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27. Dezember 2004, 08:23 Uhr

Ganzes Ausmaß ist noch nicht absehbar

Die UN spricht angesichts der Flutkatastrophe in Südasien vom folgenschwersten Seebeben in der Geschichte der Menschheit. Die Opferzahlen steigen stündlich und die Wiederherstellung normaler Lebensverhältnisse werde alles übersteigen, was an Katastrophenhilfe bisher geleistet wurde.

Ein letztes Stück Zivilisation im Nang Thong-Resort in Khao Lak© Vinai Dithajohn/EPA

Experten der Vereinten Nationen befürchten das Schlimmste: Das Seebeben im Südasien ist zwar nicht das schwerste, aber zweifellos das folgenschwerste in der bekannten Geschichte der Menschheit gewesen. "Ein Grund dafür ist, dass einige der betroffenen Gebiete heute zu den am dichtesten besiedelten der Erde gehören." Die Kosten für die Nothilfe und die Wiederherstellung normaler Lebensverhältnisse würden alles übersteigen, was bislang an internationaler Katastrophenhilfe geleistet wurde. "Wir müssen mit vielen Milliarden von Dollar rechnen." Die UN forderten alle Staaten, die zur Hilfe in der Lage sind, großzügig finanzielle Mittel und Hilfsgüter bereitzustellen.

Der UN-Untergeneralsekretär für humanitäre Hilfe, Jan Egeland, glaubt, dass die Zahl der Todesopfer der verheerenden Flutkatastrophe in Südasien noch erheblich steigen wird. "Wir müssen davon ausgehen, dass viele der tausenden Vermissten tot sind", sagte er am Montag bei einer Pressekonferenz in New York. Zudem seien von den mittel- und langfristigen Folgeschäden des Seebebens, Millionen von Menschen betroffen.

Noch keinen Zugang zu den am schwersten betroffenen Ländern

Das ganze Ausmaß des menschlichen Leids und der Zerstörungen sei noch gar nicht absehbar, sagte Egeland. Beim UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) in Genf träfen immer neue Meldungen über katastrophale Folgen des Seebebens und der Flutwelle ein. Anderseits hätten Nothelfer-Teams der UN zu weiten Gebieten in den am schwersten betroffenen Ländern noch gar keinen Zugang. Die Trinkwasser-Ressourcen von mehreren Millionen Menschen seien zerstört worden. Es müsse daher mit einem enormen Anstieg von lebensgefährlichen Magen- und Darmerkrankungen gerechnet werden.

Kartenausschnitt der Katastrophenregion und Opferzahlen in den betroffenen Ländern.© stern.de-Infografik

Fast 24.000 Tote, hunderttausende Verletzte, vermutlich über zwei Millionen Obdachlose - so lautete am Montagabend die erschütternde Bilanz am Tag nach der verheerenden Flutkatastrophe in Südostasien. Die meisten Menschen - mindestens 12.000 - kamen in Sri Lanka ums Leben. Während die internationale Hilfe anrollte und Tausende Helfer den Ausbruch von Seuchen zu verhindern suchten, warnten Erdbebenforscher vor Nachbeben und neuen Flutwellen.

Am Sonntag hatte die bis zu 800 Stundenkilometer schnelle Welle die Küsten von Indonesien, Thailand, Birma, Bangladesh und Indien verwüstet und zudem auch Sri Lanka, die Malediven und das 4500 Kilometer entfernte Ostafrika erreicht.

In Indonesien kamen nach offiziellen Zahlen fast 5000 Menschen ums Leben, Vizepräsident Jussuf Kalla rechnete sogar mit bis zu 10.000 Toten. In Indien riss die Flutkatastrophe nach Regierungsangaben mindestens 4000 Menschen in den Tod. Das Internationale Rote Kreuz befürchtete weitere 10.000 Tote allein von der zu Indien gehörenden Inselgruppe der Andamamen und Nicobaren. Selbst in Somalia wurde von hunderten Todesopfern berichtet. Tausende Menschen im gesamten Golf von Bengalen wurden noch vermisst. Allein in den am schlimmsten betroffenen Ländern Sri Lanka und Indonesien war jeweils eine Million Menschen ohne Dach über dem Kopf.

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Wegen der großflächigen Überschwemmungen und fehlenden sauberen Trinkwassers befürchteten Regierungsstellen und Hilfsorganisationen den Ausbruch von Seuchen wie Malaria oder Durchfall. Tausende Retter aus aller Welt bemühten um die Versorgung der Opfer. Hilfsorganisationen baten dringend um Spenden.

"Die Menschen stehen vor dem Nichts, wir verteilen Nahrungsmittel und Kleidung, um die schlimmste Not zu lindern", berichtete Father Arputham, Partner der Malteser, am Montag aus Südindien. Viele Katastrophengebiete sind schwer zugänglich, außerdem behindern Nachbeben die Rettungsmaßnahmen. Die Zerstörung von Krankenhäusern gebe Anlass zu großer Sorge, sagte Hakan Sandbladh vom Internationalen Roten Kreuz in Genf.

Martin Baumann, Projektleiter der Welthungerhilfe in Sri Lanka berichtete von Massengräbern nahe der Stadt Mullaitivu. Allein in der Schule seien fast 500 Tote aufgebahrt. "In der Gegend um die Stadt Mullaittivu sind etwa 20 Dörfer einfach vom Erdboden verschwunden", sagte Baumann.

Die verheerende Flutwelle im Indischen Ozean hat bis an die ostafrikanische Küste und damit rund 4500 Kilometer vom Zentrum des Seebebens entfernt Tod und Verwüstung gebracht. An der Küste Somalias am Horn von Afrika seien Hunderte Menschen getötet worden und ganze Dörfer verschwunden, sagte ein Sprecher des somalischen Präsidenten in der kenianischen Hauptstadt Nairobi.

DPA/AP
 
 
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