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9. Dezember 2009, 16:38 Uhr

"Sie ist eine Macherin"

Birte Christ kennt Kristina Köhler seit der Grundschule. Im stern.de-Interview spricht sie über ihre Freundschaft zur neuen Bundesfamilienministerin, der gemeinsamen Jugend und den politischen Anfängen in der Jungen Union.

Birte Christ Birte Christ ist eine gute Freundin von Bundesfamilienministerin Kristina Köhler, die mit 32 Jahren die jüngste Ministerin im aktuellen Bundestag ist. Die beiden kennen sich seit der Grundschule. Trotz relativ gegensätzlicher politischer Ansichten hat sich eine Freundschaft zwischen der CDU-Politikerin und der ökobewussten Wissenschaftlerin entwickelt, die bis heute hält

Frau Christ, Ihre beste Freundin Kristina Köhler ist mit 32 Jahren Familienministerin geworden. Glauben Sie, dass sie irgendwann Angela Merkel beerben wird?

(lachend) Wenn sie jetzt gleich Kanzlerin wird, was kommt denn danach? Es muss ja noch Luft nach oben gehen. Außerdem hoffe ich, dass diese Regierung bald abgewählt wird.

Obwohl Ihre Freundin Ministerin dieser Regierung ist?

Ja, unsere politischen Standpunkte waren schon früher fast immer gegensätzlich.

Können Sie konkrete Beispiele nennen?

Da wäre die Hauptstadtfrage, Bonn oder Berlin. Ich war damals dafür, dass man im beschaulichen Bonn bleibt und sich diesen ganzen Milliardenaufwand für den Umzug spart. Kristina war natürlich für Berlin. Wir haben uns auch ziemlich über den Paragrafen 218 gestritten. Ich war der Ansicht: "Mein Bauch gehört mir" und jede Frau soll machen dürfen was sie will. Kristina war da ganz auf CDU-Linie.

Haben Sie sich schon immer über Politik unterhalten?

Die politische Diskussion gehörte bei uns schon in der Jugendzeit dazu. So wie das Gespräch über das vergessene Schulbrot oder die verlorene Busfahrkarte. Auf den Schulwegen haben wir immer diskutiert und uns teilweise sogar richtig angeschrien. Es ging darum auszuloten, warum jemand bestimmte Standpunkte vertritt. Wir wollten verstehen, warum die andere anders denkt als man selber.

Erinnern Sie sich noch an ihre erste Begegnung mit ihr?

Ja, es war am 24.8.1984. An dem Tag wurden wir zusammen eingeschult. Wir hatten uns noch nie vorher gesehen, saßen aber vom ersten Tag an zusammen. Zunächst an einem Vierertisch. Ich saß da mit meiner Freundin Maike und Kristina mit ihrer Freundin Joni. Es waren zwei Fronten. Die beiden hatten rosa an und wir beide waren eher in rot gekleidet. Kristina hat fast immer pink getragen. Das war ein Statement. Sie hat schon damals auf ihre Kleidung geachtet und war schon damals eine Persönlichkeit.

Waren Sie sich gleich sympathisch?

Nein, eigentlich konnten wir uns nicht besonders leiden. Trotzdem waren wir immer bei den Geburtstagsfeiern der jeweils anderen eingeladen. Legendär waren die Faschingspartys bei Köhlers. Bei einem dieser Feste war sie ganz in pink als Prinzessin gekleidet - und ich als roter Teufel. Das Farben-Gegenüber rot gegen pink hat uns also begleitet. Im Gymnasium haben wir uns auch total unterschiedlich angezogen: Während die meisten Klassenkameraden Jeans und T-Shirt trugen, hat Kristina Rock und Bluse oder Sakko getragen. Ich fand das immer ziemlich daneben. Ich habe mich ökologisch bewusst gekleidet, gesunde Schuhe, Batik-Schals und Öko-T-Shirts.

Wann haben sich Öko-Tante und Business-Mädchen miteinander angefreundet?

