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28. Mai 2009, 15:31 Uhr

Ein Vernehmer packt aus

Einer, der hautnah miterlebte, wie die Vereinigten Staaten unter George W. Bush zum Folterstaat wurden, ist Torin Nelson, Vernehmer der US Army. Dem stern berichtet er, wie Gefangenen-Missbrauch Tür und Tor geöffnet wurde und wie er vom Zeugen zum "Täter" wurde. Von Jan Christoph Wiechmann, New York

USA, Folter, Abu Ghreib, Vernehmer

Eines von vielen Fotos aus Abu Ghreib, die zum Symbol für die Menschenrechtsverletzungen der USA wurden© EPA

Er hätte einfach schweigen sollen. Hätte als Zeuge nicht aussagen sollen, so wie alle anderen Soldaten in Abu Ghreib. Er hätte den Corpsgeist nicht brechen, die Taten nicht beichten, den Skandal nicht ans Licht bringen sollen. So denkt er. Manchmal.

Und dann denkt er: Es war gut zu reden. Über die Misshandlungen in Abu Ghreib. Die Misshandlungen in Guantanamo. Die Fehler im System. Und die Befehle von oben. Es war gut zu reden. Gut für den Staat. Für die Ehre Amerikas. Für das eigene Gewissen.

Torin Nelson, 40, sitzt in einer kleinen Wohnung in Utah und schaut auf sein Leben mit einer Mischung aus Trotz und Traurigkeit. Er hatte mal eine Familie. Einen guten Job beim Militär. Ein großes Haus. Ein intaktes Leben. Das ist vorbei. Die Familie ist weg. Das Haus verloren. Sein Ruf ist beschädigt. Selbst sein Name ein anderer. Obwohl er doch alles richtig machte. Sagt er sich. Oder etwa doch nicht?

Nelson wurde als Vernehmer der US Army nach Guantanamo geschickt, ins dortige Gefangenenlager. Das war im August 2002, ein Jahr nach den Terror-Anschlägen von New York. Er hatte bereits zehn Jahre Erfahrung in diesem Job hinter sich, zwölf Entsendungen in Kriegsgebiete, er war gut darin, sehr gut sogar. Er baute stets ein Verhältnis zu den Gefangenen auf, er machte das, was er intelligentes Verhören nennt: Vertrauen gewinnen, Anreize schaffen, zuhören, plaudern, auch mal drohen, aber stets im Rahmen.

Die neue Botschaft war: Nur Resultate zählen

Alles lief normal, bis der neue Kommandant, Major General Geoffrey Miller, nach Guantanamo kam. Schon bei seinem ersten Treffen gab er die neue Richtung vor: "Welche Rechte haben diese Gefangenen?" fragte Miller. Die Offiziere antworten: "Sie haben Rechte gemäß der Genfer Konvention." Darauf Miller: "Das einzige Recht, das sie haben, ist es, uns Informationen zu liefern." "Die Botschaft war: Nur Resultate zählen", erinnert sich Nelson. "Wie du sie erlangst, spielt keine Rolle."

Bald erfuhr Nelson von den Verhören des Gefangenen Nr. 63, Mohammed al Khatani, der vermeintliche 20. Mittäter der Anschläge vom 11. September: 18-Stunden-Verhöre, Stress-Positionen, Einsatz von Hunden, von extremer Kälte und Hitze, alles abgesegnet von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld persönlich. "Ich dachte, was für ein gigantischer Fehler. Wir bauen über Monate ein Verhältnis zu dem Gefangenen auf, und dann zerstören wir alles mit einem Schlag. Das Kardinalproblem war: Die politische Führung bekam nicht schnell genug die Resultate, die sie wollte. Sie übte Druck aus. Damit waren dem Gefangenen-Missbrauch alle Türen geöffnet."

Was Nelson nicht wusste: Die Misshandlung der Gefangenen war damals längst von oben gebilligt. Im Justizministerium hatten Juristen schon im August 2002 eine Folter-Memo geschrieben, in denen sie die Bedingungen minutiös festhielten: Wenn dem Opfer Schmerzen zugefügt würden, handele es sich nur dann um Folter, wenn diese "zum Tod, Organversagen oder zur dauerhaften Schädigung einer wichtigen Körperfunktion" führten. Und bei seelischen Schmerzen, wenn sie "zu wesentlichen Schäden von beträchtlicher Dauer führen", "Monate oder Jahre anhalten".

Folter schon im August 2002 legalisiert

Im Pentagon hatte Rumsfeld persönlich dafür gesorgt, diese für die CIA bestimmten "verbesserten Verhörmethoden" auch im Militär anwenden zu können. Damit war schon im August 2002 die Folter legalisiert und fand ihren Weg aus den Schreibstuben Washingtons nach Guantanamo, Bagram und Abu Ghreib. Doch Folter nannte es die Bush-Regierung nicht. Sie verfuhr nach dem Motto: Folter ist keine Folter, wenn wir sie anders definieren.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Torin Nelson vertraut sich einem Kommandanten an und fürchtete daraufhin um sein Leben.

