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21. Januar 2007, 10:34 Uhr

Jugendlicher gesteht Mord an Hrant

Einen Tag nach dem Mord an dem türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink in Istanbul ist der mutmaßliche Täter festgenommen worden. Der Jugendliche habe die Tat bereits gestanden, berichtet der Nachrichtensender CNN-Türk.

Das Fahndungsfoto des mutmaßlichen Täters, auf dem der Vater ihn erkannte© Istanbul Police Department/Handout/Reuters

Ein türkischer Jugendlicher hat den Mordanschlag auf den armenisch-stämmigen Journalisten Hrant Dink gestanden. Das berichtete der Nachrichtensender CNN-Türk am Sonntag unter Berufung auf den Staatsanwalt der Stadt Samsun. Dort war der per Fahndungsfoto gesuchte Türke am Samstagabend festgenommen worden - 32 Stunden nach den tödlichen Schüssen auf den 52-jährigen Journalisten und Herausgeber der Wochenzeitung "Agos". Der 1990 geborene Jugendliche wurde noch in der Nacht zum weiteren Verhör mit einem Sonderflugzeug nach Istanbul gebracht. Angaben zu seinem Motiv lagen zunächst nicht vor.

Der junge Türke war in einem Bus festgenommen worden, nachdem ihn sein Vater auf Fahndungsbildern im Fernsehen wiedererkannt und die Polizei informiert hatte. Er stammt aus der Stadt Trabzon am Schwarzen Meer und war auf der Rückfahrt nach Hause. In derselben Stadt war erst vor knapp einem Jahr ein italienischer Priester von einem 16-jährigen Türken hinterrücks in der Kirche erschossen worden. Auf der Suche nach möglichen Hintermännern beschlagnahmte die Polizei in Trabzon Computer aus Internet-Cafés, in denen sich der Jugendliche häufiger aufgehalten haben soll. Türkischen Medienberichten zufolge hatte der junge Mann die Schule nicht beendet und war zuletzt ohne Beschäftigung. Aus einem Fußballclub für Amateure soll er wegen Disziplinlosigkeit hinausgeworfen worden sein.

Massive Anfeindungen von Nationalisten

Der 52-jährige Dink war Chefredakteur der Wochenzeitung "Agos" und galt als bekannteste Stimme der Armenier in der Türkei. Er war am Freitag in Istanbul auf offener Straße vor dem Redaktionsgebäude erschossen worden. Der Journalist sah sich wegen seiner Äußerungen zum Völkermord an Armeniern im Osmanischen Reich während es Ersten Weltkriegs massiven Anfeindungen von Nationalisten, Politikern und Staatsanwälten ausgesetzt. Er musste sich deswegen auch wegen Beleidigung des Türkentums vor Gericht verantworten.

Tausende Menschen gingen in ihrer Trauer um Dink auf die Straße© Osman Orsal/AP

Die Türkei als Nachfolger des Osmanischen Reiches bestreitet, dass es sich bei den Tötungen um Völkermord handelte. Ein Berufungsgericht bestätigte im vergangenen Jahr eine zuvor ausgesetzte sechsmonatige Haftstrafe gegen Dink.

In Zeitungen wurde der Regierung vorgeworfen, Dink trotz zahlreicher Drohungen gegen ihn nicht ausreichend geschützt zu haben. Der vor den Wahlen im Mai und November zunehmende Rassismus und Nationalismus sei Triebfeder hinter dem Mord.

Hoch sensibles Thema

Erdogan hatte das Attentat als einen Angriff auf den Frieden und die Stabilität des Landes verurteilt. Das tödliche Attentat dürfte die politischen Spannungen in der Türkei erhöhen, die einen Beitritt zur Europäischen Union (EU) anstrebt. Wegen der Einschränkung der Meinungsfreiheit und der Strafverfolgung von Intellektuellen, die sich zum Völkermord an den Armeniern geäußert haben, war Erdogans Regierung auch bei der EU in die Kritik geraten.

