8. August 2012, 13:00 Uhr

Die total absurde Griechenland-Rettung

Der Mittelmeerstaat ist nur dank des Erfindungsreichstums der EZB noch nicht bankrott. Paradox dabei: Die Euroretter überweisen weitere Milliarden nach Athen und entwerten damit ihr Drohpotenzial. Von Thomas Schmoll

Eurokrise, Griechenland, EZB, Europäische Zentralbank, Rettungsschirm, Notfallkredite, Staatspleite, Deutschland

Eine Filiale der National Bank of Greece bleibt wegen eines Streiks in Athen geschlossen©

Weniger als zwei Wochen ist es her, da kam die Nachricht, die den Schluss zuließ, die Europäische Zentralbank (EZB) hat nun doch die Faxen dicke und lässt Griechenland finanziell austrocknen. Sie verkündete, Staatsanleihen der Hellenen nicht länger als Sicherheit zu akzeptieren. Heißt: Griechische Geschäftsbanken können bei der EZB eine Kreditaufnahme nicht mehr dadurch absichern, dass sie die Schuldtitel als Pfand hinterlegen. Bisher ging das, obwohl alles andere als garantiert ist, dass der Inhaber jemals sein Geld wiedersieht. Aus diesem Grund war der Kurs der EZB in dieser Frage seit Monaten umstritten. Denn bei einem weiteren Schuldenschnitt für die Griechen würden Deutschland und die 16 anderen an der EZB beteiligten Eurostaaten finanziell bluten, falls es zum Athener Staatsbankrott käme.

Experten interpretierten die Entscheidung der Zentralbank denn auch als überfällige Kurskorrektur. Die Währungshüter wollen den Beschluss so lange aufrecht erhalten, bis der nächste Prüfbericht der Kontrolltroika aus EU-Kommission, EZB und Internationalem Währungsfonds (IWF) vorliegt. Nach allem, was bisher dazu durchgesickert ist, fällt der Befund verheerend aus. Inzwischen gestand der stellvertretende Finanzminister Christos Staikouras ein: "Die Barreserven sind fast bei Null. Wir befinden uns sicherlich am Abgrund." Hinzu kommt: "Wir haben das Problem mit der Anleihe, die am 20. August fällig wird." An diesem Tag kommt eine Staatsanleihe zur Auszahlung. Kosten: 3,2 Milliarden Euro. Finanzierung: offen.

Erst versprechen, dann drohen

Die internationalen Kreditgeber sind aktuell nicht bereit, Hellas mit frischem Geld zu versorgen. So lautet zumindest die offizielle Ansage. Die Troika will ihre Entscheidung über die nächste Teilzahlung - reserviert sind 31 Milliarden Euro - ebenfalls davon abhängig machen, ob die Überprüfung der Reformen und Sparversuche ein positives Ergebnis erbringt. Das Zurückhalten der Summe ist das einzige Druckmittel, das die Hellashelfer haben. Insbesondere Deutschland dringt darauf, kein Geld zu überweisen, ehe nicht sicher ist, dass die Griechen die Auflagen erfüllen.

Der Kurs der Euroretter führt zu einem Paradoxon. Sie haben Athen wiederholt zugesichert, das Land über den Monat August zu bringen, bis der Troikabericht vorliegt. Die griechischen Banken sind als Folge der Entscheidung der EZB von der Frischgeldzufuhr über die Zentralbank abgeschnitten. Deshalb und wegen der Bargeldknappheit vergibt die Zentralbank in Athen Notfallkredite. Und die ist faktisch eine "Filiale" der EZB. Zwar träfe es den griechischen Staat, wenn die Darlehen nicht zurückgezahlt würden. Denn sie trägt formal das Ausfallrisiko. Im Ernstfall - der Gipfel der Absurdität - wären jedoch auch die anderen Eurostaaten betroffen, da die EZB das Geld der Athener Notenbank zur Verfügung stellt. FDP-Finanzexperte Frank Schäffler nennt das ein "perpetuum mobile", mit dem "die Konkursverschleppung Griechenlands" verstärkt werde.

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