Amerikas Sündenfall

Amerikas Sündenfall Wie Bush & Co die USA in einen Folterstaat verwandelten.
stern-Korrespondenten haben mit Ministerialbeamten und Folterern gesprochen, mit Soldaten und Verhörspezialisten. Und dokumentieren, wie unter der Führung des ehemaligen Vizepräsidenten Dick Cheney Recht gebrochen und das Leben vieler Menschen zerstört wurde - die Titelgeschichte im neuen stern.

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KOMMENTARE (10 von 30)
 
Administrator (29.05.2009, 11:27 Uhr)
Liebe User,
die Diskussion nimmt zusehend unsachliche Züge an, so dass wir sie jetzt schließen.
MfG
Ihre stern.de-Admins
tarpan8 (29.05.2009, 11:00 Uhr)
@HombreUno
Stellen sie diese Frage im Ernst ?
Seit meiner Kindheit sind die Usa
für mich die Verkörperung des Guten,
die Menschenrechte, Frieden und Freihiet in der Welt verteidigen.
Die USA waren und sind für viele Vorbild. Wenn nun diese Vorbild sämtliche Menschlichtkeit mit Füßen tritt und alle ihre Werte abschafft
trifft mich das schon sehr hart.
Wenn ich einen Anspruch in die Welt posaune muss ich ihn auch vorleben,
so einfach ist das.
Nordkorea hat nie diese Rolle in der Welt, als Vorbild für Freiheit und Demokratie, gespielt. Folter ist
in NK oder sonstwo abzulehnen. darüber braucht man nicht zu debattieren, und mir
fallen auch keine Situationen ein wo es gerechtfertigt wäre.
-
@vegefranz
Langsam wird peinlich mit Ihnen.
vegefranz (29.05.2009, 10:28 Uhr)
was ist mit der Folter in der DDR? #2
Folterungen sind zu verurteilen - ganz klar. Die @sitzpinkler hier beschimpfen aber einseitig die USA und gehen dann die Linken/ExPDS/Ex SED wählen, die in der DDR für Folterungen verantwortlich war (zum Teil sitzen die stasifolterer noch auf den Parteitagen runm)
gmathol (29.05.2009, 10:18 Uhr)
Faschismus kann man nicht mit Wattebaeuschchen bekaempfen.
Hier hilft nur noch eines: bei amerikanischen Touristen sollte diese Art der amerikanisch "perversen" Unterhaltung angewandt werden.
85% der US Soldaten sind Evangelisten! Die sind mindestens genauso wahnsinnig wie ihre islamischen Kontrabanden.
HombreUno (29.05.2009, 09:24 Uhr)
Was mich nur wundert,
in einem anderen Artikel geht es heute um Nordkorea, unter anderem auch um Folter. Der Nordkoreaartikel kann im Gegensatz zu dem USA-Artikel hier nicht kommentiert werden. Komisch!
Dieter37 (29.05.2009, 08:58 Uhr)
@vegefranz (29.5.2009, 7:52 Uhr)
weil ; wenn 2 das Gleiche tun, es in den Augen der Gutmenschen noch immer nicht das Gleiche ist. Die Amis sind die Bösen, die Roten und die Islamisten sind die Guten. Dabei steht fest, dass unter roter und islamistischer Herrschaft mehr Unheil angerichtet wurde/wird, als man es sich vorstellen kann.
Das Regime in der DDR z.B. war genau so brutal, wie das Naziregime. Sie haben gut von ihren braunen Vorgängern gelernt. Wird aber totgeschwiegen.
Und mich wundert halt immer wieder, dass die Leute, die hier jede Möglichkeit ergreifen, gegen Amerika zu Felde zu ziehen, in Ihren Löchern bleiben, wenn es um Verbrechen in China, Nordkorea, Irak und Iran,Lybien, Cuba und und und.... geht !
Vergesst bitte nicht, wodurch das Vorgehen der USA gegen Islamisten ausgelöst wurde ! Wer hat den ersten Stein geworfen ?
bmpost (29.05.2009, 08:21 Uhr)
@Das vegefranz
Ääähh..., es ging im dazugehörigen Artikel um die USA, nicht um die DDR. Warum werden hier wohl ebenfalls nicht die Grausamkeiten Caligulas angeklagt? Ich sage es Ihnen: Im Artikel, der hier kommentiert wird, ging es aucn nicht um Caligula, sondern um die Rolle der USA beim Foltern. Haben Sie es jetzt kapiert? Wenn nicht, macht nichts, vegefranz, Hauptsache gesund!
jetrabbit (29.05.2009, 08:13 Uhr)
wofür mussten nochmal 1 millionen
iraker sterben, und viele weitere gefoltert werden... ich habs vergessen. aber die angst der gewissenlosen muss fürchterlich und ohne grenzen sein.
.
nie vergessen... nur angst kann zu hass führen. angst und hass ist der stoff aus dem die taten von bush/binladen in realität umgesetzt werden.
vegefranz (29.05.2009, 07:52 Uhr)
was ist mit der Folter in der DDR?
wird das Thema totgeschwiegen, weil die Linken/ex PDS/ex SED wieder eine gewisse politische Macht hat? Der TAGESSPIEGEL in Berlin würde sich beispielsweise nie trauen, einen Politfunktionär darauf anzusprechen.
evaclaudia (29.05.2009, 00:26 Uhr)
Fotos
Hier ist übrigens ein link zu den Fotos
http://www.aztlan.net/iraqi_women_raped.htm
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