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10. Dezember 2007, 17:19 Uhr

Sarkozys Milliarden-Deal mit Gaddafi

Der erste Staatsbesuch des libyschen Präsidenten Muammar al Gaddafi seit 34 Jahren hat für offenen Streit in Frankreichs Regierung gesorgt. Außenminister Kouchner und Menschenrechts-Staatssekretärin Yade kritisierten die Visite scharf. Sarkozy hingegen nutzte das Treffen, um Geschäfte zu machen. Von Tilman Müller, Paris

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy begrüßt Libyens Muammar al Gaddafi zum Staatsbesuch© Francois Mori/AP

Strömender Regen, als heute Nachmittag im Parkgarten des "Hotel de Marigny" das geräumige Beduinenzelt von Muammar al-Gadaffi aufgestellt wurde. Doch kühl wird es Libyens Staatschef während seines sechstägigen Paris-Besuchs bestimmt nicht werden, denn sein Luxuszelt ist mit schweren Planen bedeckt und gut beheizt. Und auch Demonstranten wird der seit Jahrzehnten in aller Welt umstrittene Revolutionsführer in Paris kaum begegnen - weiträumig riegelten Gendarmen das gegenüber dem Elysée-Palast gelegene "Marigny" ab, ein Stadtschloss, das einst den Rothschilds gehörte und seit 1972 hochrangige Staatsgäste beherbergt.

Der hohe Sicherheitsaufwand kommt nicht von ungefähr. Frankreich ist das erste westliche Land, das den einst wegen seiner Unterstützung des Terrorismus geächteten Gaddafi empfängt. Ein Staatsbesuch erster Klasse. Heute Abend tafelt Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy mit dem libyschen Revolutionsführer im Elysée; aus Respekt vor dessen "Wüstentradition", so Sarkozys Sprecher David Martinon, habe man dem hohen Gast eine anständige Zelt-Herberge hergerichtet.

Selten, schreibt die angesehene französische Tageszeitung "Le Monde", habe ein Staatsbesuch dermaßen viel Debatten und Polemik ausgelöst. "Willkommen Herr Demokrat", titelte sarkastisch das Boulevard-Blatt "France Soir". Klartext bei der linksliberalen "Liberation": "Sarkozy wird nie das Problem haben, seinem Freund Gaddafi zu einem Wahlsieg gratulieren zu müssen. Zu Hause gibt sich der Revolutionsführer nicht mit solchen Formalitäten ab, er hat sich auf Lebenszeit selbst gewählt. Politische Parteien sind verboten, wer ihn kritisiert, dem droht die Todesstrafe." Andere Staaten wie die USA oder Großbritannien hätten sich nicht so der Lächerlichkeit preisgegeben, "wie dies Frankreich mit seinem pompösen Staatsempfang getan hat."

Ein Besuch ausgerechnet am Tag der Menschenrechte

Einen Großteil der heimischen und internationalen Medien hat Sarkozy bereits gegen sich aufgebracht, seit er im Mai zum Präsidenten gewählt wurde. Doch nun melden sich erstmals Kritiker aus seiner Regierung zu Wort. Allen voran den bisher eher wachsweich-willfährigen Außenminister Bernard Kouchner. Der Gaddafi-Besuch falle ausgerechnet auf den Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, bemängelte Kouchner und fügte hinzu, Libyens Staatschef habe die Menschenrechte "professionell" verletzt.

Erst recht in die Vollen ging Kouchners Staatssekretärin Rama Yade, zuständig für Menschenrechte. "Frankreich ist mehr als eine Handelsbilanz", erklärte sie erbost in einem Zeitungsinterview, "Gaddafi muss verstehen, dass unser Land keine Fußmatte ist, auf der Staatschefs, egal ob es sich um Terroristen handelt oder nicht, das Blut ihrer Aktionen abstreifen können." Dass der Besuch auf den Tag der Menschenrechte falle, sei geradezu empörend. "Die Wahl dieses Datums", so die Außenstaatssekretärin, "ist ein starkes Symbol, ich würde fast sagen: auf skandalöse Weise stark. Es gibt so viele Tage im Jahr, warum hat man diesen ausgesucht?"

