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29. Mai 2006, 15:30 Uhr

"Israel und Palästina gehören in die EU"

Der EU-Beitritt der Türkei ist nur der Anfang. Tatsächlich darf die Erweiterung am Bosporus nicht halt machen. In seiner Polemik fordert Autor Jens Steffek die Aufnahme Israels und Palästinas - nur so wird die EU ihrem historischen Auftrag gerecht, findet er.

Gehört die Türkei jetzt dazu - oder lieber nicht? Autor Steffek würde auch Palästina gerne in der EU sehen© DPA/Picture-Alliance

Die wahrscheinlich unpopulärste Vision der europäischen Zukunft, die man sich derzeit ausdenken kann, ist die Vollmitgliedschaft armer, nicht-europäischer Länder voll dunkelhäutiger Menschen muslimischen Glaubens. Doch gerade weil diese Vision so viele gängige Ängste, Vorurteile und Feindbilder bedient, ergeben sich Anknüpfungspunkte zum Projekt der europäischen Integration. Schließlich liegt das besondere Kennzeichen des europäischen Einigungswerkes in der aktiven Überwindung von Grenzen und Feindschaften. Grenzüberschreitung ist die innere Logik der europäischen Integration.

Die Eliten hatten es sich im alten Europa gemütlich gemacht

Sichtbar wurde diese innere Logik zuletzt in der weithin als unvermeidlich wahrgenommenen Osterweiterung. Eine Erweiterung um arme Länder mit noch wackliger demokratischer Kultur, die ihre gerade erlangte Souveränität zäh gegen Brüssel verteidigten. Die Osterweiterung war für viele Alt-Europäer eine große Zumutung. Nicht nur für ostdeutsche Handwerker, die sich um Niedriglohnkonkurrenz sorgten. Auch unter Brüssels Politikern und Funktionären rümpfte manch einer die Nase über die Ankunft der Neuen, die nicht so recht ins grünverglaste, klimatisierte Milieu mit seinen etablierten Sprach- und Dresscodes passen wollten. Die Eliten hatten es sich gemütlich gemacht im alten Europa, genau wie viele Bürger. Mit der Brüsseler Behäbigkeit und der eingefahrenen Vertiefungsrhetorik war es im Zuge des Beitritts nachhaltig vorbei.

Das neue Ziel: Der Sprung übers Mittelmeer

Die Zumutung der Osterweiterung hat vieles verändert. An eine politische Union glaubt zumindest öffentlich kaum noch jemand, Europas Bürger fremdeln gegenüber den Neuen und bisweilen auch gegenüber der Brüsseler Zentrale. All das wird sich in den nächsten zehn Jahren verschleifen. Der Osten wird sich slowenisieren, seine Eliten werden in die Brüsseler Kompromisskultur hineinsozialisiert und Ryanair wird die Bürger zusammenbringen. In gut zehn Jahren, wenn die Nachwehen der Osterweiterung überstanden sind, wird es Zeit für ein neues, ehrgeiziges Ziel: den Sprung übers Mittelmeer.

Die Ausdehnung nach Süden liegt in der Logik des europäischen Projekts: Überwindung des Krieges durch wirtschaftliche Integration und schrittweise Aushebelung der Grenzen. Das hat in der Vergangenheit so gut funktioniert, dass wir es heute als selbstverständlich annehmen. Wenn wir im Alltag von Sicherheit sprechen, dann meinen wir innere Sicherheit. Die militärische Bedrohung von außen hat ihren Schrecken verloren. Doch nach wie vor ist Europa umgeben von Regionen, in denen Nationalismus, Terror und Krieg zum Alltag gehören.

Schon heute leben 15 Millionen Muslime in der EU

Versteht man den Frieden als die eigentliche Mission des europäischen Zivilisationsprojektes, dann muss uns daran gelegen sein, das Projekt Europa geographisch weiter auszudehnen. Die Türkei braucht die Perspektive der Mitgliedschaft, und die EU braucht die Türkei. Dort kann sie den Beweis antreten, dass sie nicht nur in der Lage ist, Länder zu integrieren, die vom real existierenden Sozialismus und totalitären Regimen zerrüttet waren. Sie kann zeigen, dass sie in der Lage ist, auch die muslimische Welt einzubeziehen. Bereits heute leben schätzungsweise 15 Millionen Muslime in der EU. Als Gruppe genommen sind sie zahlreicher als die Bevölkerung von 18 der 25 EU-Mitglieder. Ihre Integration fiele leichter, würde man ihre Herkunftsländer nicht als potenzielle Feindstaaten betrachten, sondern als potenzielle Mitglieder im Club.

