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2. April 2009, 11:45 Uhr

"Die Amerikaner machen fast alles richtig"

Erste Ergebnisse des G20-Gipfels zeichnen sich ab. Doch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger bleibt skeptisch: Die wichtigsten Maßnahmen zur Lösung der Krise sei man noch nicht angegangen, sagt er im Interview mit stern.de. Europa solle sich die USA zum Vorbild nehmen.

G20, Gipfel, London, Bofinger, Sachverständigenrat

Ringen um Kompromisse: Staats- und Regierungschefs beim G20-Gipfel in London© Eric Feferberg/AFP

Herr Bofinger, was halten Sie für das wichtigste Ziel des G20-Gipfels?

Wirtschaft hat viel mit Psychologie zu tun. Deswegen ist es am wichtigsten, dass die G20 nun ein klares Signal aussenden: "Gemeinsam tun wir alles dafür, die Weltwirtschaft zu stützen." Der Gipfel muss der Weltbevölkerung wieder Vertrauen einflößen, dass man gemeinsam die Krise löst.

Was könnten dafür konkrete Maßnahmen sein?

Man sollte ausreichende konjunkturelle Impulse beschließen und sich auf gemeinsame Verfahren einigen, wie die Banken weltweit stabilisiert werden.

Der vorläufige Entwurf für die Abschlusserklärung sieht die Abschaffung des Bankgeheimnisses, mögliche Sanktionen gegen Steueroasen und die Regulierung von Hedgefonds vor.

Bankgeheimnis und Hedgefonds waren nicht der Hauptverursacher der Krise. Eine zentrale Rolle dagegen haben die privaten Rating-Agenturen gespielt. Die sind in der Regel zu optimistisch in ihren Bewertungen, weil sie dafür keinerlei Haftung übernehmen müssen. Man sollte überlegen, ob man nicht eine öffentliche europäische Rating-Agentur installiert, als Konkurrent zu den privaten. Wichtig wäre es auch, den anarchischen Zustand des Währungssystems zu beenden. Wir müssen die Währungen weltweit wieder besser überwachen.

Die USA haben von den Europäern mehr Konjunkturprogramme gefordert, aber Deutschland und Frankreich lehnen das strikt ab.

Die Amerikaner haben absolut recht. Deutschlands Konjunkturprogramme reichen zwar vorerst aus, aber die von Europa insgesamt sind unzureichend.

Was erwarten Sie von den USA als wichtigste Industrienation?

Die Amerikaner machen weitgehend alles richtig. Vor allem Deutschland sollte über die sehr expansive US-Finanzpolitik froh und dankbar sein, denn die Krise der Weltwirtschaft trifft uns wegen der Exportabhängigkeit stärker als andere.

Angela Merkel hat erklärt, dieser G20-Gipfel müsse die Welt verändern. Glauben Sie, dass man das schafft?

Ich bin da skeptisch. Ich hoffe sehr, dass die G20 ein klares, starkes Signal an die Welt aussenden. Ansonsten wird man den Gipfel im nachhinein als eine verpasste historische Chance betrachten.

Interview: Sönke Wiese

Zur Person

Zur Person Peter Bofinger ist Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage und damit einer der fünf Wirtschaftsweisen. Er ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg.

 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
dreicon (03.04.2009, 11:32 Uhr)
Vertrauen - zu was?
Zitat: "Der Gipfel muss der Weltbevölkerung wieder Vertrauen einflößen, dass man gemeinsam die Krise löst." Eingeflößt wird der Weltbevölkerung wohl genug Unfug. Solange niemand wirklich daran geht, Ursachen und Uhrheber dieser Krise benennt, korrigiert und zur Rechenschaft zieht, müssen solche "Bemühungen" als das benannt werden, was sie sind: Hinhaltetaktik, Vernebelung und Verdummung der Weltbevölkerung. Der selbst von der kapitalabhängigen Journallie nicht mehr verschweigbare Anstieg des Unmutes der Menschen wird doch über kurz oder lang den einzig möglichen Weg des Volkszornes bahnen, er wird die ihn drangsalierenden "Eliten" gewaltsam hinwegfegen
gmathol (02.04.2009, 22:07 Uhr)
Herr Bofinger sagt Banken...
...meint aber die Hedgefunds. Klar diese Betrugs-Gebilde freuen sich wenn ihnen Geld in den Rachen geschaufelt wird um die Blase aufrechtzuerhalten.
Man braucht sich nur die Produkte dieser Hedger anzuschauen: CDS (Credit Default Swap) und CDO (Collateral Debt Option) - schon die Definition dazu wuerde man eher in Las Vegas erwarten.
Psychologie? Welche positiven Gedanken zu diesem System kann man in den Koepfen von 10 Millionen Arbeitslosen finden?
Aquarius2 (02.04.2009, 20:22 Uhr)
In wessen Auftrag
verteidigt der "Wirtschaftsweise" das Bankgeheimnis?
Die G20-Beschlüsse sehen ja nicht vor, dass täglich Kontostände, Zu- und Abgänge mit Adresse und Tel.-Nr. in der Bildzeitung veröffentlicht werden sollen.
Aber die Steuerfahnder und Staatsanwälte sollten schon mal nachsehen können, was bei den großen "Steuersparern" (-Betrügern)tatsächlich auf den Konten los ist.
Da wird man schon auf bisher nicht zugängliche Quellen stoßen, die zur Refinanzierung der gigantischen staatlichen Schuldenberge angezapft werden können.
Wiebitte20081 (02.04.2009, 17:31 Uhr)
???
Denen bleibt auch nicht viel anderes übrig weil bei denen schon ein Teil v. Mittelstand die gestern noch mit dem Bigfoot GMC zum Job gekrochen sind jetzt unter Plastikplanen haust.Die Verursacher aber streiten sich jetzt ob sie sich mit 50 Mio oder nur 25 Mio,s ,,Prämie" zufrieden geben sollen.
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