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12. Juli 2009, 13:16 Uhr

US-Justiziminister will gegen die CIA ermitteln

Angesichts immer neuer Details über Folterpraktiken der CIA denkt der amerikanische Justizminister Eric Holder darüber nach, einen Sonderstaatsanwalt einzusetzen. Damit könnte er aber mit Präsident Obama in Konflikt geraten.

Folter, Guantanamo, CIA

Ob Mitarbeiter des CIA Terrorverdächtige gefoltert haben, soll nach dem Willen von US-Justizminister Holder ein Sonderstaatsanwalt klären© DDP

US-Justizminister Eric Holder erwägt laut einem Zeitungsbericht die Einsetzung eines Sonderstaatsanwalts zur Überprüfung von Foltervorwürfen gegen die CIA. Ein Ankläger solle möglicherweise der Frage nachgehen, ob Geheimdienstmitarbeiter nach dem 11. September 2001 Terror-Verdächtige gefoltert hätten, berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf drei anonyme Quellen aus Holders Umfeld. Ein solcher Schritt könne allerdings zu einem Konflikt mit Vertretern der US-Regierung führen, die dieses heikle Kapitel lieber abschließen wollten.

Hochrangige Mitarbeiter von US-Präsident Barack Obama äußerten dem Bericht zufolge die Befürchtung, eine Untersuchung von Foltervergehen der CIA könne die US-Regierung wichtige Stimmen im Kongress für ihre Gesetzesvorhaben kosten. Forderungen von Demokraten im Kongress nach einer Wahrheits- und Versöhnungskommission zu dem Thema konnte das Weiße Haus bislang abwehren. Holder habe vor kurzem aber neue Informationen über die Misshandlungen von Häftlingen geprüft, berichtete die "Washington Post". Dazu gehöre auch ein geheimer Bericht über einige Vorgehensweisen der CIA, die als Folter gewertet werden könnten.

Holder will laut "Washington Post" seine Entscheidung fällen, bis sein Ministerium in einigen Wochen einen Bericht über Juristen der Vorgängerregierung von George W. Bush vorlegt, die sich für harte Verhörmethoden ausgesprochen hatten. Dabei ging es um Methoden wie simuliertes Ertrinken, das sogenannte Waterboarding, sowie Schlafentzug und das Einsperren von Verdächtigen in kleine dunkle Räume.

Unterdessen verlautete aus Geheimdienstkreisen, dass Bushs Vizepräsident Dick Cheney nach seinem Amtsantritt vor gut acht Jahren die CIA persönlich angewiesen habe, den Kongress vorerst nicht über ein neues Anti-Terror-Programm zu informieren. Mehrere CIA-Direktoren hätten sich auch in der Folgezeit daran gehalten, da das Programm als noch nicht ausgereift erachtet worden sei. Der jetzige CIA-Chef Leon Panetta habe es dann vor kurzem aufgegeben. Worum es bei diesem Programm genau ging, blieb unklar. Es habe aber nicht im Zusammenhang mit den umstrittenen Verhörmethoden oder den Geheimtransporten von Terrorverdächtigen ins Ausland gestanden. Es sei nicht unüblich, den Kongress erst dann über ein Programm zu informieren, wenn es bereits Gestalt angenommen habe. Das Repräsentantenhaus plant zurzeit ein neues Gesetz, wonach der Kreis der Personen, die das Weiße Haus über Geheimdienstoperationen informieren muss, deutlich erweitert werden soll. Die Regierung hat hier mit einem Veto gedroht.

AFP/AP

 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
jetrabbit (14.07.2009, 07:40 Uhr)
9/11
und wann wacht ihr auf...danke deutsche bank, danke deutschland.
DasBertl (12.07.2009, 15:18 Uhr)
@hq79
Die eigentliche Schwäche im demokratischen System ist, dass
a) unter dem Deckmantel der Pressefreiheit die Unwahrheit verbreitet werden darf und daher gelogen wird, dass sich die Balken biegen
und
b) das man die Politiker für deren Lügen nicht belangen kann.
und
c) alles, was irgendwie schdälich für die jeweilige Regierungspartei sein könnte, einfach per "Geheimhaltung" unter den Teppich gekehrt werden darf
DasBertl (12.07.2009, 15:14 Uhr)
Die kleinen hängt man, die großen beschenkt man...
Es ist doch wieder das selbe... Es ist ja nicht so, dass die CIA nicht angewiesen wurde, so zu verhören wie sie es getan hat. Die eigentlichen Verbrecher saßen im Weißen Haus. Nur deren Verbrechen verfolgt man in den USA ja schon aus Tradition heraus nicht... Also müssen die wieder daran glauben, die "nur die Anweisungen befolgt" haben. Echte Aufarbeitung wird es nicht geben, die Völkermorde die in den USA im Zuge der Besiedelung begangen wurden, werden ja bis heute nicht wirklich aufgearbeitet...
nerventanz (12.07.2009, 15:03 Uhr)
So viel Schweigen bei einem Thema
.. macht das schon sehr verdächtig, und vor allem macht das einen neugierig, ob hier gefoltert wurde. Sollte es sich herausstellen, dass USA ein Folterstaat ist, dann sollte man zusehen, dass es dafür Verantwortliche gibt. Und diese gehören bestraft. Einem Gefangenen sollte man seine Würde und Unversehrtheit lassen. In all diesen Fällen gab es keine Kriegssituation.
Ich freue mich, dass da jemand den Mut hat, sich einem dermaßen unpopulären Thema zu stellen und für das Recht von Gefangenen einsteht. Helden gibt es nur noch sehr wenige. Dieser Mensch ist aber einer.
Viper2024 (12.07.2009, 14:54 Uhr)
Wird auch Zeit
Es kann in einer Demokratie nicht hingenommen werden, das Menschen ohne Gerichtsverfahren eingesperrt werden. Und Folter ist in keinster weise akzeptabel, weshalb ich dieses vorhaben des US Justizministers nur unterstützen kann.
hq79 (12.07.2009, 13:39 Uhr)
Mehrheiten
Es ist einfach nicht zu fassen. Das System Demokratie hat eine wirklich schwerwiegende Schwäche, nämlich dieses immerwährende peinliche Schielen nach Mehrheiten und Wiederwahl. Vielleicht reißen sich diese Witzfiguren mal zusammen und erkennen an, daß Menschenrechte und Gerechtigkeit um einiges schwerer wiegen als ihre dämlichen Mehrheiten.
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