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Russische Gutachter schließen Vergiftung Arafats aus

Wurde Palästinenserführer Jassir Arafat vergiftet? Möglich, sagen Schweizer Experten. Ausgeschlossen, so ein Team aus Frankreich. Nun haben sich russische Wissenschaftler zu Wort gemeldet.

  Schweizer Experten hatten am Leichnamen des verstorbenen Palästinenserführers Arafat Spuren von Polonium gefunden

Schweizer Experten hatten am Leichnamen des verstorbenen Palästinenserführers Arafat Spuren von Polonium gefunden

Der ehemalige Palästinenserpräsident Jassir Arafat starb nach Erkenntnissen russischer Wissenschaftler eines natürlichen Todes. Es gebe keine Anzeichen für eine radioaktive Verseuchung mit Polonium, sagte Wladimir Uiba, Chef der obersten gerichtsmedizinischen Behörde, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Interfax. Das steht in Einklang mit den Erkenntnissen französischer Experten. Schweizer Gerichtsmediziner hatten dagegen zuletzt Anzeichen für eine Vergiftung mit dem radioaktiven Polonium entdeckt, allerdings keinen Beweis dafür, dass dies auch der Grund für den Tod Arafats gewesen sei.

Arafat war 2004 im Alter von 75 Jahren in einem französischen Krankenhaus gestorben, offiziell an den Folgen eines Schlaganfalls. Damals wurde sein Körper jedoch nicht auf Spuren einer möglichen Vergiftung untersucht. Erst 2012 wurde Arafats Leiche exhumiert, nachdem der TV-Sender Al-Dschasira über Spuren von Polonium an den Kleidern des Politikers berichtet hatte. Daraufhin machten Spekulationen die Runde, der Politiker sei von seinen Gegnern vergiftet worden. Französische, russische und Schweizer Wissenschaftler nahmen Proben, Arafats Witwe erstattete in Frankreich Anzeige gegen Unbekannt wegen Mordes.

Arafat-Witwe von Mordtherorie überzeugt

Die unterschiedlichen Befunde der verschiedenen Expertenteams erklärten die französischen Wissenschaftler mit der Möglichkeit, dass das in der Umwelt natürlich vorkommende radioaktive Gas Radon hohe Konzentrationen von Polonium 210 in Gewebeproben oder untersuchten Textilien verursachen könne. Nach Bekanntgabe der französischen Untersuchungsergebnisse hatte Arafats Witwe Suha Arafat erklärt, sie werde diese vor französischen Gerichten anfechten und neue Untersuchungen verlangen.

Der palästinensische Botschafter in Russland, Faed Mustafa, kündigte am Donnerstag an, dass die Untersuchung zum Tod Arafats weitergehen werde. "Wir respektieren ihre Position, wir schätzen ihre Arbeit, aber es gibt bereits die Entscheidung, die Arbeit fortzusetzen", sagte Mustafa laut der Nachrichtenagentur RIA Nowosti mit Blick auf den russischen Untersuchungsbericht.

Israel gilt als möglicher Drahtzieher

Arafat hatte 1993 das Abkommen von Oslo unterzeichnet, das als wichtiger Schritt im Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern gilt. Dafür erhielt er zusammen mit dem damaligen israelischen Ministerpräsidenten Jitzhak Rabin sowie Schimon Peres den Friedensnobelpreis. Doch der Friedensprozess geriet ins Stocken, und 2000 führte er einen Aufstand der Palästinenser gegen Israel an.

Viele Palästinenser verdächtigen Israel, Arafat vergiftet zu haben, was Israel vehement zurückweist. Der radioaktive Stoff Polonium, der auch in geringer Dosis tödlich wirkt, war auch im Jahr 2006 verwendet worden, um den früheren russischen Spion Alexander Litvinenko in London zu ermorden.

kng/Reuters/AFP/Reuters
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