Europas gesellschaftliche Realität hat sich durch Migration und Mobilität immer weiter von den Traditionen gelöst, die angeblich eine europäische Identität ausmachen. Es wäre gerade vor diesem Hintergrund ebenso absurd wie gefährlich, den muslimischen Orient als Feind oder zumindest "den anderen" zu konstruieren. Vielmehr muss sich die EU dieser Welt öffnen und ihr zumindest mittelfristig die Möglichkeit schaffen, Teil des Clubs werden zu können. Die nordafrikanischen Mittelmeeranrainer sind mögliche Beitrittskandidaten des Jahres 2030, ebenso der Libanon. Marokko möchte bekanntlich seit zwei Jahrzehnten gerne Mitglied werden. Sollte es eines Tages gelingen, Israel und Palästina gemeinsam in die EU zu holen wäre dies der vielleicht größte vorstellbare Erfolg des Modells Europa.

Das alles wäre dann nicht mehr Europa

Das alles wäre dann nicht mehr Europa, werden viele sagen, die historisch-geographische Identität des Einigungswerks würde zerschmelzen. Tod durch Überdehnung, wie ihn die Kritiker des Türkeibeitritts prophezeien. Dagegen gibt es zwei Argumente: erstens sind die südlichen Grenzen Europas längst im Fluss. Mit Zypern hat die EU bereits einen Staat aufgenommen, der geographisch zu Asien gehört. Zweitens wird das Überdehnungs-Argument fragwürdig, wenn man Europa nicht als Imperium, sondern als zivilisatorisches Projekt begreift, das auf universalisierbaren Werten beruht - Achtung der Menschenrechte, Demokratie, Marktwirtschaft, Trennung des Staates von Religion und Militär. Die EU muss diese Werte nach außen so offensiv vertreten wie nach innen.

Kirche oder Moschee? Oder beides? In der Bochumer Christuskirche feiern im April 500 Muslime die Geburt des Propheten Mohammed. In der EU leben schon jetzt etwa 15 Millionen Muslime© Michael Gottschalk/DDP

Für eine Öffnung Europas nach Süden gibt es aber nicht nur idealistische, sondern auch realpolitische Argumente: strategische Erwägungen, Energieressourcen, interessante Märkte, in denen die Wirtschaft schneller wächst als im vergreisenden Alteuropa. Selbstverständlich gibt es Hindernisse und Probleme, die man weder übersehen noch wegdiskutieren darf: politische Instabilität, Armut, autoritäre Regime und undemokratische Traditionen. Gerade hier könnte jedoch die Beitrittsperspektive helfen. Europa ist nach wie vor ein privilegierter Club, und kann klare Bedingungen für die Mitgliedschaft stellen: die genannten Grundwerte und -freiheiten stehen nicht zur Disposition.

Europa hat an seiner Südgrenze die einmalige Chance, den Kampf der Kulturen abzuwenden und das eigene Gesellschaftsmodell, die eigenen liberalen Werte, dem zunehmend einflussreichen Islamismus entgegenzustellen. Es wäre deshalb fatal, die Tür nach dem Beitritt einiger Balkanländer zuzuschlagen und den Club für komplett zu erklären. Europa ist ein Projekt mit offenem Ausgang, eine permanente Baustelle und eine stets unfertige Union. Die Idee Europa kennt keine endgültigen Grenzen, sondern lebt von ihrer Überwindung.

Zur Person

Zur Person Jens Steffek, 34, lehrt Internationale Politik an der Universität Bremen. Im Rahmen des Sonderforschungsbereichs "Staatlichkeit im Wandel" beschäftigt er sich vor allem mit der Legitimität von internationalen Organisationen. Im Herbst erscheint sein neues Buch "Embedded Liberalism and its Critics. Justifying Global Governance in the American Century."

