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Der russische Milliardär und sein deutsches Phantom

Der russische Oligarch Michail Fridman hat ein Firmengeflecht mit Berührungspunkten zu Steueroasen zusammengezimmert. Einer seiner wichtigsten Helfer ist der Sohn von Ex-DDR-Spionagechef Markus Wolf.

Von Thomas Schmoll

  Franz Wolf, Sohn von Ex-DDR-Spionagechef Markus Wolf, arbeitet im Firmenimperium des russischen Oligarchen Michail Fridman in herausgehobener Position. Der Deutsche meidet die Öffentlichkeit noch viel mehr als sein Arbeitgeber. Und auch der lässt sich kaum coram publico blicken.

Franz Wolf, Sohn von Ex-DDR-Spionagechef Markus Wolf, arbeitet im Firmenimperium des russischen Oligarchen Michail Fridman in herausgehobener Position. Der Deutsche meidet die Öffentlichkeit noch viel mehr als sein Arbeitgeber. Und auch der lässt sich kaum coram publico blicken.

Michail Fridman ist kein Freund der Öffentlichkeit und äußerst medienscheu. Selten geschieht es, dass er sich vor der Welt erklärt. Tut es der russische Finanz- und Industriemagnat doch, überrascht er schon mal mit erstaunlicher Offenheit. Dann sagt er Sätze wie: "Auch wenn es langweilig klingt: Mich interessiert eigentlich nur das Business." Oder auch: "Oligarchie ist nicht sehr gesund für die Wirtschaft und sie ist nicht gerade fair. Denn die Spielregeln sind für den Starken anders als für den Schwachen." Fridman gehört definitiv zu den Starken in Russland, die die Spielregeln bestimmen. Und er macht überhaupt kein Hehl daraus: "Welche Gesetze in meinem Koordinatensystem gut sind und welche schlecht, weiß ich auch ohne den Staat. Aber ich ziehe vor, mit dem Staat eine friedliche Koexistenz zu führen.“

Mit einem Privatvermögen von geschätzt 16,5 Milliarden Dollar führt das #link;http://www.forbes.com/profile/mikhail-fridman/; US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" Fridman in der Liste der reichsten Menschen der Welt auf Platz 41#. Tendenz seit Jahren steigend. Der Oligarch hat ein Imperium aufgebaut, das rund um den Erdball in den Bereichen Erdöl, Bank- und Immobiliengeschäfte, Vermögensverwaltung, Versicherung, Mobilfunk, Telekommunikation, Einzelhandel und Wasserversorgung tätig ist und Ende 2011 nach eigenen Angaben 65 Milliarden Dollar angelegt hatte. Das Konglomerat ist extrem verschachtelt und verästelt. Aus Unterlagen der amerikanischen Börsenaufsicht SEC geht hervor, dass sich Unternehmenssitze in Zwergenstaaten befinden, die Steueroasen oder Drehscheiben internationaler Finanzjongleure sind, darunter die Britischen Jungferninseln, Liechtenstein, Luxemburg, Gibraltar oder auch Zypern. Über dem Firmengeflecht thront eine Holding namens CTF mit Sitz in Gibraltar. Deren Direktor ist der Deutsche Franz Wolf - der Sohn von Ex-DDR-Spionagechef Markus Wolf.

Vom Vater lernen heißt, sich nicht zu zeigen

Wolf Junior lebt - wie schon sein Vater vor der Wende - für die Allgemeinheit völlig unsichtbar. Im Vergleich zu Franz Wolf ist Michail Fridman geradezu eine Plaudertasche. Zu Wolf existieren so gut wie keine öffentlich zugänglichen biografischen Daten. Er erblickte im Mai 1953 in Berlin das Licht der Welt, studierte an der Akademie für Rechts- und Staatswissenschaft in Potsdam und soll irgendwann nach Moskau gegangen sein. Das war's. Aus einem US-Dokument geht hervor, dass sein voller Name Franz Thomas Alexander Wolf ist und sein Pass mit der Nummer 25620XXXX (die Nummer ist stern.de vollständig bekannt) am 24. März 2006 vom Berzirksamt Berlin-Lichtenberg ausgestellt wurde.

