. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
24. Juli 2005, 09:31 Uhr

Scotland Yard erschoss Unschuldigen

Terrorfahnder haben bei der Jagd nach den Verantwortlichen der missglückten Anschläge von London einen Unschuldigen erschossen.

Stockwell Station in London: Ort der Schießerei© Daniel Deme/DPA

Der Mann, der am Freitag von Polizisten in Zivil in der Londoner U-Bahn-Station Stockwell niedergestreckt wurde, habe nichts mit den Attentatsversuchen vom Donnerstag zu tun, teilte Scotland Yard am Samstag in der britischen Hauptstadt mit. Unterdessen stellten Ermittler ein verdächtiges Paket sicher, das in Verbindung zu den jüngsten Anschlags-Versuchen stehen könnte.

"Unter diesen Umständen das Leben zu verlieren ist eine Tragödie, die die Londoner Polizei bedauert", sagte ein Sprecher. Nach Angaben vom Abend handelte es sich bei dem Opfer um einen 27 Jahre alten Brasilianer namens Jean Charles de Menezes. Die Polizei kündigte eine interne Untersuchung des Geschehens an.

Der Verdächtige hat auf Anweisungen der Polizei nicht reagiert

Die Regierung in Brasilien reagierte "schockiert". "Wir sind schockiert und perplex", heißt es einer am Samstag in Brasilia veröffentlichten Erklärung von Außenminister Celso Amorim. Die Regierung in Brasilien warte auf die Erklärungen der britischen Behörden "zu den Umständen, die zu dieser Tragödie geführt haben". Amorim, der unterdessen am Samstag Richtung London abflog, um an Gespräche über Reformen der Vereinten Nationen teilzunehmen, will nun nach Angaben aus Brasilia bei einem Treffen mit seinem britischen Kollegen Jack Straw auch diesen Zwischenfall zur Sprache bringen.

Scotland Yard-Chef Ian Blair hatte gesagt, es gebe eine "direkte Verbindung" zwischen dem Mann und den versuchten Anschlägen auf drei U-Bahnen und einen Bus. Nach Augenzeugenberichten hatte ein Polizist in Zivil dem asiatisch aussehenden Mann in der Station fünf Mal in den Kopf geschossen. Zuvor hatte der Verdächtige auf Anweisungen der Polizei, stehen zu bleiben, nicht reagiert und versucht, in einen U-Bahn-Zug zu springen.

Er könne den Druck, der auf der Polizei laste, verstehen, sagte Iqbal Sacranie, Generalsekretär des Muslimischen Rates in Großbritannien. Aber es müsse "größte Sorge getragen werden, dass unschuldige Menschen nicht auf Grund von Übereifer getötet werden".

Der Brasilianer wurde bis zur U-Bahn-Station verfolgt

Nach den Angaben war der Mann, dessen Identität noch abschließend geklärt wird, zunächst unweit der U-Bahn-Station aus einem Haus gekommen, das von Ermittlern im Zusammenhang mit den versuchten Anschlägen überwacht worden war. Der Mann sei dann in einen Bus gestiegen und zur U-Bahn gefahren. Dabei sei er beschattet worden. Dort wurde er von den Polizisten aufgefordert, stehen zu bleiben. Nach Augenzeugenberichten rannte der Mann dann aber los.

Unterdessen wurde in einem Gebüsch im Nordwesten Londons ein verdächtiges Paket entdeckt. Das Gelände wurde abgesperrt. Nach ersten Ermittlungen von Spezialisten könne es einen Zusammenhang mit den nicht explodierten Sprengsätzen vom Donnerstag geben, hieß es seitens Scotland Yard.

Fahndung nach vier Verdächtigen

Die Polizei verhörte am Wochenende außerdem weiter zwei Terrorverdächtige, die am Freitagabend und in der Nacht zum Samstag festgenommen worden waren. Polizeichef Blair sagte dem Rundfunksender BBC, die Festnahmen seien "sehr viel versprechend". Ob es sich bei den zwei Männern um Verantwortliche der verhinderten Attentate vom Donnerstag in drei U-Bahnen und einem Bus handelte, sagte er nicht.

Scotland Yard erhielt nach der Veröffentlichung von Aufnahmen der vier mutmaßlichen Attentäter am Freitag etwa 500 Anrufe über die Antiterror-Hotline. Den Informationen werde jetzt nachgegangen, um möglicherweise entscheidende Hinweise zur Ergreifung der Täter zu bekommen, hieß es bei der Polizei. Die Aufnahmen stammten von Überwachungskameras, die in den drei U-Bahnen und dem Bus installiert waren, wo die Bomben explodieren sollten. Allerdings detonierten nur die Zünder. Deshalb kam bei den Attentatsversuchen niemand zu Schaden. Bei den Selbstmordanschlägen vom 7. Juli, ebenfalls in drei U-Bahnen und einem Doppeldeckerbus, waren 56 Menschen getötet und weitere 700 verletzt worden.

DPA/AP
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Londoner Attentäter Fahndung läuft auf Hochtouren

Die Fahndung nach den Verantwortlichen der fehlgeschlagenen Anschläge in London läuft auf Hochtouren. Nach Angaben der Polizei griffen die Ermittler in der Nacht zum Samstag erneut im Stadtteil Stockwell zu. mehr...

Terroranschläge Londoner Polizei erschießt Verdächtigen

In London hat die Polizei einen Terror-Verdächtigen festgenommen und einen weiteren erschossen. Scotland Yard veröffentlichte zudem Fotos der vier Männer, die Bomben in drei U-Bahnen und einem Bus zünden wollten. US-Präsident George Bush bot den Briten seine Unterstützung an. mehr...

Terrorverdächtige Scotland Yard bittet um Mithilfe

Einen Tag nach den erneuten Anschlägen auf den Londoner Nahverkehr hat die Polizei Fotos der mutmaßlichen Attentäter veröffentlicht. Scotland Yard erhofft sich nun Unterstützung aus der Bevölkerung. mehr...

Terroranschläge Großrazzia in London

Die Suche nach den Urhebern der zweiten Londoner Anschläge geht schnell voran. Die Polizei hat in einer U-Bahn-Station einen Verdächtigen ausfindig gemacht und erschossen. Unter starken Sicherheitsvorkehrungen finden Durchsuchungen statt. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe