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20. Juni 2008, 11:46 Uhr

Sonderbedingung für Tschechien

Auch nach dem Nein Irlands zum Reformvertrag der Europäischen Union soll die Ratifizierung in den anderen Ländern weitergehen. Darauf haben sich die Regierungschefs geeinigt. Tschechien setzte für sich allerdings eine besondere Fußnote durch.

Die Regierungschefs stehen beim EU-Gipfel vor einer schwierigen Aufgabe: Sie müssen die EU wieder flott machen© Dirk Waem/DPA

Das Nein der Iren zum Lissabon-Vertrag gefährdet die Erweiterung der Europäischen Union um die Staaten des Balkans und die Türkei. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy drohte beim EU- Gipfel am Freitag in Brüssel offen mit einem Veto gegen den schon für 2009 angepeilten Beitritt Kroatiens. Ohne innere Reformen ist eine EU mit mehr als 27 Mitgliedern nach Ansicht von Sarkozy handlungsunfähig. Deshalb müsse der Vertrag von Lissabon, der die EU demokratischer und entscheidungsfähiger machen soll, in Kraft treten. Sarkozy übernimmt vom 1. Juli bis Ende des Jahres die EU- Ratspräsidentschaft von Sloweniens Ministerpräsident Janez Jansa.

Ungeachtet des drohenden politischen Stillstands vermieden die 27 Staats- und Regierungschef zum Abschluss des Treffens am Freitag Druck auf die irische Regierung. Auch Tschechien, wo das Verfassungsgericht den Vertrag derzeit prüft, konnte seine Vorbehalte festschreiben. Grundsätzlich soll die Ratifizierung des in zähen und langwierigen Verhandlungen ausgearbeiteten und im vergangenen Dezember in Lissabon unterzeichneten Vertrages weiter gehen. Die Billigung steht noch in sieben Staaten aus. In 19 Mitgliedstaaten haben die Parlamente dem Dokument zugestimmt.

Tschechien gilt als ein Wackelkandidat bei der Ratifizierung, da die politische Spitze des Landes gespalten ist und die obersten Richter derzeit prüfen, ob das Dokument mit der Verfassung in Einklang steht.

Premierminister Mirek Topolànek ließ das in einer Fußnote festschreiben. Er bezweifelte nach dem irischen Nein, ob in seinem Land die Billigung des Vertrages reibungslos klappen werde. "Um ehrlich zu sein, stünde die Ratifizierung jetzt an, dann würde ich nicht mal 100 Kronen darauf wetten, dass es ein Ja gibt", sagte er.

Kein neues Datum

Um der irischen Regierung bis zum nächsten EU-Gipfel im Oktober unter Vorsitz von Sarkozy jeden Druck zu nehmen, setzte die Gipfel-Erklärung kein neues Zieldatum für die Ratifizierung. Bei dem Treffen im Herbst soll die irische Regierung in einem Bericht erste mögliche Ideen für einen Ausweg aus der Krise nennen. Auf ein zweites Referendum in Irland zu einem späteren Zeitpunkt wird gehofft. Ursprünglich sollte der Vertrag zum Jahresbeginn 2009 in Kraft treten.

Bei der Ursachenforschung für das irische Nein zeigt sich, dass vor allem junge Leute gegen den Vertrag stimmten. Dies geht aus einer repräsentativen Meinungsumfrage hervor, die die EU einen Tag nach dem Scheitern der Volksabstimmung in der vergangenen Woche vornehmen ließ. Demnach stimmten 65 Prozent der jungen Leute im Alter von 18 bis 24 Jahren gegen den Vertrag. In der Altersgruppe von 25 bis 39 Jahren waren es immerhin noch 60 Prozent. Auch bei jenen, die mit Nein stimmten, waren 80 Prozent allerdings für die Mitgliedschaft Irlands in der EU.

