamter der EU-Kommission, der die Aufträge einem ebenfalls italienischen Unternehmer zugeschanzt haben soll. Sie betrafen dem Vernehmen nach unter anderem die Ausstattung des Kommissionsbüros im indischen Neu Delhi. Im Gegenzug soll der Unternehmer dem Beamten nach Informationen von stern.de die Renovierung seines Hauses finanziert haben.

Der belgische Justizsprecher Jos Colpin sagte heute, es scheine sich "um einen sehr großen Korruptionsfall" zu handeln. Gestern hatten um die 150 Polizisten Büros und Privatwohnungen in Belgien, Luxemburg, Italien und Frankreich durchsucht. Razzien fanden auch in Büros der EU-Kommission und des Europaparlaments in Brüssel statt.

345.000 Euro Schmiergeld gefordert

Drei Verdächtige - alle Italiener - wurden inzwischen festgenommen, darunter der EU-Beamte und der Unternehmer sowie ein Assistent eines Europaabgeordneten. Der EU-Beamte arbeitete bisher in der Generaldirektion für Auswärtige Beziehungen der EU-Kommission, die intern als "DG Relex" bezeichnet wird. Er soll über zehn Jahre lang Vergabeverfahren für Sicherheitssysteme in EU-Delegationen außerhalb der Union manipuliert haben.

Aufgeflogen war der Fall von organisierter Kriminalität offenbar erst, nachdem ein finnischer Unternehmer mit der Forderung nach 345.000 Euro Bestechungsgeld konfrontiert wurde. Das berichte die italienische Zeitung Corriere della Sera. Der Finne beschwerte sich darauf bei der Kommission, die nach eigenen Angaben wiederum das Betrugsbekämpfungsamt Olaf einschaltete. Die Ermittlungen hatten bereits vor drei Jahren begonnen.

Von Hans-Martin Tillack
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Rosenengel (29.03.2007, 10:14 Uhr)
Na bestens,
da wissen die Deutschen doch, das die 23,9 Milliarden Euro, die Deutschland in die EU - Kassen einzahlt, "gut" angelegt sind. Und sollte noch mehr Geld für die "große Sause" fehlen, erhöhen wir eben im nächsten Jahr die Mehrwertsteuer wieder um 3 % und machen aus Hartz IV Hartz VI. Es muss ja nicht immer Butter auf dem Brot sein.
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