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24. September 2008, 21:14 Uhr

McCain unterbricht Wahlkampagne

Überraschung im US-Wahlkampf: Der Republikaner John McCain will seine Kampagne zunächt unterbrechen. Ebenso will er das erste TV-Duell mit seinem demokratischen Widersacher Barack Obama absagen. Grund: die internationale Finanzkrise. Obama dagegen will das Problem anders angehen.

Der Republikaner John McCain will seinen Wahltour unterbrechen und nach Washington zurückkehren© Mandel Ngan/AFP

Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat John McCain will seinen Wahlkampf wegen der internationalen Finanzkrise unterbrechen. Außerdem wolle er das für Freitag geplante TV-Duell mit seinem Rivalen Barack Obama verschieben, sagte McCain vor Journalisten in New York. Er habe den demokratischen Präsidentschaftskandidaten bereits über seine Entscheidung informiert. Ein Sprecher Obamas erklärte, es müsse eine gemeinsame Stellungnahme zu der Finanzkrise gefunden werden. Diese Initiative sei aber von Obama, nicht von McCain ausgegangen. Obama will den Wahlkampf nicht unterbrechen und an der für Freitag geplanten Debatte mit seinem republikanischen Gegner John McCain festhalten.

"Das ist genau die Zeit, in der die Amerikaner etwas von uns hören wollen", sagte Senator Obama. Stattdessen wolle er gemeinsam mit McCain eine gemeinsame Erklärung zur Lösung der schweren Finanzkrise veröffentlichen. Das Problem solle gemeinsam angepackt und dürfe nicht durch den Wahlkampf belastet werden.

McCain kündigte an, nach Washington zurückzukehren, um sich an der Lösung der Finanzkrise zu beteiligen. "Ich habe mit Senator Obama gesprochen und ihn über meine Entscheidung informiert, ich habe ihn gefragt, ob er sich beteiligt", sagte er. Er wolle US-Präsident George W. Bush überzeugen, ein Krisentreffen einzuberufen, an dem unter anderem er und Obama teilnehmen sollten. "Es ist Zeit, dass beide Parteien zusammenkommen", begründete McCain seinen überraschenden Schritt. Er verglich die derzeitige Finanzkrise sogar mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Jetzt seien erneut Patriotismus und gemeinsames Handeln notwendig. Wenn sich Kongress und Regierung nicht bald einigen, drohten "verheerende Konsequenzen" für das ganze Land, sagte er.

McCain als "Retter"

Wie es heißt, will McCain "alle Parteiauftritte und TV-Werbespots" für die nächsten Tage aussetzen. In der Zwischenzeit müssten sich Regierung und Parlament einigen. TV-Kommentatoren werteten den Schritt des 72-Jährigen als einen Versuch, sich als "staatsmännischer Retter" zu präsentieren, der die Streitereien der Politik überwinden könne. Man erwarte von dem langjährigen Senator jetzt besonderen Einsatz. Eine Sprecherin des Weißen Hauses begrüßte die Initiative der Präsidentschaftskandidaten. Obamas Sprecher Bill Burton erklärte, die Initiative für ein gemeinsames Vorgehen sei von Obama ausgegangen. Dieser habe McCain am Mittwochmorgen angerufen und von ihm eine Stellungnahme gefordert, in der die gemeinsamen Prinzipien und Konditionen für einen Rettungsplan stehen sollten. Das Weiße Haus und der Kongress sollen demnach aufgefordert werden, gemeinsam zu handeln. Am Mittag habe McCain dann eingewilligt. Derzeit arbeiteten beide Seiten gemeinsam an den Details. Zur Verschiebung des Fernsehduells sagte Obamas Sprecher zunächst nichts.

Die erste der drei Fernsehdebatten der beiden Kandidaten war für Freitagabend in Washington angesetzt gewesen und sollte vor allem Fragen der Außenpolitik und nationalen Sicherheit zum Thema haben.

Ein 700 Milliarden schwerer Rettungsplan der US-Regierung für den angeschlagenen Finanzsektor war am Dienstag ins Stocken geraten, nachdem der Bankenausschuss des US-Senats ernste Bedenken angemeldet hatte. Der Ausschussvorsitzende Chris Dodd bezeichnete das Paket in seiner derzeitigen Form als "nicht akzeptabel". Das Weiße Haus will den Banken faule Kredite abkaufen. Führende Kongresspolitiker hatten zwar grundsätzliche Zustimmung geäußert, aber Schutzmechanismen auch für einfache US-Bürger eingefordert.

AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
hannes_schinder (25.09.2008, 07:59 Uhr)
in Bankerkreisen
war bereits 2001 bekannt, dass es zur Immobilien und anschließend zum Zusammenbruch vieler vor allem der Investment Banken kommen wird. Die Regierung Bush hat den Kollaps mit verursacht. Kein Grund eine Wahl hinauszuschieben sondern eher einer ganz schnell diese "Verbrechermischpoke" abzuwählen bevor edie noch mehr Flurschäden kreieren.
OnceKnown (25.09.2008, 00:44 Uhr)
@hannes_schinder
Na endlich! Wurde auch Zeit! Eine neue Verschwörungstheorie:
.
"...die Republikaner einen Krieg kurz vor der Wahl anfangen..."
.
Na klar! Der Südossetienkonflikt wurde natürlich wieder von der "Verbrechermischpoke" angezettelt.
.
Wen verstehen Sie unter "Verbrechermischpoke"?
Johann58 (24.09.2008, 23:42 Uhr)
warten wirs ab
McCain haette in der Debatte normalerweise gepunktet, denn Obama ist zwar ein glaenzender redner aber wenn ums Debattieren geht hat er gegen Hillary immer den Kuerzeren gezogen. Seine Staerke ist das jedenfalls nicht. McCain ist wie er selbst gesagt hat 'weak in economy', jetzt versucht er sich als Krisenmanager. Ein Trick ist es in jedem Fall und wer davon profitiert, mal abwaten.
bundesboy (24.09.2008, 22:35 Uhr)
McCain's patriotischer Bluff
Komisch, wenn der Mann, dem seine Rente nun wirklich zu gönnen wäre, nicht mehr kann, dann macht er auf patriotisch und versucht den gütigen Vater zu geben.
tricky_dude (24.09.2008, 22:20 Uhr)
Down the Drain
..sorry, ich revidiere mich. Hat jemand Lust einen Nachruf auf den Kapitalismus zu schreiben?
Das wird die Börsen nach unten treiben und über den Dollar brauchen wir nicht mehr sprechen. Hoffen wir das unser Euro nicht mit runter gerissen wird.
hannes_schinder (24.09.2008, 22:14 Uhr)
Ich hatte schon damit gerechnet
dass die Republikaner einen Krieg kurz vor der Wahl anfangen, damit Bush im Amt bleibt, die Finanzkrise ist aber auch nicht von schlechten Eltern. Eine einzige Verbrechermischpoke diese Republikaner.
tricky_dude (24.09.2008, 21:58 Uhr)
Hammer
Sieht so aus al swenn McCain die Wahl verschieben will. Schaut auf CNN, der will die Wahl sabotieren!!!
Kein Osama aus dem Hut gezogen, kein neuer Terroranschlag, die Finanzkrise hat der GOP eine (hausgemachte) Steilvorlage geliefert.
Ein schwarzer Präsident? Hah! Träumt weiter!!
TschiTschi (24.09.2008, 21:46 Uhr)
Nachdem die Umfragewerte so schlecht sind ...
...erscheint ihm das opportun. Vor allem, weil er sich dadurch um das TV-Duell drücken kann, bei dem er bestimmt weiter an Boden verloren hätte.
Aber zu was hat er eigentlich eine Vize? Dann soll die doch diskutieren!
mister-mister (24.09.2008, 21:42 Uhr)
Wimp McCain........................
..........weiß ganz genau, dass ihn in Krisenzeiten wie dieser jeder Auftritt - im schlimmsten Fall flankiert von seiner so genannten megakompetenten Vize-"Kandidatin" - noch weiter ins Loch schieben kann.
.
Da hält man's eben besser mit Vogel Strauss - ab nach Hause, nix sehen nix hören, einige Tage Wikipedia büffeln und dann wenigstens mit einem sachlich halbwegs richtigen Statement im Gepäck wieder vor die Öffentlichkeit......
.
Was für eine armselige Witzfigur.
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