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Das E-Mail-Biest der US-Armee

Sie brachte den Fall Petraeus ins Rollen. Viel ist über die 37-Jährige nicht bekannt. Außer, dass sie ein gern gesehener Gast auf Armeepartys war und offenbar Schulden hatte. Oder hat.

Von Niels Kruse

  Eine Frau, ein Auto: Die Kelleys leben auf großem Fuß, können aber anscheinend nicht immer alle Rechnungen zahlen.

Eine Frau, ein Auto: Die Kelleys leben auf großem Fuß, können aber anscheinend nicht immer alle Rechnungen zahlen.

Dunkelhaarig, elegant, ein Hauch von Luxus: Jill Kelley erregt Aufmerksamkeit. Bei einigen etwas zu viel Aufmerksamkeit: Zwei amerikanische Top-Militärs haben wegen ihr Jobs verloren. Und offenbar ist sie enger in das unübersichtliche Beziehungsgeflecht zwischen dem Ex-CIA-Chef Petraeus, seiner Ex-Geliebten, und seinem Nachfolger in Afghanistan verwoben als bisher bekannt. Dazu genügte es, sich mit einem Bündel Droh-E-Mails ans FBI zu wenden, so dass die Bundespolizei herausfinden konnte, dass der hochdekorierte und noch höher gelobte David Petraeus, eine Affäre hatte, was ihm die Karriere kostete. Welche Rolle die 37-Jährige in der ganzen Angelegenheit spielt, wird nur nach und nach klar.

Sicher ist: Jill Kelley wohnt in Tampa, dem Sündenpfuhl Floridas. Ihre Eltern sind Libanesen, die in den 70er Jahren nach Philadelphia emigriert sind. Den wenigen Fotos nach zu urteilen, die von ihr in der Öffentlichkeit kursieren, scheint sie ein recht angenehmes Leben zu führen. Sie fährt einen Mercedes 500 S mit dem Kennzeichen 1 JK, arbeitet aber gleichzeitig und unbezahlt als "Social liasion" in der MacDill Air Force Base. Die Einheit ist die Operationszentrale für den Nahen Osten, Irak und Afghanistan. Ihr Chef war zwischen 2008 und 2010: General David Petraeus. In dieser Zeit wird die laut Kelley "rein platonische Freundschaft" zwischen ihr und den in Ungnade gefallenen Ex-General entstanden sein.

Kelleys waren Stammgäste auf Armeepartys

Was genau die 37-Jährige als "Social Liaison" machte, ist unklar. Ähnliche Jobbeschreibungen aus anderen Behörden bezeichnen die Aufgabe als erste Anlaufsstelle. Beim Landessozialamt von South Dakota etwa heißt es, man beantworte in dieser Position Fragen über das Angebot der Behörde und sei Anlaufstelle für Bürgerbeschwerden. Ein ungenannter Offizier aus der Militärbasis sagte dem britischen "Daily Mail", dass Jill Kelley und ihr Mann Scott, ein erfolgreicher Chirurg, Stammgäste bei Feiern und anderen Zusammenkünften gewesen seien.

Und anscheinend wusste man ihre Anwesenheit zu schätzen. Die Bündnisnationen, deren Abgesandten in dem Centcom genannten Luftwaffenstützpunkt stationiert sind, sollen ihr die Auszeichnung "Ehrenbotschafterin der Verbündeten" verliehen haben. Allerdings, so der anonyme Offizier, habe Kelley dazu geneigt, das Wort "ehrenhalber" einfach wegzulassen und sich stattdessen nur mit "Botschafterin" vorzustellen.

Die Petraeus' waren zu Gast bei den Kelleys

Dass sie an der US-Westküste mehr als einmal David Petraeus und seine Frau Holly über den Weg gelaufen ist, ist sicher. Und dass die Paare zumindest befreundet sind, wie Jill Kelley nach Bekanntwerden der Hintergründe sagte, auch. Im Februar 2010 berichtete die Tampa Bay Times, dass der General und seine Frau im Millionen-Dollar-Anwesen der Kelleys zu Gast waren. "Der Centcom-Kommandeur und seine Gattin wurden bei ihrer Ankunft von 28 Polizeimotorrädern eskortiert", notierte das Blatt damals. Anscheinend war ihr Engagement beim Militär die Eintrittskarte für die höhere Gesellschaft, die ihr mit ihren früheren Beschäftigungen, Organisation von Galas und Modeschauen für karikative Zwecke, verwehrt geblieben war.

Auf der MacDill Air Force Base könnte sie auch John Allen kennengelernt haben. Der 58-Jährige ist Nachfolger von David Petraeus als Isaf-Befehlshaber in Afghanistan und gerät nun ebenfalls in den Affärenstrudel. Angeblich soll Allen mit Jill Kelley einen mehr als ausgiebigen E-Mailverkehr geführt haben. Das Pentagon, das nun gegen den General ermittelt, wertet derzeit 20.000 bis 30.000 Dokumente aus, die er ihr geschickt haben soll. Was genau die Behörden mit der Formulierung "unangebrachter Inhalt" meinen, ist nicht bekannt, aber vermutlich geht es um Sex. Bitter für den Top-Soldaten: In diesen Tagen sollte er vom US-Senat für den Posten des Nato-Oberkommandeurs in Europa nominiert werden. Daraus wird nun nichts. Denn: E-Mails an Kelley sind der Karriere nicht unbedingt dienlich.

"Kelley war eine sehr angenehme Kundin"

Menschen, die sie kennen, sprechen weitgehend positiv von der ihr. "Sie war eine sehr angenehme Kundin", sagte etwa die Partyservice-Inhaberin Linda Baldwin, die Essen für eine der Feiern in der Kelley-Villa geliefert hat. "Ich kann gar nicht aufhören von ihr zu schwärmen", so die Caterin in der "Tampa Bay Times".

Der Zeitung zufolge gibt es auch dunkle Seiten in ihrem Leben im "Sunshine State" Florida. Im Frühjahr 2010 flatterte den Kelleys ein Vollstreckungsbescheid ins Haus. Das Paar soll nicht länger die Hypothek für ein dreistöckiges Bürogebäude in der Innenstadt von Tampa bezahlt haben. 2,2 Millionen Dollar soll es der Bank laut den Gerichtsakten geschuldet haben. 2011 musste das Haus dem Bericht zufolge verkauft werden. Es war anscheinend nicht die einzige Begegnung mit der Justiz. So soll es angeblich mehrere Verfahren wegen ausstehender Immobilienraten und Kreditkartenschulden gegeben haben. Von neun Fällen, inklusive 11.000 Dollar Altschulden aus ihrer Zeit in Philadelphia, ist die Rede.

"Es wird noch eine Menge herauskommen"

Im Frühling dieses Jahres begann das E-Mail-Bombardement durch Paula Broadwell, die, glaubt man etwa der "Washington Post", aus rasender Eifersucht heraus verfasst wurden. Die Kelleys selbst sind mittlerweile abgetaucht und haben einen Krisenberater engagiert. Darunter auch Judy Smith, die einst Monica Lewinsky beiseite stand. Sie wird die Experten brauchen. Vor allem dann, wenn sich die Drohung von Broadwells Vater bewahrheiten sollte. Der sagte in der "Daily News": "Bei dieser Geschichte geht es um etwas ganz anderes" und kündigte an, die ganze Wahrheit werde ans Tageslicht kommen. Und es gebe eine Menge, die noch herauskommen wird."

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