Diskussionen um neue Mitglieder

In der Debatte über künftige Beitritte neuer Mitglieder stellte sich EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner gegen Sarkozy. "Die Erweiterungsverhandlungen werden weitergehen. Und ich bin sicher, dass man eine Lösung gefunden haben wird, bevor die Frage beantwortet wird, wann Kroatien beitritt", sagte sie. "Schauen Sie sich doch die Realitäten an. Wir sind doch mitten in den Verhandlungen. Die werden doch nicht abgebrochen."

Sarkozy hatte zuvor gesagt: "Ohne den Lissabon-Vertrag gibt es keine Erweiterung." Seine Ankündigung betreffe auch Kroatien. "Ich erinnere Sie daran, dass wir Einstimmigkeit brauchen." Sarkozy ist gegen einen Beitritt der Türkei, mit der ebenfalls verhandelt wird. Er sei kein prinzipieller Gegner der Erweiterung. "Europa muss sich auf dem Balkan erweitern." Dennoch seien zuvor Reformen der EU nötig.

Unterstützung bekam Sarkozy vom luxemburgischen Premierminister Jean-Claude Juncker. "Der Vertrag liegt nicht auf Eis", sagte Juncker. "Ansonsten muss jeder wissen, dass einer der Gründe, warum wir den Vertrag brauchen, die Erweiterungsfähigkeit der Union ist."

Der derzeit geltende Vertrag von Nizza ist zwar auf eine EU mit 27 Mitgliedern ausgelegt, verbietet aber nicht die Aufnahme weiterer Staaten.

Nach den Worten des slowenischen Regierungschefs und EU- Ratsvorsitzenden Jansa, erhoffen die Partner von Irland weiter die Ratifizierung des Vertrages, wollen aber keinen Druck machen. "Es ist ganz sicher, dass wir keine Fristen setzen werden, weder für Irland noch für irgendjemand anderen." Er sehe keinerlei Gefahr für den Erweiterungsprozess, sagte Jansa.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 27)
 
ecomoc4u (23.06.2008, 02:38 Uhr)
Ferrero-Waldner:
"...Und ich bin sicher, dass man eine Lösung gefunden haben wird, bevor die Frage beantwortet wird..."
.
diese frau ist eine gefahr und eine schande für die eu. käufliche lobbyistin, getrieben von der wirtschaft.
.
auf irland kann mann als eu mitglied nur stolz sein.
Is2a3bella (22.06.2008, 17:54 Uhr)
@ MamfredBuchholz
Sie schreiben
"...natürlich setzen sie auch Geld ein. Schliesslich müssen sie ja zum Konferenzort hingelangen und womöglich ihr Hotelzimmer selbst bezahlen."
Nur dafür? Und wovon träumen Sie nachts?
„...Die Bilderberg Group wird von vielen Finanz- und Businesseliten als „Kammer der Hohepriester des Kapitalismus“ angesehen und bezeichnet. ...“
Quelle
http://www.uni-muenster.de/PeaCon/global-texte/g-a/g-ss/Geheimbuende/Bilderberg.htm
Kommentator21 (22.06.2008, 14:57 Uhr)
@Loewenherz_XL
Korrekt, ein Freimaurer sympatisant zeigt ein "demokratisches" Verständnis und seine Diskussions"kultur" (was in sein beschränktes Weltbild nicht paßt wird passend gemacht), hier ein interssantes Ziel der Bilderberger : die Neue Weltordnung und die Unterordnung der Menschen unter dieser Diktatur. wo der weg hingeht zeigt Wolfgang Mielke mit seinen BKA Gesetz (die Linken sprachen von einer Neuen Geheimen Staatspolizei) und Rundumüberwachung und im Ausland zum Beispiel die Rundumüberwachung per echonlin und das Überwachungsszenario in Schweden, GB etc. pp.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,549888,00.html
http://www.0815-info.de/News-file-article-sid-10167.html
Gruppe“ von Daniel Estulin.
Es ist schwierig, Menschen umzuerziehen, die im Geiste des Nationalismus aufgewachsen sind, und ihnen den Gedanken nahezubringen, einen Teil ihrer Souveränität an eine supranationale Körperschaft abzutreten.
Prinz Bernhard, Gründer der Bilderberg Gruppe.
Eine rhethorische Frage: Kann mir jemand erklären, wie es kommt, daß fortschrittliche Liberale wie John Edwards und Hillary Clinton ebenso wie wohltätige Humanitarier, die vielfältige soziale Projekte unterhalten, wie die Rockefellers und jedes europäische Königshaus beständig den Treffen der Bilderberger beiwohnen, obwohl sie offensichtlich wissen, daß das letztendliche Ziel dieser ruchlosen Gruppe von Ganoven ein faschistisches Weltreich ist.
Daniel Estulin (S.318)
MamfredBuchholz (22.06.2008, 09:06 Uhr)
@isabell
...natürlich setzen sie auch Geld ein. Schliesslich müssen sie ja zum Konferenzort hingelangen und womöglich ihr Hotelzimmer selbst bezahlen.
MamfredBuchholz (22.06.2008, 09:06 Uhr)
@Löwenherz
...ist normalerweise nicht meine Art. Ich wollte, dass Sie und Ihre Genossen mal sehen, wie das ist, wenn man für eine abweichende Meinung sofort angepöbelt wird. Ist mir wohl gelungen ;-)
Is2a3bella (21.06.2008, 10:02 Uhr)
@ MamfredBuchholz
Sie schreiben
"(Bilderberg ist übrigens kein Geheimbund, sondern ein sog. Think Tank von Leuten, die im Gegensatz zu einigen hier das Gehirn benutzen)"
Nicht eher folgendermaßen?
...die im Gegensatz zu einigen hier Geld benutzen...
Loewenherz_XL (21.06.2008, 09:27 Uhr)
@Mamfred Buchholz. Tja Wenn die Argumente fehlen….
und die intellektuellen Ressourcen anscheinend nicht besonders üppig sind, bleibt einem auch nichts anderes übrig, als Mitkommentatoren und Forumsteilnehmer als „Abschaum“ zu beleidigen. Entlarvend und peinlich für Sie ist es allemal.
MamfredBuchholz (21.06.2008, 02:49 Uhr)
@manesse
tja, zum Glück ist der Anteil an Dummpöblern in der tatsächlichen Gesellschaft nicht annähernd so dramatísch wie hier. Obwohl ich als stern-Leser schon erstaunt bin, was sich auf seinen Online-Foren an Abschaum so tümmelt.
manesse (20.06.2008, 18:14 Uhr)
@mamfredBuchholz
Im Forum der Süddeutschen werde ich von diesen Leuten noch viel übler beschimpft, weil ich der Ansicht bin, dass die Iren entweder Lissabon zuzustimmen oder die EU zu verlassen haben. Das Votum der Iren gilt dort einigen Schreibern als sakrosankt. Das man es erst recht ernst nimmt, indem man es für borniert, kleingeistig und nationalistisch hält, kurzum für pöbelhaft, das mögen diese Leute nicht hören. Ich bleibe aber dabei, dass ich ein Votum für kritikwürdig halte, das von Leuten zu verantworten ist, die zu faul waren, sich gemäß ihrer Bürgerpflicht ordentlich zu informieren, anstatt dem Geschrei irgendwelcher Demagogen Gehör zu geben.
Kommentator21 (20.06.2008, 18:04 Uhr)
was dabei rausgekommen ist:...
http://rapidshare.com/files/122864610/Diskussionspapier_1-2004.pdf
http://rapidshare.com/files/120980629/schwind-thesen_F9.pdf
http://rapidshare.com/files/120515739/Roman_Reusch_Migration_und_Kriminalitat.pdf
was dabei raus kommt sieht man hier am Beispiel GB:
http://www.iamanenglishman.com/rogues_gallery.php
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