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15. Mai 2004, 15:41 Uhr

Chefredakteur wegen gefälschter Folterfotos gefeuert

Im Skandal um gefälschte Fotos von Misshandlungen irakischer Gefangener durch britische Soldaten ist der Chefredakteur des "Daily Mirror", Piers Morgan, entlassen worden.

Titelseite vom Samstag© DPA

Im Skandal um gefälschte Fotos von Misshandlungen irakischer Gefangener durch britische Soldaten ist der Chefredakteur des "Daily Mirror", Piers Morgan, entlassen worden. Die Verlagsleitung der linksgerichteten britischen Boulevardzeitung entschied, dass es für den 39-jährigen Journalisten "unangemessen" sei, "weiter Chefredakteur des „Daily Mirror“ zu sein, weshalb er mit sofortiger Wirkung zurücktritt".

Am Samstag entschuldigte sich die Zeitung in großer Aufmachung auf der Titelseite für die Veröffentlichung der gestellten Fotos Anfang Mai, auf denen vermeintliche Soldaten mit einem Gewehr auf einen wehrlos am Boden liegenden Menschen einschlagen und auf dessen nackten Oberkörper urinieren. "Die uns ausgehändigten Bilder über die Misshandlung irakischer Kriegsgefangener waren Fälschungen", hieß es.

Schockierend, aber komplett gefälscht© Odd Andersen

Opfer einer "gewollten und böswilligen Täuschung"

In einer Stellungnahme der Zeitung hieß es, sie sei Opfer einer "gewollten und böswilligen Täuschung" geworden. Der "Mirror" bedauerte, dem Ansehen der britischen Truppen im Irak geschadet zu haben und kündigte eine "vollständige Zusammenarbeit" zur Untersuchung des Betrugs an. Gleichwohl betonte das Blatt, dass nach Aussagen von Soldaten und Informationen des Internationalen Roten Kreuzes sowie der Menschenrechtsorganisation britische Soldaten irakische Gefangene misshandelt hätten.

Die britische Regierung kommentierte den Rücktritt zunächst nicht, das britische Militär zeigte sich mit der Entschuldigung zufrieden. Wenige Stunden vor der Entlassung Morgans als Chefredakteur hatten Soldaten des Königlichen Lancashire Regiments anhand von Uniformstücken, Fahrzeugen, Ausrüstungsgegenständen und Waffen demonstriert, warum die ihnen auf den Bildern angelasteten Folterungsvorwürfe nur gestellt sein konnten. Die Regierung in London hatte die Fotos von den angeblichen Misshandlungen bereits am Vortag auf Grund einer Untersuchung der Militärpolizei als Fälschungen zurückgewiesen.

Die gestellten Fotos hätten Soldaten im Irak in Gefahr gebracht und dienten als "Rekrutierungsplakat" für die Terrororganisation El Kaida, sagte Oberst David Black. Morgan hatte jedoch bis zuletzt beteuert: "Wir haben die Wahrheit veröffentlicht."

"Soldat C" bekräftigt Folter-Vorwürfe

Unterdessen wiederholte einer der Soldaten, die bereits dem "Mirror" über Misshandlungen im Irak berichtet hatten, seine Vorwürfe im Fernsehen. Der anonyme "Soldat C" berichtete am Freitagabend im Privatsender ITV, wie Angehörige des Lancashire Regiments Iraker "aus Spaß schlugen". Die Misshandlungen seien nicht "systematisch gewesen, aber es passierte". Er beschuldigte Vorgesetzte, ihrer Aufsichtspflicht nicht ausreichend nachgekommen zu sein. Bei dem Soldaten handelt es sich jedoch nicht um denjenigen, der dem "Mirror" die gefälschten Fotos zuspielten.

 
 
 
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