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So unterschiedlich sind Leistungen für Flüchtlinge in Europa

Es ist die schlimmste Flüchtlingskrise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg: Doch innerhalb der EU ist ein Streit entbrannt, wie Asylsuchende gerecht verteilt werden können. Sechs EU-Länder im Vergleich.

Der Umgang mit Flüchtlingen ist innerhalb Europas nicht einheitlich geregelt.

Der Umgang mit Flüchtlingen ist innerhalb von Europa nicht einheitlich geregelt - und entwickelt sich immer mehr zur Bewährungsprobe für die EU

Hunderttausende Menschen sind in diesem Jahr vor Krieg und Armut nach Europa geflüchtet. Alleine Deutschland erwartet für 2015 etwa 800.000 Asylbewerber. Der Umgang mit Flüchtlingen ist innerhalb der EU aber nicht einheitlich geregelt, die Unterstützung fällt von Land zu Land unterschiedlich aus. Die Leistungen für Asylbewerber im internationalen Vergleich: 

Deutschland

Bis Ende Juli wurden seit Jahresbeginn hierzulande 218.221 Asylanträge verzeichnet, 124,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im gesamten vergangenen Jahr hatten die Behörden knapp 203.000 Anträge registriert. Solange die Asylbewerber in einem Erstaufnahmezentrum sind, erhalten sie neben einer Basisversorgung mit Unterkunft und Essen zusätzlich ein "Taschengeld". Ein alleinstehender Erwachsener bekommt so in der ersten Zeit 143 Euro.

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Großbritannien

Das Vereinigte Königreich nahm 2014 etwa 32.000 Asylbewerber auf. Ihnen wird eine Unterkunft gestellt, selten aber in London oder dem wohlhabenden Südwesten Englands. Ein Flüchtling erhält pro Woche knapp 37 Pfund (50 Euro). Für Schwangere und Frauen mit Kindern unter drei Jahren erhöht sich der Satz je nach Alter des Kindes um wöchentlich drei bis fünf Pfund. Kurz vor oder nach der Geburt steht ihnen außerdem eine Einmalzahlung von 300 Pfund zu. Asylbewerber haben in Großbritannien Zugang zum nationalen Gesundheitssystem, Kinder im Alter zwischen fünf und 17 Jahren haben Anspruch auf eine kostenlose Schulausbildung.

Schweden

Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl nimmt Schweden EU-weit die meisten Flüchtlinge auf: 8,4 Asylbewerber kamen hier 2014 auf 1000 Einwohner, für die gesamte EU lag die Quote bei 1,2. Während ihr Asylantrag geprüft wird, erhalten Erwachsene abhängig von ihrer Familiensituation zwischen 60 und 225 Euro im Monat. Minderjährigen wird zwischen 36 und 159 Euro bezahlt. Flüchtlinge, die nicht in Aufnahmezentren untergebracht sind, werden als Alleinstehende mit 37 Euro pro Monat zusätzlich unterstützt, Familien erhalten bis zu 89 Euro.

Frankreich

In Frankreich wurden in den ersten sieben Monaten des Jahres knapp 38.000 Asylanträge gestellt. Anders als seine europäischen Nachbarn verzeichneten die französischen Behörden 2014 einen Rückgang von fünf Prozent. EU-weit stieg die Zahl der Asylanträge im vergangenen Jahr um 44 Prozent. In Frankreich erhalten erwachsene Flüchtlinge monatlich 340,50 Euro, wenn sie sich selbst um ihre Unterkunft kümmern. Der monatliche Satz für Asylsuchende, die in Aufnahmezentren wohnen, variiert zwischen 91 Euro und 718 Euro, je nach Art der Unterbringung und ihrer Familiensituation. Flüchtlinge haben Zugang zum Gesundheitssystem, für Kinder im Alter von sechs bis 16 Jahren besteht Schulpflicht.

Italien

Die Zahl der Asylanträge in Italien erhöhte sich im vergangenen Jahr um 143 Prozent auf 64.625. Flüchtlinge erhalten Verpflegung und eine medizinische Versorgung. Zudem haben sie Anspruch auf Italienisch-Kurse und einen Rechtsbeistand. Nach sechs Monaten wird ihnen eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis ausgestellt, die bis zur Entscheidung über ihren Asylantrag gültig ist.

Österreich

In Österreich wurden im vergangenen Jahr etwa 28.000 Asylanträge gestellt, 60 Prozent mehr als noch 2013. Neben einer kostenlosen Gesundheitsversorgung werden Flüchtlinge auf zwei Arten unterstützt: Entweder werden sie in Aufnahmezentren untergebracht, wo sie verpflegt und mit 40 Euro Bargeld pro Monat ausgestattet werden, oder sie suchen sich selbst eine Unterkunft. Dann erhalten sie einen höheren Monatssatz. Asylsuchende können nur als Saisonarbeiter verdingen. Die Anträge syrischer Flüchtlinge werden schneller bearbeitet als die anderer Asylbewerber.

    

amt/AFP
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