Im Gymnasium. Kristina hat uns am ersten Tag gleich Plätze gesichert. Sie hat ihren Ranzen auf einen Tisch in der zweiten Reihe geschmissen. Taktisch war das ein super Platz. Man saß relativ weit vorne, wirkte also nicht so, als würde man sich nicht für den Unterricht interessieren. Aber man saß auch nicht direkt vor dem Lehrer. Ich habe mich aber sehr darüber aufgeregt. Mir war das echt peinlich. Ich dachte: So was macht man nicht, sich da so nach vorne zu drängeln.

Kristina Köhler scheint genau zu wissen, was sie will.

Ich warte eher vorsichtig im Hintergrund. Kristina ist der Typ, der vorprescht. Sie ist sehr zielstrebig. Sie ist eine Macherin. Sie ist Politikerin geworden, während ich heute Wissenschaftlerin bin.

Wer war in der Schule besser?

Ich war immer Klassenbeste, Kristina aber nur ganz knapp dahinter. Während ich im Lateintest null Fehler gemacht habe, hatte Kristina einen Fehler, aber beide die Note eins. Es gab immer eine kleine Konkurrenz zwischen uns. Das gehört auch dazu, denn ohne Konkurrenz wäre es witzlos, man wird nicht besser.

Waren Sie beide immer brav, oder haben Sie auch mal Lehrer und Mitschüler geärgert?

Wir haben schon gerne gelästert, haben aber immer probiert herauszufinden: Wie kann sich so jemand bloß so verhalten - warum sind die Menschen so, wie sie sind? In der neunten Klasse haben wir mal probiert, Tickets für ein Nena-Konzert zu gewinnen. Eine Stadtzeitung hat zwei Tickets verlost, man musste aber um Punkt 12 Uhr bei der Zeitung anrufen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt Physik-Unterricht. Ich habe so getan, als sei mir furchtbar schlecht und habe gefragt, ob ich mal aufs Klo dürfte. Ich habe den Lehrer auch gebeten, dass Kristina mitgehen darf, um mich zu betreuen. Wir sind dann kurz vor 12 aus dem Klassenzimmer und haben vom Telefon im Schulgebäude bei der Zeitung angerufen. Leider haben wir die Tickets nicht bekommen. Es ist aber wohl aufgefallen, denn mein Vater wurde von dem Lehrer mal darauf angesprochen.

Haben Sie mit Kristina Köhler auch außerhalb der Schule viel gemeinsam gemacht?

Nein, da waren wir wenig zusammen, denn wir waren beide mit unseren Hobbys beschäftigt. Während ich mich in der Kirche engagiert habe, hat Kristina viel Klavier gespielt und war dann später mit der Parteiarbeit in der Jungen Union ausgelastet. Wir haben aber mal zusammen Rhönrad-Turnen ausprobiert. 1989 waren wir ein halbes Jahr beim TuS Wiesbaden. Am Tag des Mauerfalls haben wir aber wieder aufgehört.

Warum denn das?

Wir waren zweimal zuvor schon nicht hingegangen, weil es uns irgendwie nicht ganz geheuer war. Am 9. November saßen wir natürlich mit unseren jeweiligen Familien vor dem Fernseher und gingen wieder nicht zum Rhönrad. Damit war die Sache beendet.

Lesen Sie ...

Lesen Sie ... ...im neuen stern ein großes Portrait über die neue Familienministerin.

 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
mid63 (11.12.2009, 12:25 Uhr)
Neu im Amt ...
... braucht man natürlich auch ein Bild für die Außenwirkung, wenn man so unbekannt in neue Höhen aufgestiegen wird. Welcher PR-Manager steckt denn hinter der Idee für dieses eher banale Interview mit der Jugendfreundin von Frau Köhler?

Oder sollte man es mehr als Handlungsanleitung für eine Karriere als Berufspolitiker auffassen, und dem eigenen Nachwuchs weit mehr ans Herz legen als die ganzen Pseudo-Casting-Shows im Privatfernsehen? Einträglicher und erfolgversprechender ist unstreitig der Weg als Berufspolitiker!
XenaWilloughby (10.12.2009, 20:29 Uhr)
ich heisse Kristina...
und ich liebe den Helmut, die Angela und auch den Barack. Und ich liebe alles was gut ist für meine Karriere.
Wenn Angela sagt "Bauernmädchen, so opfere Dich" dann werde ich auch das gerne tun!


laketahoe (10.12.2009, 19:51 Uhr)
"Ich bin verfressen, selbstverliebt, unsportlich,
streberhaft, skrupellos, arrogant, geltungssüchtig, egoistisch, eitel, karrieregeil, maßlos, spießig, dekadent und irgendwie einfach liebenswert"

So beschreibt sich Kristina Köhler (angeblich selbstironisch) in ihrer Abizeitung. (Quelle: Stern von heute)

Gibt es irgendjemand, der diese Frau tatsächlich cool oder brillant findet?

