Grusel-Mission wegen Giftmordverdachts

27. November 2012, 13:56 Uhr

2004 starb Palästinenserführer Arafat. Um die Todesursache ranken sich seither Gerüchte und Vermutungen, er sei vergiftet worden. Eine wissenschaftliche Untersuchung soll jetzt Klarheit bringen.

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Das trüb-nieselige Herbstwetter in Ramallah war dem gruseligen Anlass gerade angemessen. Experten aus drei Ländern kletterten am Dienstag in die vier Meter tiefe Grube unter dem Mausoleum des 2004 möglicherweise vergifteten Palästinenserführers Jassir Arafat. Dort mussten sie unbestätigten Berichten zufolge durch eine kleine Tür in die eigentliche Grabkammer kriechen. In dem nur etwa 1,50 Meter hohen Raum liegt nach Angaben von Augenzeugen der Beisetzung vor acht Jahren der Leichnam Arafats, eingehüllt nur in ein Tuch.

Alle weiteren Einzelheiten blieben das streng gehütete Geheimnis einiger weniger Vertreter der Palästinenser und der Experten aus der Schweiz, Frankreich und Russland. Die Öffentlichkeit und neugierige Journalisten wurden durch weiträumige Straßensperren auf Abstand gehalten. Und der Mausoleumskomplex selbst war durch große blaue Plastikplanen auch vor noch so starken Teleobjektiven geschützt.

Zwei Wochen lang hatten sich Arbeiter durch Tonnen von Beton gearbeitet, die nach der chaotischen Beisetzung 2004 über die Gruft geschüttet worden waren. Niemand sollte die Totenruhe des inzwischen zum Volkshelden aufgestiegenen Arafat stören können. Die Arbeiter konnten aus Gründen der Pietät und des Respekts vor dem berühmten Toten nur leichtes Gerät bei ihrem Weg in die Tiefe einsetzen.

Wurde Arafat vergiftet?

Nicht nur die palästinensischen Arbeiter, sondern auch die ausländischen Experten wurden unbestätigten Berichten zufolge vor dem Betreten des Mausoleums auf Kameras durchsucht. Auch Handys mussten abgegeben werden, weil die Palästinensische Autonomiebehörde nichts mehr fürchtete, als dass Fotos von den Arbeiten oder sogar des geöffneten Grabes auftauchten.

Viele Palästinenser hielten die Aktion für ohnehin völlig überflüssig. Für sie steht schon lange fest, dass ihr Idol vom Erzfeind Israel vergiftet wurde. Daran dürften auch die wissenschaftlichen Untersuchungen kaum etwas ändern. Sollten Giftreste wie etwa die radioaktive Substanz Polonium 210 gefunden werden, würde dies als Bestätigung gewertet, dass der charismatische Mann mit dem schwarz-weißen Palästinensertuch ermordet wurde. Und Israel bliebe für die meisten Palästinenser der einzig mögliche Täter. Sollten die Wissenschaftler nichts finden, werde es heißen, die Untersuchungen seien einfach zu spät gekommen, um die Vergiftung noch nachweisen zu können, sagte ein politischer Beobachter in Ramallah.

Erhöhte Polonium-Werte in Arafats Kleidung

Ausgelöst wurde die Aktion durch Untersuchungen in der Schweiz. Experten des Institut de radiophysique der Universitätsklinik in Lausanne fanden im Juli erhöhte Werte für Polonium 210 an Arafats Kleidung. Der französische Strahlenmediziner Roland Masse hält eine Vergiftung Arafats mit diesem Stoff jedoch für unmöglich. Kein Arzt hätte das damals übersehen können, meinte der Mitarbeiter des Krankenhauses bei Paris, in dem Arafat starb.

Gründe, den alternden Patriarchen und Palästinenserpräsidenten ins Jenseits zu befördern, könnten indes auch andere gehabt haben. Die Intrigen innerhalb der Palästinenser lassen viel Raum für Verschwörungstheorien. Mit seinem autoritären Führungsstil aus der Guerilla-Zeit hat sich Arafat, der auch mal einen Minister ohrfeigte und einen Sicherheitschef mit vorgehaltener Pistole entließ, wohl nicht nur Freunde gemacht.

Aber das ist lange vergeben und vergessen. Nachdem das Grab wieder geschlossen war, legten palästinensische Offizielle Kränze vor dem Mausoleum ab. Arafats Nachfolger Mahmud Abbas war verhindert. Er will am Donnerstag bei den Vereinten Nation weiter für die Verwirklichung von Arafats Traum von einem Palästinenserstaat kämpfen.

Jan-Uwe Ronneburger, DPA
 
 
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