Wie lange weilte er in Moskau? Unbekannt. Was macht er in der russischen Hauptstadt? Unbekannt. In einem Papier der US-Börsenaufsicht ist angegeben, dass Wolf seit 1998 Direktor der CTF Holding ist. Was hat er vorher gemacht? Unbekannt. Wie geriet er an den Oligarchen? Unbekannt. Half ihm sein Vater? Unbekannt. Wolf wollte auf Anfrage dazu inhaltlich nicht Stellung beziehen. Öffentlich publizierte Fotos von Fridmans Spitzenkraft in Gibraltar gibt es nicht. Allein der "Neue Zürcher Zeitung" gelang es, Wolf zu sprechen, nachdem vor Spanien der Öltanker "Prestige" - gechartert von einer damaligen Schweizer Alfa-Firma - gesunken war und eine Ölpest verursacht hatte. Das war im November 2002.

Selbst auf der umfangreichen Webseite des Konzerns taucht der Herr Direktor nur einmal auf - als Kontakt der Holding in Gibraltar. Ansonsten: Kein Foto, keine Angaben zu seiner Person. Das Dokument der US-Börsenaufsicht nennt Wolf als Bevollmächtigten der Liechtensteiner Crown Finance Foundation. Die Stiftung soll nach Berichten der "Süddeutschen Zeitung" und des NDR Fridman und zwei seiner Geschäftspartner der Alfa Group als direkte Begünstigte vorsehen. Zudem taucht Wolf immer wieder in SEC-Angaben zu Aktientransfers als Direktor oder "Direktor und Bevollmächtigter" diverser Unternehmen und Offshore-Firmen des Konglomerats auf. Was das konkret bedeutet und wieviel Macht der Deutsche in dem Konzern hat, ist unklar. Dazu äußern möchte er sich nicht. "Dass Fridman auf Franz Wolf kam, ist sicherlich kein Zufall", sagt Theocharis Grigoriadis, griechischer Gastprofessor am Osteuropa-Institut der FU Berlin zu stern.de. "Franz Wolf kennt das sozialistische und das kapitalistische Wirtschaftsmodell. Das passt zu Putins Kurs, der ein Mix aus beiden Systemen ist." Und Fridman ist nach eigenem Bekunden schließlich an "friedlicher Koexistenz mit dem Staat interessiert".

"Wir haben keinen Pressesprecher"

Nach Recherchen des NDR und der "Süddeutschen Zeitung", die bei bei der Auswertung des "Offshore-Leaks"-Datenpakets auf Wolfs Namen stießen, wird neben dem Berliner eine 32 Jahre alte Russin, die ebenfalls in Gibraltar gemeldet sei, als Direktorin mehrerer Offshore-Unternehmen genannt. Den Angaben zufolge bescheinigte die österreichische Raiffeisen-Zentralbank Wolf in einem Schreiben, "achtbar und vertrauenswürdig" zu sein. Der Österreicher Johann Jonach, ein früherer Top-Manager der Raiffeisenbank, war laut seines Linkedin-Profils bis Ende 2011 Vorstandschef der Alfa-Bankengruppe.

Die Raiffeisen-Zentralbank in Wien erklärte auf Anfrage von stern.de- zur Frage, welchen Grund sie hatte, dem Deutschen in Gibraltar ein positives Zeugnis auszustellen: "Im allgemeinen Geschäftsverkehr sind Referenzschreiben eine übliche Praxis. Im eigenen Interesse geht die RZB damit sehr vorsichtig um und bestätigt Kunden ausnahmslos nur selbst überprüfte Sachverhalte. Wenn daher im Zuge eines Referenzschreibens konkrete Aussagen zum Geschäft von Kunden oder zum Kunden selbst getroffen werden, können Sie sich darauf verlassen, dass diese auch zutreffen." Also ein ausdrückliches Lob für Wolf.

Einen umfangreichen Fragenkatalog zu seinem Privat- und Arbeitsleben - von "Warum machen Sie aus Ihrem Privatleben ein solches Geheimnis?" bis "Seit wann arbeiten Sie für Herrn Fridman?" – wollte das Phantom von Gibraltar nicht beantworten. Stattdessen wies sein Anwalt Till Dunckel "höchst vorsorglich" darauf hin, dass "Andeutungen und Spekulationen (unter anderem) über angebliche rechtswidrige Tätigkeiten und Geheimdienstkontakte von Franz Wolf (oder seiner Arbeitgeberin) samt und sonders frei erfunden" seien. Und was sagt eigentlich Fridmans Konzern zu der ganzen Sache? "Wir haben keinen Pressesprecher, und deshalb können wir auch keinen Kommentar abgeben."

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