Jens Steffek
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
Aspendos (24.06.2006, 20:56 Uhr)
Unwissenheit oder schweigen ??
@Daneel
dass Sie ja mit Völkermord angefangen haben, möchte ich einiges ergänzen.
Falls es wirklich ein Völkermord gegeben hat, war das vor der Gründung der heutigen Türkei!!
Es gibt aber ein Mitgliedsstaat der EU die nach der Unterzeichnung Römischer Verträge Völkermord begangen hat!!
1947 ermordeten französische Truppen 100.000 Madegassen
und in Algerien 1954-1962 über eine Millionen Araber und Berber !!
Weiterhin empfehle ich Ihnen folgendes zu lesen:
http://zeus.zeit.de/text/2003/21/A-Libyen
Meine Quellen sind von nicht "muslimischen und türkischen" Autoren. Wenn Sie Ihre Behauptung belegende vertrauenswürdige Quellen haben würde mich das sehr interessieren.
Schönes Wochenende !!
Murat (23.06.2006, 19:28 Uhr)
Desinformation
Mit Desinformation bezeichnet man die Verbreitung falscher oder irreführender Informationen. Motivation der Desinformation ist, wenn sie nicht tatsächlich irrtümlich geschieht, die Beeinflussung der öffentlichen Meinung.
Seit Jahrzehnten wird in den europäischen Medien über die Türkei gezielt mit der Desinformation gearbeitet. Hier zu habe ich persönlich einen Archiv angelegt und kann das belegen. Natürlich ist die Informationsbranche auch nichts anderes als eine große Geldmaschine. Viele Lobbies, die sehr viel Geld haben und auch sehr proffesionel arbeiten, prägen die Vorurteile der Menschen gegenüber der Türkei, die noch nicht in der Türkei waren. Es ist aber leider auch so, dass die Türkei dieses Spiel in der EU noch nicht mitspielt. Leider hat sich die Türkei in dieser Beziehung nur auf die USA konzentriert. Die Folgen sind verhärend. Die Bevölkerung in der europäischen Union wird irregeführt. Selbst die Geschichte wird manipuliert. So ist dann eine sachliche Disskusion mit diesen Menschen nicht möglich. Natürlich verliert dann die Türkei die Umfragen und die Volksbegehren. Das ist ein riesen Defizit der Türkei.
Natürlich gibt es noch andere Defizite der Türkei, die mit der europäischen und auch einer weltoffenen Lebensweise nicht konform sind. Hierzu möchte ich nur die Rolle der Millitärs erwähnen. Aber, was das in Spanien. Portugal und selbst in Griechenland anders? Nein. Genau das Gleiche. Dort sind den zivile Gesellschaften mit Milliarden Hilfen geholfen worden, sich ein eigenes Bewußtsein aufzubauen. In der Türkei wird leider noch das Trauma der Besatzung des Kleinasiens durch die Sieger des 1. Weltkrieges, immer noch tematiesiert. Aber teilweise mit Recht, weil es auch mit unmenschlichen Anstrenungen das Land wieder zurück erobert werden mußte und wurde. Auf der anderen Seite gibt es und gab es in der Türkei immer noch die Gefahr der radikal islamischen Bewegungen, die wiederum von der östlichen Nachbarn unterstützt, eine ernst zu nehmende Bedrohung für die Republik ansich bildet. In diesem Spannungsfeld einerseits von den Westen vereinnahmt zu werden, andererseits von Osten in die Scheria gezogen zu werden, war und ist die türkische Militärs ein Garant für die Erhaltung der Republik. Natürlich auf welche Kosten? Unmenschlich wie die Militärs immer sind. Aber selbst hier kann und wird die EU das notwendige Selbstvertrauen, der Zivilengesellschaft und den Militärs geben. Denn genau so ist es auch in den oben genannten EU-Ländern passiert. Und diese Gelegenheit sollte die EU nicht verspielen.
bilo67 (23.06.2006, 16:55 Uhr)
Auch ich muss zu den Daneel was sagen.
Ich muss ihn nicht rechtfertigen warum ich seit 34 Jahren hier lebe. Genau das ist das Problem von Menschen die in ihrem engständigen Denken verkommen werden. Wie schon Sibel geschrieben hat, war dieser Person Daneel wahrscheinlich noch nicht in einem Land den er erbarmungslos niedermacht.