Das Massaker an Armeniern ist ein politisch hoch sensibles Thema in der Türkei. Wegen seinen Äußerungen dazu stand auch der spätere türkische Literatur-Nobelpreisgewinner Orhan Pamuk vor Gericht. Der Prozess wurde aber eingestellt. Dem Vorläufer der heutigen Türkei, dem Osmanischen Reich, wird systematischer Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern zwischen 1915 und 1923 vorgeworfen. Die Türkei argumentiert dagegen, dass während des Zusammenbruchs des Osmanischen Reiches viele christliche Armenier und muslimische Türken getötet wurden.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
muhtesem1 (23.01.2007, 22:25 Uhr)
Mehr über Armenien/Türkei Konflikt
http://www.ermenisorunu.gen.tr/deutsch/einleitung/index.html
"Der Armenier-Konflikt, den man mehr zugunsten der Interessen der kapitalistischen Länder der Welt als zugunsten der wirklichen Interessen des armenischen Volkes zu lösen sucht, fand seine beste Lösung durch das Abkommen von Kars. Mit Zufriedenheit wurden somit die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden fleißigen Völkern wiederaufgenommen, die seit Jahrjunderten in freundschaftlichen Verhältnissen zueinander lebten.“
Mustafa Kemal Atatürk
(Die Eröffnungsrede bei der dritten Versammlung des Türkischen Parlaments am 1. März 1922
ARMENISCHE AUFSTÄNDE UND MASSAKER
In der Zeit nach dem Berliner-Abkommen entwickelte sich die armenische Frage in zweier Art und Weise: Erstens, die westlichen Länder begannen, das Osmanische Reich zu unterdrücken und sich in seine inneren Angelegenheiten einzumischen. Zweitens, begannen die in Anatolien, Syrien und Thrazien lebenden Armenier sich in verschiedenen Gebieten Anatoliens, besonders in Ostanatolien und in Kilikien zu organisieren und zu bewaffnen.
Die ersten Provokationen kamen aus Russland, und dieses Verhalten von Russen erweckte bei Engländern und Franzosen weiterhin mehr Interesse an Armeniern. Daraufhin nahm die Zahl der englischen Konsulate in Ostanatolien rasch zu, außerdem wurden viele protestantische Missionare in diese Region geschickt.
Als Folge dieser Provokationen wurden ab dem Jahr 1880 in Ostanatolien verschiedene armenische Komitees gegründet. Diese Komitees blieben auf lokaler Ebene und hatten keinen Erfolg, da sie nicht das Interesse des armenischen Volkes auf sich ziehen konnten, welches mit der Osmanischen Regierung zufrieden war und in Frieden und Wohlstand lebte.
Als es nicht mehr möglich war, die Armenier im Osmanischen Reich durch, die im inneren des Landes, gegründeten Komitees gegen den Osmanischen Staat aufzuhetzen, versuchte man nun, durch die Armenier in Russland außerhalb des Osmanischen Reiches armenische Komitees gründen zu lassen. Daraufhin wurde im Jahre 1887 in Genf ein sozialistisch orientiertes, gemäßigtes, militantes Komitee der Hintschaken, und im Jahre 1890 in Tibilisi ein extremistisches, terroristisches, kämpferisches und unabhängigkeitsfreundliches Komitee der Taschnaken gegründet. Diese Komitees hatten "die Befreiung der anatolischen Böden und der Armenier vom Osmanischen Reich" als Ziel zu verfolgen.
Die Hintschaken, die sich in Istanbul organisierten und die Aufmerksamkeit der europäischen Länder auf die armenische Frage zu lenken und die Armenier im Osmanischen Reich zu provozieren versuchten, fingen mit den Aufstandsversuchen an. Diesen Versuchen folgten die Aufstände der Taschnaken, welche sich im politischen Kampf mit den Hintschaken befanden. Die Gemeinsamkeit dieser Aufstandsversuche bestanden darin, dass alle von den Komitees geplant und geleitet wurden, die von Außen in das Osmanische Reich eingedrungen waren. Zu der Organisierung dieser Komitees leisteten die Missionare einen großen Beitrag, die sich auf das ganze Anatolien verstreut hatten.
Der erste Aufstand trat im Jahre 1890 in Erzurum auf. Diesem folgte im selben Jahr die Demonstration in Kumkapi, weitere Unruhen in den Jahren 1892-93 in Kayseri, Yozgat, Corum und Merzifon, 1894 der Sasun-Aufstand, 1894 Demonstrationen in Babiâli und der Zeytun-Aufstand, 1896 der Van-Aufstand und die Besetzung der Osmanli Bank, 1903 der zweite Sasun-Aufstand, 1905 versuchtes Attentat auf Sultan Abdülhamid und als letztlich 1909 der Adana-Aufstand.
Zwischen 1906 und 1922 wurden in Anatolien und um Kaukasus 517.955 Türken von Armeniern massakriert. (2)
Die Armenier fügten dem türkischen Volk den größten Schaden mit ihren Massenmorden während des Ersten Weltkrieges zu. In dieser Zeit hatten die Armenier im Namen der Russen spioniert, die Aushebung für die Mobilisierung nicht berücksichtigt und den Wehrdienst verweigert, und diejenigen, die den Wehrdienst leisteten, wechselten samt ihrer Waffen auf die russische Seite um und begangen gemeinsamen "Landesverrat". Schon zu Beginn der Mobilisierung griffen die armenischen Banden die türkischen Einheiten an und fügten durch Überfälle auf türkische Dörfer der zivilen Bevölkerung großen Schaden zu. So wurden zum Beispiel alle Einwohner des Dorfes Zeve bei Van, ohne Rücksicht auf Frau, Kind oder ältere Menschen zu nehmen, von Armeniern ermordet.
Die Aufstände wurden von den osmanischen Sicherheitskräften niedergeschlagen; aber dies wurde der Weltöffentlichkeit unter dem Slogan "die Moslems massakrieren die Christen" zur Kenntnis gebracht. Allmählich nahm die armenische Frage eine verbreitete und internationale Dimension an. So wurde in den Berichten der englischen und russischen Diplomaten aus dieser Zeit mitgeteilt: "Das Ziel der armenischen Aufständischen sei, Unruhen anzustiften und die Türken zum Gegenangriff zu zwingen um den Eingriff anderer Länder zu gewährleisten". Auf der anderen Seite waren die diplomatischen Vertretungen und Botschaften der mächtigen Staaten auf alle Regionen Anatoliens verstreut und sie spielten eine große Rolle dabei, dass die armenische Propaganda der westlichen Öffentlichkeit mitgeteilt und von denen anerkannt wurde.
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