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Grünen-Protest auf der EM-Tribüne

Was von den Boykottaufrufen übrig blieb: Zwei Abgeordnete der Grünen haben beim Deutschland-Spiel gegen den Umgang der Ukraine mit der Opposition protestiert.

  Protest beim Spiel Deutschland gegen Niederlande: Rebecca Harms und Werner Schulz verschwinden hinter ihrer Botschaft "Fairplay in Fußball und Politik"

Protest beim Spiel Deutschland gegen Niederlande: Rebecca Harms und Werner Schulz verschwinden hinter ihrer Botschaft "Fairplay in Fußball und Politik"

Von den großspurigen Protest- und Boykottaufrufen deutscher Politiker vor der Europameisterschaft ist nicht viel geblieben - bis auf zwei Plakate, die jetzt beim Spiel Deutschland gegen die Niederlande zu sehen waren. Die grünen Europaabgeordneten Rebecca Harms und Werner Schulz haben sie im VIP-Bereich des Stadions in die Höhe gehalten. Positiv: Niemand hat die Politiker an ihrem Protest gehindert. Weniger positiv: Die Reaktionen darauf fielen eher bescheiden aus.

Auf den Bannern stand auf Englisch: "Fairplay in football and politics" sowie "Release all political prisoners", übersetzt: "Fairplay im Fußball und in der Politik" und "Lasst alle politischen Gefangenen frei". Ohne ausdrücklich ihren Namen zu nennen, spielte die Aktion auf die in der Nähe des Spielortes Charkow inhaftierte ukrainische Oppositionelle Julia Timoschenko an. Die ehemalige Regierungschefin wurde wegen diverser Vergehen, unter anderem Amtsmissbrauch und Steuerhinterziehung, zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Prozess aber galt als politisch motiviert, um die Opposition im Lande zu schwächen.

"Timoschenko wurde in Geiselhaft genommen"

"Wir wollen nicht wegschauen. Wir wollen damit die Menschen unterstützen, die dem Land geholfen haben, die EM ins Land zu holen und nun im Gefängnis sitzen, während sich andere im Glanze der EM sonnen", sagte Schulz der Nachrichtenagentur DPA. "Uns wurden von Präsident Viktor Janukowitsch schmutzige Deals vorgeschlagen, dass er Timoschenko freilasse, wenn die Ukraine eine EU-Beitrittsperspektive bekommt. Timoschenko wurde damit in Geiselhaft genommen", so der Grüne weiter.

  Und noch ein Protestplakat: "Lasst alle politischen Gefangenen frei"

Und noch ein Protestplakat: "Lasst alle politischen Gefangenen frei"

Ursprünglich hatten die beiden Abgeordneten Timoschenko am Mittwoch im Krankenhaus von Charkow besuchen wollen. Doch ihr Flugzeug wurde nach dem Start in Frankfurt von einem Blitz getroffen und musste umkehren. Sie konnten somit erst verspätet in die Ukraine fliegen, waren aber pünktlich zum Spiel da. Ihr Besuch bei der früheren Regierungschefin Timoschenko sei nun für Donnerstag geplant, teilten sie mit.

Zwei Monate vor dem Turnier hatten sich diverse Politiker lautstark über den Umgang mit der Opposition in der Ukraine echauffiert und teilweise einen Boykott der Spiele gefordert. Der prominenteste Vertreter war der damalige Umweltminister Norbert Röttgen, der sich offen gegen Besuche prominenter Politiker bei der EM ausgesprochen hatte. "Es muss unbedingt verhindert werden, dass das ukrainische Regime die EM zur Aufwertung ihrer Diktatur nutzt", hatte der CDU-Politiker im April gesagt. Einige Staatschefs waren Mitte Mai zudem einem Gipfeltreffen in der Ukraine ferngeblieben. Darunter der tschechische Präsident Václav Klaus als auch der Bundespräsident Joachim Gauck. In den vergangenen Wochen aber waren kaum noch Protest- und Boykottaufrufe zu hören.

Offener politischer Protest während der EM-Spiele - berechtigt oder am falschen Platz? Was halten Sie von der Aktion der Grünen? Diskutieren Sie in der stern.de-Fankurve auf Facebook.

nik/DPA/DPA
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