Es gibt bei uns Kirchen und bei uns werden keine anders glaubenden Menschen verfolgt. Ich habe nie erlebt bzw. meine religiöse Erziehung war danach ausgerichtet. Wenn dies der Fall gewesen wäre, hätte schon in dem Osmanischen Reich, in den Gebieten wo sie 600 Jahre geherrscht hat, Religionsfreiheit und Sprachfreiheit gehabt. Ich sage nur, schaut euch die Weltmächte mit ihren Kolonien an.
Ganz gewiss hat die Türkei ein oder anderes Defizit, aber so wie es hingestellt wird hat das Land nicht verdient und hat es auch nicht nötig.
Also Leute solche Vorurteile bringen uns nicht weiter. Wir müssen für unsere Kinder und für die Menschheit in die Zukunft schauen und nicht kleinkariert denken.
Sibel (23.06.2006, 15:34 Uhr)
*Türkei reicht sich selbst aus*
Sorry aber ich muss ein paar Worte zu Daneel fassen:
Schon von den Worten, die er fasst entnimmt man dass er NUR das Negative an Dingen sieht vor allem gegenüber dem Beitritt der Türkei in die EU! Ich verstehe absolut nicht wie er darauf kommt das wenn die Türkei in die EU beitritt es keine Klassenfahrten mehr gibt, Jungen und Mädchen keinen gemeinsamen Unterricht mehr führen können, der Schwimmunterricht sowie der Sexualkundeunterricht komplett ausgesetzt werden! Hallo?! Das alles gibt es auch in der Türkei! Türkei ist entwickelt genug und kann vieles bieten! Dort gibt es Millionen von Studenten genauso wie in allen anderen Ländern! Was verschafft ihm solch eine ahnungslose Meinung? Aber diese Antwort hat er ja schon bereits gegeben: Er ist ein Linker!!!
Ich kann verstehen dass Vorurteile aufgrund Türkei seiner ungebildeten und unmodernen Menschen gibt aber bitte zieht mit diesen beschuldigungen dieses wunderschöne, gastfreundliche Land gegen jeden auch gegen LINKE nicht in den Schmutz! Jedes Land hat für sich selbst einige Probleme, auch die Länder in der EU. Aber ich persönlich finde sowieso das Türkei viel mehr Wert besitzt als die komplette EU. Türkei reicht sich selbst aus und ich finde das dieses Land in keinem Fall ein Opfer bringen sollte um in die EU zu gelangen! Was ich dringend an Leute, die mit dieser Meinung begeben sind empfehle ist: Geht und schaut euch dieses Land an!!! Das hat Türkei echt nicht nötig!
habibati (23.06.2006, 06:55 Uhr)
Der ewige Kreis
Ich stimme Jens Steffek vollkommen zu.
Amerika als egoistischer kriegsgeiler Staat gehört absolut nicht in eine friedliche EU,aber wir sollten mit den anderen Ländern gemeinsam arbeien und Europa erweitern statt an bisherigen Einteilungen (Europa, Asien,...) festzuhalten.
Gerade weil Poitiker und Medien Hass und Abneigung gegen Muslime propagieren, sollten wir daran denken was vor 60 Jahren geschah. Wenn Politiker und Medien schon nichts aus dem 2. Weltkrieg gelernt haben, sollte das Volk zeigen das es sich nicht mit diesen Leuten auf eine Stufe stellt, intelligenter ist und sich nicht benutzen läßt.
Neue Herausforderungen müssen ewagt werden, denn nur so haben wir die Chance auf ein friedliches usammen leben. Wir können uns nicht ewig im Kreis drehen ohne dabeio vom Fleck zu komme.
yungduk (22.06.2006, 19:41 Uhr)
menschen mit visionen brauchen einen arzt
peter-bild hat recht: das gerde von der inneren logik der grenzüberschreitung ist absolutes geschwafel. angeblich sprechen ja nicht nur idealistische sondern auch realpolitische gründe für eine weitere ausdehnung der eu. china und andere länder ost und südosasiens haben sicherlich die interssanteren zukunftsmärkte. und totalitäre regime von tunis bis peking würden wertetechnisch gleichermasen von einer mitgliedschaft profitieren. china hat aber keine lust, marokko, tunesien, türkei usw. würden gerne, aber was hätte der böse-eurozentristische christenclub eu davon? nichts ausser probleme. es ist doch gans einfach. integration brauch vor allem eines als voraussetzung: gemeinsamkeiten. je größer die schnittmenge in bezug auf rechtsverständnis, menschenrechte, kultureller