Birte Christ kennt Kristina Köhler seit der Grundschule. Im stern.de-Interview spricht sie über ihre Freundschaft zur neuen Bundesfamilienministerin, der gemeinsamen Jugend und den politischen Anfängen in der Jungen Union.
(lachend) Wenn sie jetzt gleich Kanzlerin wird, was kommt denn danach? Es muss ja noch Luft nach oben gehen. Außerdem hoffe ich, dass diese Regierung bald abgewählt wird.
Ja, unsere politischen Standpunkte waren schon früher fast immer gegensätzlich.
Da wäre die Hauptstadtfrage, Bonn oder Berlin. Ich war damals dafür, dass man im beschaulichen Bonn bleibt und sich diesen ganzen Milliardenaufwand für den Umzug spart. Kristina war natürlich für Berlin. Wir haben uns auch ziemlich über den Paragrafen 218 gestritten. Ich war der Ansicht: "Mein Bauch gehört mir" und jede Frau soll machen dürfen was sie will. Kristina war da ganz auf CDU-Linie.
Die politische Diskussion gehörte bei uns schon in der Jugendzeit dazu. So wie das Gespräch über das vergessene Schulbrot oder die verlorene Busfahrkarte. Auf den Schulwegen haben wir immer diskutiert und uns teilweise sogar richtig angeschrien. Es ging darum auszuloten, warum jemand bestimmte Standpunkte vertritt. Wir wollten verstehen, warum die andere anders denkt als man selber.
Ja, es war am 24.8.1984. An dem Tag wurden wir zusammen eingeschult. Wir hatten uns noch nie vorher gesehen, saßen aber vom ersten Tag an zusammen. Zunächst an einem Vierertisch. Ich saß da mit meiner Freundin Maike und Kristina mit ihrer Freundin Joni. Es waren zwei Fronten. Die beiden hatten rosa an und wir beide waren eher in rot gekleidet. Kristina hat fast immer pink getragen. Das war ein Statement. Sie hat schon damals auf ihre Kleidung geachtet und war schon damals eine Persönlichkeit.
Nein, eigentlich konnten wir uns nicht besonders leiden. Trotzdem waren wir immer bei den Geburtstagsfeiern der jeweils anderen eingeladen. Legendär waren die Faschingspartys bei Köhlers. Bei einem dieser Feste war sie ganz in pink als Prinzessin gekleidet - und ich als roter Teufel. Das Farben-Gegenüber rot gegen pink hat uns also begleitet. Im Gymnasium haben wir uns auch total unterschiedlich angezogen: Während die meisten Klassenkameraden Jeans und T-Shirt trugen, hat Kristina Rock und Bluse oder Sakko getragen. Ich fand das immer ziemlich daneben. Ich habe mich ökologisch bewusst gekleidet, gesunde Schuhe, Batik-Schals und Öko-T-Shirts.
Im Gymnasium. Kristina hat uns am ersten Tag gleich Plätze gesichert. Sie hat ihren Ranzen auf einen Tisch in der zweiten Reihe geschmissen. Taktisch war das ein super Platz. Man saß relativ weit vorne, wirkte also nicht so, als würde man sich nicht für den Unterricht interessieren. Aber man saß auch nicht direkt vor dem Lehrer. Ich habe mich aber sehr darüber aufgeregt. Mir war das echt peinlich. Ich dachte: So was macht man nicht, sich da so nach vorne zu drängeln.
Ich warte eher vorsichtig im Hintergrund. Kristina ist der Typ, der vorprescht. Sie ist sehr zielstrebig. Sie ist eine Macherin. Sie ist Politikerin geworden, während ich heute Wissenschaftlerin bin.
Ich war immer Klassenbeste, Kristina aber nur ganz knapp dahinter. Während ich im Lateintest null Fehler gemacht habe, hatte Kristina einen Fehler, aber beide die Note eins. Es gab immer eine kleine Konkurrenz zwischen uns. Das gehört auch dazu, denn ohne Konkurrenz wäre es witzlos, man wird nicht besser.
Wir haben schon gerne gelästert, haben aber immer probiert herauszufinden: Wie kann sich so jemand bloß so verhalten - warum sind die Menschen so, wie sie sind? In der neunten Klasse haben wir mal probiert, Tickets für ein Nena-Konzert zu gewinnen. Eine Stadtzeitung hat zwei Tickets verlost, man musste aber um Punkt 12 Uhr bei der Zeitung anrufen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt Physik-Unterricht. Ich habe so getan, als sei mir furchtbar schlecht und habe gefragt, ob ich mal aufs Klo dürfte. Ich habe den Lehrer auch gebeten, dass Kristina mitgehen darf, um mich zu betreuen. Wir sind dann kurz vor 12 aus dem Klassenzimmer und haben vom Telefon im Schulgebäude bei der Zeitung angerufen. Leider haben wir die Tickets nicht bekommen. Es ist aber wohl aufgefallen, denn mein Vater wurde von dem Lehrer mal darauf angesprochen.
Nein, da waren wir wenig zusammen, denn wir waren beide mit unseren Hobbys beschäftigt. Während ich mich in der Kirche engagiert habe, hat Kristina viel Klavier gespielt und war dann später mit der Parteiarbeit in der Jungen Union ausgelastet. Wir haben aber mal zusammen Rhönrad-Turnen ausprobiert. 1989 waren wir ein halbes Jahr beim TuS Wiesbaden. Am Tag des Mauerfalls haben wir aber wieder aufgehört.
Wir waren zweimal zuvor schon nicht hingegangen, weil es uns irgendwie nicht ganz geheuer war. Am 9. November saßen wir natürlich mit unseren jeweiligen Familien vor dem Fernseher und gingen wieder nicht zum Rhönrad. Damit war die Sache beendet.
Lesen Sie ... ...im neuen stern ein großes Portrait über die neue Familienministerin.