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Was passiert, wenn die Rettung scheitert?

Die Bankenkrise in Zypern droht die gesamte Eurozone in Probleme zu stürzen. Wie kann das sein? Und müssen Sparer in anderen Euro-Ländern um ihr Geld bangen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

  Die Zyprioten demonstrieren ihren Stolz. Doch wie sieht die Lösung der Krise aus?

Die Zyprioten demonstrieren ihren Stolz. Doch wie sieht die Lösung der Krise aus?

Trotz der Ablehnung der Zwangsabgabe auf Bankguthaben will Zypern mit allen Mitteln gegen die Staatspleite ankämpfen. Noch werden die Banken des Landes durch Notkredite der Europäischen Währungshüter gestützt. Die Europäische Zentralbank (EZB) warnt aber, ein Rettungsprogramm müsse schnell her, die Zeit werde knapp. Was geschieht, wenn die Rettung misslingt? Fragen und Antworten zur Zypern-Krise.

Wie ist die Lage?

Der marode Bankenapparat Zyperns steht ohne Hilfe von außen vor dem Kollaps. Die zwei größten Banken sollen faktisch zahlungsunfähig sein - und werden nur in Erwartung auf Hilfen am Tropf gelassen. Die EZB hält das Finanzsystem mit Notkrediten (ELA) noch am Laufen. Weil ein Ansturm der Kunden befürchtet wird, bleiben die Filialen bis Dienstag kommender Woche geschlossen. An Bankautomaten können die Zyprer und Touristen jedoch bis zu einem bestimmten Betrag Geld ziehen. Das gesamte Geld, das noch in der zyprischen Staatskasse ist, soll nur noch bis Mai reichen.

Wie konnte es überhaupt zu dieser katastrophalen Situation kommen?

Die kleine Mittelmeerinsel hat über Jahre kapitalkräftige Investoren, darunter viele reiche Russen, Ukrainer, Briten und Griechen, durch niedrige Steuern, hohe Zinsen und lasche Kontrollen angelockt. Hunderttausende Kapitalgesellschaften machten sich breit, immer mehr Banken siedelten sich an, die adäquate Bankenaufsicht fehlte jedoch. Vergleichbar dem Euro-Krisenland Irland entstand ein aufgeblähtes Finanzsystem, das durch die Krise, aber vor allem durch den Absturz Griechenlands selbst an den Abgrund geriet. Die Banken Zyperns sind eng mit den griechischen verflochten. Wie katastrophal die Lage ist, zeigt die Höhe des notwendigen Rettungspakets von rund 17 Milliarden euro, das fast so hoch ist wie die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes.

Was passiert, wenn die Rettung scheitert?

Das gilt zwar - noch - als unwahrscheinlich. Doch wenn keine Lösung kommt, würde das den Staatsbankrott bedeuten: Zypern könnte seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen und sein Bankensystem nicht mehr rekapitalisieren. Die Staatsbediensteten könnte nicht mehr bezahlt werden, die öffentliche Verwaltung würde lahmgelegt, die Wirtschaft abstürzen. Geschäfte müssten schließen, weil die Kundschaft ausbleibt. Noch mehr Anleger würden versuchen, ihr Geld außer Landes zu bringen - Kapitalflucht in großem Stil einsetzen. Die Gläubiger des Landes müssten auf den Großteil ihres Geldes verzichten. Soziale Unruhen sind zu befürchten.

Wie sieht die EZB den Fortgang?

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen betont: Wenn nicht bald ein Hilfsprogramm für Zypern beschlossen werde, das eine rasche Rekapitalisierung des Bankensektors gewährleiste, müsse die Solvenz der zyprischer Banken "als nicht gegeben angesehen werden". Dann müsste die EZB Zyperns Notenbank die überlebenswichtigen Hilfskredite entziehen - der Absturz wäre programmiert.

Könnte Zypern dann im Euro bleiben?

Trotz Bankenkollaps und Staatspleite: Das Land könnte theoretisch Teil der Währungsunion bleiben. Der Chefvolkswirt vom Bankhaus Berenberg, Holger Schmieding, glaubt das aber nicht: "Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass eine verzweifelte zyprische Regierung eine neue Währung drucken müsste, wenn ihr die Euro ausgehen." Ein Austrittsszenario gibt es bisher nicht.

Welche Folgen drohen in der Eurozone?

Die Ansteckungsgefahren sind längst nicht mehr so hoch wie vor einem Jahr. Außerdem ist die zyprische Wirtschaft sehr klein. "Wir bezweifeln Ansteckungsgefahren, weil Zypern und sein Bankensystem sich grundlegend von allen anderen Euroländern unterscheiden", sagt Unicredit-Chefvolkswirt Erik Nielsen. Das Bankensystem in dem Inselstaat gilt mit Einlagen von 70 Milliarden Euro - bei einer Wirtschaftsleistung in Zypern von nur rund 18 Milliarden Euro - als extrem aufgebläht. Es habe aber keine systemische Bedeutung für das Finanzsystem in Europa insgesamt, betont Nielsen. Die EZB sieht dagegen durchaus eine Systemrelevanz. Dies ist auch Voraussetzung für Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds ESM.

Werden die Menschen in anderen Ländern aus Angst vor dem Übergreifen der Krise ihre Konten leeren?

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer glaubt nicht, dass Sparer in anderen Krisenländern in großem Stil Einlagen von ihren Banken abziehen würden. Zypern sei mit keinem anderen Peripherieland vergleichbar: "Das sollte den Sparern in den anderen Krisenländern bewusst sein." Wenn die Menschen ihr Geld dennoch abheben sollten und die Geschäftsbanken deshalb keine Sicherheiten mehr hätten, um sich bei der EZB zu refinanzieren, blieben auch für andere Länder die ELA-Notfallkredite. "Die Erfahrungen Irlands zeigen, dass ELA-Kredite ein wirksames Instrument", betont Krämer.

Wie kann die EZB einen Flächenbrand in der Eurozone verhindern?

Europas Währungshüter können die Banken in anderen Euroländern mit ausreichend Liquidität versorgen, etwa über neue langfristige und sehr günstige Kredite, oder über ihr Anleihenkaufprogramm. Auch die Märkte vertrauen auf die legendäre Aussage von EZB-Präsident Mario Draghi in London: "Die EZB wird im Rahmen ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten."

Birte Blechschmidt und Harald Schmidt/DPA/DPA

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