kontext, wirtschatliche leistungsfähigkeit etc. desto besser. die länder nordafrikas und des nahen ostens sollten sich lieber ein beispiel an einigen ländern asiens nehmen. die haben totalitäre politische systeme (korea, taiwan) aus eigener kraft überwunden und es auch geschafft selbständig wirtschaftliche potenz zu generieren. ohne das man ihnen diesen zivilisatorischen prozess mit einer mitgliedschaft schmackhaft machen musste. die möchtegern-mitgliedsstaaten sollten also lieber ihre hausaufgaben machen, auf die zähne beissen nicht so sehr über die ungerechtigkeit des westens lamentieren. und wenn sie dann irgendwann wolhabend und politisch stabil geworden sind, wollen sie möglicherweise gar nicht mehr mitmachen. übrigens bin ich auch der meinung, dass schon die eu-osterweiterung ein fehler ist. je größer die gruppe desto schwieriger der willensbildungsprozess. ein staat wie frankreich reicht vollkommen, um die notwendige reform der eu-agrarpolitik zu torpedieren. mit der aufnahme polens ist es nicht leichter geworden und mit einer weiteren aufnahme der türkei würde es noch schwerer werden. übrigens die türkei wäre der im bezug auf die bevölkerungsgröße die nummer zwei in der eu und hätte anrecht auf ebensoviele sitze im parlament wie frankreich. und mit weniger geben sich die türken sicherlich nicht zufrieden. hätten sie ja auch recht. jens steffek schreibt: "Die Ausdehnung nach Süden liegt in der Logik des europäischen Projekts: Überwindung des Krieges durch wirtschaftliche Integration und schrittweise Aushebelung der Grenzen." im sinne dieser zwanghaft friedensstiftenden-beglückungs-phantasie schlage ich vor, pakistan und indien die mitgliedschaft anzutragen. zwei atom-mächte, verfeindet -- wunder bar: das ist besser als griechenland vs. türkei und israel vs. palästina zusammen. und afgahnistan beglücken wir gleich mit. die sind zwar wirtschaftlich etwas rückständig. aber hey denkt doch nur an die mögliche gigantische friedesndividende. dass sollte doch alle mühe wert sein. da kann sich dann herr steffek mit seinen friedensfreunden auf ewig abarbeiten. viel spaß!!!!!
Daneel (22.06.2006, 18:30 Uhr)
modernes und aufgeschlossenes Land?
Sicher sind einige Menschen in der
Türkei modern und aufgeschlossen, und
manche in Europa nicht. Aber es kommt
auf den überwiegenden Anteil an. Die
meisten Türken leben nicht in Istanbul.
Ein Land, in dem es üblich ist, dass
Mord weniger hart bestraft wird, wenn
es ein "Ehrenmord" ist, gehört nicht
in die EU. Ein Land, was nicht nur
offiziell Geschichte ignoriert (ich
rede von dem Völkermord an den
Armeniern), sondern Leute, die die
Wahrheit sagen, wegen Verunglimpfung
des Türkentums bestrafen, ist kein
modernes und aufgeschlossenes Land
und als solches gehört nicht in die
EU.
Es leben zwar Millionen Moslems
in der EU, aber wenige Christen in
der Türkei. Ich selber bin Atheist,
trotzdem denke ich, eine
Gleichbehandlung der Religionen muss
laut Gesetz gelten, auch in der
Türkei. Warum dürfen christliche
Kirchen in der Türkei keinen Grund
und Boden besitzen? Ja, die Türkei
ist offiziell nicht religiös, aber
es kommt darauf an, was in der Praxis
geschieht (eine ähnliche Doppelmoral
beobachtet man in den USA). Warum
werden Christen, die keine Missionare
sind, als solche in der Türkei
verunglimpft?
Warum sind sie seit 34 Jahren hier?
Vermutlich weil es besser ist als
in der Türkei. Ich selber bin auch
nach Deutschland eingewandert, aber
ich habe mich einbürgern lassen und
habe mich integriert und sage nicht
heuchlerisch, dass alles in Ordnung
war, wo ich herkomme.
Murat (22.06.2006, 17:48 Uhr)
Weitsichtig und klug.
Liebe Stern Redaktion,