Staatstreffen mit Kaufabsichten

Am Gala-Diner heute Abend im Elysée nahm Yade jedenfalls nicht teil. Frankreichs Regierungschef François Fillon, derzeit in Argentinien auf Staatsbesuch, hat die interne Kritikerin bereits zurückgepfiffen und will mir ihr "ein Wörtchen reden", sobald er wieder in Paris ist. Womöglich droht Sarkozy aufgrund des Gaddafi-Besuchs sogar die erste Regierungskrise. Seit Wochen schon ist seine Beliebtheit im Sinkflug, er braucht endlich Erfolge. Denn um die Wirtschaft seines Landes ist es schlecht bestellt. Am Donnerstag wird es schon wieder Streiks geben, und die Handelsbilanz wird 2007 wohl noch schlechter ausfallen als in den Vorjahren (rund 30 Milliarden im Minus). Einträgliche Geschäfte mit Libyen sind also dringend notwendig. Und jeder weiß, dass es bei dem Treffen der beiden Staatschefs um Aufträge in Milliardenhöhe geht. So ist es auch nicht verwunderlich, dass beide Länder bereits am ersten Abend Verträge in Höhe von mehr als zehn Milliarden Euro unterzeichneten: Frankreich sagte Libyen die Zusammenarbeit bei der zivilen Nutzung von Atomkraft und die Lieferung von ein oder mehreren Atomreaktoren für die Entsalzung von Meerwasser zu. Libyen will 21 Flugzeuge vom Typ Airbus kaufen, darunter zehn Langstreckenflugzeuge vom Typ A350. Außerdem will Sarkozy Libyen Militärausrüstung liefern.

Auch vor 34 Jahren, bei seinem letzten Besuch in Paris, bestellte Oberst Gaddafi reichlich militärisches Gerät - immerhin 100 "Mirage"-Jäger.

Von Tilman Müller, Paris
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Roy05441 (13.12.2007, 23:53 Uhr)
Millionen Rösser kannst du
täuschen, dreiviertel-Idioten durchs Leben scheuchen, schon die alten Pharaonen wussten, zockst das Volk du nicht ab, findest unter keiner Pyramide du kein Grab! Und so sagte mir mein Pappa:"kannst du nicht melken, dann musst du es lernen, ob Milch rauskommt, steht in den Sternen.
mittelmeer (11.12.2007, 14:01 Uhr)
TREC/MENA statt Atom
In Nordafrika scheint wahrlich genug Sonne, um damit das Trinkwasser zu entsalzen und nebenbei auch noch Strom zu gewinnen. TREC und MENA: “Das DESERTEC Konzept sieht vor, im Nahen Osten (the Middle-East) und Nord-Afrika (MENA) mit Hilfe von Solarthermischen Kraftwerken und Windparks die Wasserentsalzung und Stromerzeugung voranzutreiben und den sauberen Strom dann mittels HVDC-Leitungen (High Voltage Direct Current = Hochspannungs-Gleichstromübertragung) in diese Länder und ab 2020 (mit insg. nur 10–15% Übertragungsverlust) bis nach Europa zu leiten.” siehe saharawind.com oder trecers.net (Zusammenstellung kolibriethos.de/AutorenHans/Energie)
Wie man mit Atomkraftwerken bzw. deren Abwärme Trinkwasser entsalzt ist mir unklar. Was macht man mit der dabei erzeugten Menge Strom, nach Europa leiten?
Hans
Schwaebin (11.12.2007, 09:35 Uhr)
War doch klar!
Leute, das war doch klar dass sowas kommt! Oder glaubt ihr der Gaddafi hat die zum Tode Verurteilten Krankenschwestern aus reiner Naechstenliebe begnadigen lassen?
Den Preis dafuer sieht man jetzt.
Raknarak (11.12.2007, 09:33 Uhr)
dem einen verwehren sie atomtechnologie...
...dem anderen wird sie hinterher geschmissen. ach nein, man kann ja noch eine menge an waffenlieferungen verdienen....
tufang (11.12.2007, 09:26 Uhr)
Gaddafi und EU
Gestern haben sie ihn Bombadiert und Terrörist erklärt Heute küssen sie seine ENTARI ( Röckschen) lecken seine hintern !!
EU und Geschäftsmoral ist wirklich eine Tolle geschichte !!
Ich bin mal gespannt wann die Merkel vor ihm ins Knie geht !!
Man ist mir SCHLECHT !!
TG
gmathol (11.12.2007, 00:51 Uhr)
Kleiner Nachtrag!
Frankreich bekommt Geschaeft und Arbeitsplaetze - Deutschland bekommt den Ueberwachungsstaat und ein neues Sexualstrafrecht.
Mir sann wieder mehr?
gmathol (11.12.2007, 00:48 Uhr)
Sarkozy:Merkel - 4:0
Herzlichen Glueckwunsch Herr Sarkozy, Sie wissen wie man Geschaefte macht und deutsche Konkurrenz ausschaltet.
Sind wir eigentlich so dumm unsere eigenen Aeste abzusaegen.
Merkel muss gehen, damit das Geschaeft wieder blueht.
murat06 (10.12.2007, 22:07 Uhr)
Peinlich, peinlicher, Sarkozy!!!
Ich denke, dass wir von diesem Herrn S. noch mehr peinliches sehen werden. Leider fehlen mir weitere Worte.
MfG
muhtesem1 (10.12.2007, 21:24 Uhr)
wenns um geld geht, ....
...ist den franzosen vieles scheissegal! da sieht man welche moral dieser sacky hat. elendig, kein wunder,dass in frankreich die menschen so unzufrieden sind.
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