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Europol warnt vor groß angelegten IS-Anschlägen in Europa

Angeblich verfügt der Islamische Staat über Möglichkeiten, groß angelegte Anschläge zu verüben, insbesondere in Europa. Davor warnt ein Bericht der europäischen Polizeibehörde Europol.

Paris Attentäter IS-Video

Dieser Mann, der sich angeblich Abu Umar al Baljiki nennt, wird in einem Video des Islamischen Staats als einer der Attentäter von Paris vorgestellt. Möglicherweise plant die Terrormiliz noch größere Anschläge in Europa.

Die europäische Polizeibehörde Europol hat vor groß angelegten Anschlägen durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Europa gewarnt. Der IS habe "neue gefechtsartige Möglichkeiten" entwickelt, um weltweit eine Reihe "groß angelegter Terroranschläge" zu verüben, sagte Europol-Direktor Rob Wainwright in Amsterdam. Ein dazu erstellter Europol-Bericht komme zu dem Schluss, dass die Dschihadisten "insbesondere Europa" im Visier hätten.

Einsatzkommando außerhalb des Kalifats?

Es gebe "allen Grund" zu erwarten, dass der IS selbst, vom IS inspirierte "Terroristen" oder andere religiös motivierte Gruppen "irgendwo in Europa erneut einen Terroranschlag verüben", heißt es in dem Bericht. Ziel seien "massenhaft Opfer in der Zivilbevölkerung". Besonders hoch sei die Anschlagsgefahr voraussichtlich weiter Frankreich. Dort waren am 13. November in der Hauptstadt Paris 130 Menschen durch zeitgleiche Angriffe an mehreren Orten getötet worden.

Die von Europol gesammelten Informationen deuten dem Bericht zufolge darauf hin, dass der IS ein Kommando für Einsätze außerhalb seines "Kalifats" in Syrien und Irak gebildet hat. Es werde "für Angriffe nach Vorbild von Spezialeinsatzkräften in einem internationalen Umfeld trainiert", heißt es in dem Bericht. Tatsächlich habe der IS gezeigt, dass er über die Möglichkeit verfüge, "zu jeder Zeit fast jedes mögliche ausgewählte Ziel anzugreifen".

Kein Ausnutzen des Flüchtlingsstroms

Wainwright verwies darauf, dass die Anschläge von Paris nach dem Vorbild der Attentate von Mumbai in Indien im Jahr 2008 abliefen. "Das war eine Premiere für den IS", heißt es mit Blick auf die praktisch zeitgleich ablaufenden Angriffe auf Zivilisten. Zusammen mit Anschlägen etwa auf eine russische Passagiermaschine über dem Sinai, in der Türkei und im Libanon erschienen die Pariser Anschläge als "Teil einer breiteren Strategie, weltweit zu agieren". Frankreich sei auch weiterhin als vorrangiges Ziel zu sehen, es gebe aber die Möglichkeit "von Angriffen gegen andere EU-Mitgliedstaaten in naher Zukunft", warnt der Bericht.

Es gebe aber "keine konkreten Beweise, dass reisende Terroristen systematisch den Flüchtlingsstrom nutzen, um unerkannt nach Europa zu kommen", heißt es weiter. "Eine echte und unmittelbar drohende Gefahr" sei aber, dass sunnitische Muslime "in der syrischen Flüchtlingsdiaspora anfällig für Radikalisierung werden, sobald sie in Europa sind". Radikale Islamisten könnten versuchen, sie gezielt anzuwerben.

Nicht nur auf den IS schauen

Wainwright stellte den Bericht am Rande des Treffens der EU-Innenminister anlässlich der Arbeitsaufnahme des neuen Europol-Antiterrorzentrums vor. Das Zentrum sei "ein wichtiger Schritt vorwärts", um eine "aggressive, neue Form des internationalen Terrorismus zu bekämpfen". In dem Zentrum werden vorerst 40 bis 50 Experten arbeiten, die insbesondere einen besseren Informationsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten ermöglichen sollen.

Europol warnte davor, nur beim IS Terrorgefahren zu sehen. "Al Kaida ist weiter ein Faktor, der in Betracht gezogen werden muss, und Grund für die EU, sich auf ein breiteres Spektrum religiös inspirierter Gruppen zu konzentrieren", hieß es.

nik/dho/DPA/AFP
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