Dafür, dass sie jung ist und schon MInisterin, hat sie sich nicht zu entschuldigen....

Aber allzu schwer dürfte das Köpfchen der Ministerin nicht sein, wenn sie tatsächlich mit knapp 20 Jahren solch eine qualvoll originelle Eigenaussage niedergeschrieben hat.

Weder ich noch meine Klassenklameraraden auf einem akademischen Gymnasium waren Mitglied einer Partei, aber Kristina Köhler wäre bei uns die treudoofe Aussenseiterin, eine richtig langweilige und nervige Spiesserin, gewesen.

Völlig chancenlos, von irgendjemand bewundert oder akzeptiert zu werden. Wirklich politische Menschen sind in der Regel gegen den Strich gebürstet.... und benehmen sich mit vierzehn oder zwanzig nicht wie die Chefsekretärin bei Daimler ........Frau Köhler.
rynaldo (10.12.2009, 18:56 Uhr)
Das Frauen-Netzwerk in full swing
Jetzt geht's wieder los: toll, jung, kompetent, fröhlich, witzig, glücklich, attraktiv, verlässlich. Ich kenne das alles noch von einer Frau, namens Ute Vogt - vielleicht kennt die noch einer. Auch die hat all diese Attribute übergestülpt bekommen, bevor sie auch nur einen Handstreich im Amt gearbeitet hat.
RDUKE7777777 (10.12.2009, 18:54 Uhr)
Frau Köhlers Geisteshaltung...
...hier in einem Interview nachzulsen. Wohl bekomm's....

http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2008/erste1272.pdf
DR_Larifari (10.12.2009, 18:11 Uhr)
Ich find's gut...
...mal eine junge Ministerin im Kabinett zu haben. Und die alberne Lebenserfahrung, die U-60-Jährigen immer abgesprochen wird, worin besteht die denn? Darin, dass man 30 Jahre lang im selben Betrieb hockt und jeden Sommer nach Alicante in Urlaub fährt? Ließe sich natürlich weit gewinnbringender für die Gesellschaft nutzen, als das, was Frau Köhler bisher gemacht und getan hat. Is klar...

Und wer neidisch ist, dass das junge Ding jetzt Ministerin ist, während man selbst mit 32 noch nix auf die Kette gekriegt hat: Partei aussuchen, eintreten und Plakate kleben. Oben steht ja die Anleitung, wie's geht
Sternchen2020 (10.12.2009, 17:49 Uhr)
Unsinniger Beitrag
Was soll man eigentlich zu einem derart unsinnigen und völlig überflüssigen Beitrag sagen? Der Stern will sich einschleimen bei Frau Ministerin? Meine Güte - substanzloser geht es inhaltlich wohl kaum.

Was Köhler kann, wird die Zeit zeigen. Abgesehen davon, dass sie einfach zu jung und unerfahren ist , allzuviel falsch machen kann sie im Familienministerium glücklicherweise nicht.

Und ob sie jemals Merkel beerben wird, das entscheidet letztlich das Volk und nicht eine Freundin. Und es entscheidet auch nicht die CDU, denn die müsste dann in einem Wahlkämpf erst einmal die Zustimmung des Volkes erringen.

Na ja und der Stern entscheidet es auch nicht, ihm bleibt nur das "Schönschreiben" einer Person von der man möglichst viele Interviews innerhalb der Legislaturperiode möchte.
Gaffelfall (10.12.2009, 17:32 Uhr)
Gratulation
. . solche beeindruckenden, lebenserfahrenen Personen brauchts in der Politik.
Gratulieren wir uns zu Kristina Köhler als Ministerin im Merkel-Kabinett.
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