für Ihren Mut so einen visionären Artikel zu veröffentlichen, haben Sie meiner Meinung nach einen Medienoskar verdient. Ich möchte sofort die Kernaussage von Herrn Jens Steffek wiedergeben: "Die Ausdehnung nach Süden liegt in der Logik des europäischen Projekts: Überwindung des Krieges durch wirtschaftliche Integration und schrittweise Aushebelung der Grenzen. Das hat in der Vergangenheit so gut funktioniert, dass wir es heute als selbstverständlich annehmen. Wenn wir im Alltag von Sicherheit sprechen, dann meinen wir innere Sicherheit. Die militärische Bedrohung von außen hat ihren Schrecken verloren. Doch nach wie vor ist Europa umgeben von Regionen, in denen Nationalismus, Terror und Krieg zum Alltag gehören." Wie Wahr.
Und mit der Türkei ist die wirtschaftliche Integration, übrigens als einziger nicht Mitgliedstaat der EU, durch die Zollunion schon seit zehn Jahren verwirklicht. Obwohl diese auf Kosten der türkischen Unternehmen und Bevölkerung geht, wurde von der Türkei diese bittere Pille auch geschluckt!!! Andere Länder die, die Vollmitgleidschaft in der EU erreichen wollten, wurden mit Milliarden Subventionen von der EU, EU tauglich gemacht. Nun, jetzt soll dafür kein Geld mehr sein, okay und Schwamm darüber. Die Türkei zeigt uns, dass es auch so geht und gehen kann. Und das ist eine Leistung der Türkei. Langfristig wird die EU auch was an junge Arbeitskräfte geht, an der Türkei nicht vorbei kommen.
Was um die schrittweise Aushebelung der Grenzen und Überwindung des Krieges, angeht kann von der Türkei keine Gefahre ausgehen, denn seit bald 50 Jahren ist die Türkei ein verlässlicher NATO Vollmitglied.
Mit der voreiligen Aufnahme des Zypern hat sich die EU leider selbst ins Knie geschossen. Zypern hat enorme Konflikte mit seinem Nachbarn, und ich meine damit nicht die Türkei! Nordzypern ist eine offene Wunde. Somit wäre Zypern nach Koppenhagener Kriterien nicht aufnahme fähig gewesen. Auch hat die Bevölkerung in Südzypern den Friedensplan der UN von Koffi Annan, abgeleht. Nordzypern dagegen wollte trotzt bittere Verluste den Frieden und hat für den UN Plan gestimmt. Diese Leistung wurde ignoriert und die Bevölkerung des Nordzyperns wird heute noch mit Sanktionen bestrafft. Und das kann nicht die EU Logik sein.
Selbstverständlich wäre eine friedliche Lösung des Konflikts zwischen israel und Palästinenser, mit der Hilfe der EU wünschenswert, nur da haben wir, glaube ich noch 50 Jahre vor uns.
Mit freundlichen Grüßen.
bilo67 (22.06.2006, 17:21 Uhr)
Doppelmoral
Für einen Türkischer Staatsbürger der seit über 34 Jahren in Deutschland lebt, ist es erschreckend zu erfahren mit welchen Vorurteilen einigen Menschen in Deutschland eingestellt sind. Die Türkei ist ein modernes und aufgeschlossenes Land. Sie erfüllt die EU-Kriterien mehr wie manche Länder die schon in der EU intrigiert wurden.
Einige Alt-Europäische Mitgliedssaaten verhalten sind nicht fair zu der Türkei und spielen hier mit Doppelmoral.
Wenn es nicht zu einem Beitritt kommen sollte, wird es sich bewahrheiten, dass die Türkei während des Kalten-Krieges nur ein WACHHUND für den damaligen Westen war. Wenn Europa seine Visionen verwirklichen will, braucht EU die Türkei. Ansonsten wird die Europa langfristig zwischen den Weltmächten untergehen.

Für einen überzeugten Europäer fände ich es unverantwortlich.
Loser (22.06.2006, 15:08 Uhr)
Fehler in der Ausgangslage ?
Aus meiner Sicht ist der grundlegende Ansatz dieser Überlegungen schon falsch. Denn es ist noch lange nicht erwiesen, dass die Osterweiterung der EU richtig war. Ein zusätzlicher Beitrag der Türkei würde nicht nur die geographischen Grenzen der EU verwischen. Auch die ethischen Grundlagen kämen ins Rutschen. Das Resultat würde der überwiegenden Mehrheit der Alt-Europäer (hat jetzt nichts mit Rumsfeld und Co zu tun) gewiss nicht gefallen. Nur auf Basis einer langfristigen und tiefgehenden Integration der bestehenden Mitglieder ist eine zusätzliche Erweiterung, egal in welche Richtung, eine positive Option.
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