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3. Mai 2004, 16:46 Uhr

"Wir müssen uns gegen diese Unterdrückung wehren"

Seit Monaten haben ehemalige irakische Gefangene über Misshandlungen durch die Amerikaner geklagt. Auch Dhia el Schweiri war in Bagdads berüchtigtem Gefängnis Abu Ghraib. Die Erniedrigung durch die US-Soldaten hat er am eigenen Leib erfahren.

Zum Zeitpunkt der Misshandlungen im Abu-Ghraib-Gefängnis verantwortlich: Brigadegeneralin Janis Karpinski© Robert Sullivan/AFP

Dhia el Schweiri war schon mehrere Male in Bagdads berüchtigtem Gefängnis Abu Ghraib. Zwei Mal unter der Herrschaft von Saddam Hussein, einmal als Häftling der Amerikaner. Er sagt, er ziehe die Folter unter Saddam Hussein der Erniedrigung vor, von amerikanischen Wächtern nackt ausgezogen zu werden. Der 30-Jährige gehört nun zu den Kämpfern der radikalen El-Mahdi-Miliz des schiitischen Geistlichen Muktada el Sadr.

El Schweiri sagt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Associated Press, als er von den Schergen Saddam Husseins inhaftiert worden sei, hätten sie ihn geschlagen, mit Elektroschocks gefoltert und an der Decke aufgehängt, die Hände auf den Rücken gebunden. "Aber das war nicht so schlimm, wie diese Erniedrigung, nackt ausgezogen zu werden. Erschießt mich hier", sagt er und zeigt auf seine Stirn, "aber macht nicht das mit uns."

Militärpolizisten droht Verfahren vor dem Kriegsgericht

Seit Monaten haben Menschenrechtsgruppen und ehemalige irakische Gefangene über Misshandlungen durch die Amerikaner geklagt. Die Beschwerden wurden aber immer als politisch motiviert abgetan, bis die US-Armee im Januar selbst eine Untersuchung einleitete. Jetzt droht sechs Militärpolizisten ein Verfahren vor dem Kriegsgericht. Der "New York Times" zufolge kam der interne Bericht des Heeres zu dem Ergebnis, dass irakische Gefangene einem "sadistischen, unverhohlenen und mutwillig kriminellen Missbrauch" ausgesetzt waren.

Nach den Foltervorwürfen haben auch sieben US-Soldaten einen dienstlichen Verweis erhalten. Wie ein ranghoher Militärsprecher am Montag mitteilte, ging an sechs der Offiziere die schärfste mögliche Rüge, ein weiterer sei verwarnt worden. Damit könnten die Soldaten möglicherweise aus dem Militärdienst ausgeschlossen werden, weitere Konsequenzen drohten ihnen vermutlich aber nicht, sagte der Sprecher.

Amerikanische Folterknechte vor ihrer Gefangenen-Pyramide: "Sie versuchten, uns zu erniedrigen, unseren Stolz zu brechen"© ROPI

El Schweiri sagt, ihn hätten die Fernsehbilder von maskierten und nackten Gefangenen und lachenden US-Soldaten keineswegs überrascht. Auch er habe sich nackt ausziehen müssen. Das sei die schlimmste Erniedrigung, die ein Mann sich vorstellen könne. "Sie versuchten, uns zu erniedrigen, unseren Stolz zu brechen. Wir sind Männer. Wenn sie uns schlagen, dann ist das in Ordnung. Schläge treffen uns nicht."

"Wir müssen uns gegen diese Unterdrückung wehren"

Die Amerikaner hätten ihn, seinen Vater und seinen Bruder festgenommen, berichtet El Schweiri. Sie wohnten im schiitischen Bagdader Stadtteil Sadr City. Sie seien festgenommen worden, weil bei ihnen ein Schnellfeuergewehr und mehrere Stirnbänder mit islamischen Sprüchen gefunden worden seien. El Schweiri betont, er habe damals in einem Laden gearbeitet und sei weder politisch aktiv gewesen, noch habe er der Miliz angehört. Er sei den Amerikanern auch dankbar gewesen, weil sie Saddam Hussein gestürzt hätten. "Ich hasste Saddam Hussein so sehr, dass ich die Amerikaner als Befreier begrüßte. Aber mir wurde schnell klar, dass sie Besatzer sind. Wir müssen uns gegen diese Unterdrückung wehren."

Nachdem er aus der US-Haft entlassen worden sei, habe er statt Saddam Hussein die Amerikaner gehasst, sagt El Schweiri. Vor zwei Monaten habe er sich der El-Mahdi-Miliz angeschlossen. Die Amerikaner haben die Auflösung der Miliz gefordert und wollen El Sadr festnehmen, weil er in die Ermordung eines rivalisierenden Geistlichen verwickelt sein soll. "Wenn Muktada uns befiehlt, uns aufzulösen, werden wir dies tun", sagt El Schweiri. "Wenn er uns befiehlt zu sterben, werden wir sterben. Wenn er uns befiehlt zu leben, werden wir leben. Mit den Amerikanern und ihren Forderungen haben wir nichts zu tun."

Scheherezade Faramarzi/AP
 
 
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