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24. September 2009, 12:00 Uhr

Deutsche sagen der Gier den Kampf an

Klare Worte vor dem Abflug: Das deutsche Duo Merkel/Steinbrück will beim G20-Gipfel dafür kämpfen, dass der Finanzmarkt an die Kandarre genommen wird.

Merkel, Steinbrück, G20, Pittsburgh, Gipfel

Ein warmer Empfang sieht anders aus: Pittsburgh vor dem G20-Gipfel© Eric Thayer/Reuters

Mit klaren Vorstellungen und noch klareren Worten fährt die deutsche Delegation zum Weltfinanzgipfel der G20 nach Pittsburgh. Sowohl Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) als auch Kanzlerin Angela Merkel verdeutlichten vor dem Abflug in die USA, dass Deutschland Banker und Finanzmärkte an die Kandarre nehmen will. Der Konflikt insbesondere mit den Briten ist damit für Pittsburgh programmiert.

"Wir brauchen Regeln - und zwar für jedes Produkt, für jeden Platz, an dem gehandelt wird und für jedes Institut", hatte die CDU-Politikerin in einem Interview des Bayerischen Rundfunks gesagt. Keine Bank dürfe so groß sein, "dass sie wieder Staaten erpressen darf". Sie wolle daran arbeiten, dass dies in Pittsburgh festgelegt werde. Vor der Bundespressekonferenz in Berlin legte sie am Donnerstagvormittag nach. Die Welt müsse die Lehren aus der Finanzkrise ziehen. Es bestehe jederzeit die Gefahr, dass der Elan zu Reformen wieder nachlasse, so Merkel. "Das darf nicht passieren." Pittsburgh sei eine "entscheidende Wegmarke".

Mehr Eigenkapital, weniger Boni

Im Mittelpunkt des dritten G20-Gipfels der Staats- und Regierungschefs innerhalb eines Jahres werden strengere Eigenkapitalregeln für Großbanken und die Begrenzung von Bonuszahlungen stehen. Merkel und ihr Finanzminister wollen sich zudem für eine Besteuerung von Börsengeschäften einsetzen, was allerdings nicht auf der Tagesordnung steht. Mit ihren Forderungen dürfte die deutsche Delegation ohnehin auf Widerstand treffen. Die Briten beispielsweise, bei denen Banken und Börse einen wesentlich höheren Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt leisten als in Deutschland, fürchten um die Attraktivität des Finanzplatzes London und sind daher gegen Restriktionen und eher für unverbindliche Regeln.

Folglich hat Steinbrück vor allem die Banker an der Themse, aber auch die in New York im Visier. Es gebe bereits wieder Gegenbewegungen gegen verschärfte Regeln an der Wall Street und in der Londoner City, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag vor dem Abflug nach Pittsburgh. Die Regulierung der Märkte sei aber Sache der Politik. Für außergewöhnliche Anlässe greift dann auch Steinbrück einmal auf den politischen Gegner zurück. Selbst, wenn der aus der CSU kommt: "Franz Josef Strauß hat einmal gesagt: Man darf einem Hund nicht den Wurstvorrat zur Bewachung überlassen." Zuvor hatte Steinbrück die Briten im Interview mit dem stern scharf kritisiert. Die Lobby in London verhindere schärfere Regeln, wetterte der Minister. Aus der City kam prompt Protest und Unverständnis.

Deutsche Manager für Begrenzung von Boni

Bei der Bezahlung von Bankern und anderen Managern kommt sogar von den Betroffenen selbst Zustimmung für die Bundesregierung. In einer Umfrage der Personalberatung Lachner Aden Beyer unter 315 deutschen Führungskräften forderten 71 Prozent eine gesetzliche Begrenzung von Bonuszahlungen, die kurzfristigen Unternehmenserfolg fördern. 40 Prozent sind gar für einen deutschen Alleingang, sollte eine Einigung auf dem G20-Gipfel scheitern. Bundesbankpräsident Axel Weber erwartet schon vom Gipfel in Pittsburgh "deutliche Änderungen". Auch er ist dafür, "die richtigen Anreize zu setzen, was die Vergütungssysteme betrifft. Kurzfristiger Unternehmenserfolg sollte nicht mehr im Mittelpunkt stehen". All dies sei für Pittsburgh auf den Weg gebracht worden, sagte Weber, der guten Mutes ist: Er gehe davon aus, dass die Eckpunkte verabschiedet werden.

Die G20 wollen zudem einen Fahrplan für einen Abschluss der stockenden Gespräche über eine Liberalisierung des Welthandels im kommenden Jahr festlegen und die Steueroasen weiter unter Druck setzen. Erstmals steht auch der Klimaschutz auf der Tagesordnung eines G20-Gipfels. Merkel warnte allerdings vor Ablenkungsmanövern, was die Themenwahl angeht: Es dürften nicht Ersatzthemen gesucht werden, um vom zentralen Feld der Finanzmarkt-Stabilisierung abzulenken.

ben/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
n8g8 (24.09.2009, 19:15 Uhr)
Willige Party- und Kredit-Sponsoren für Bankster
Was ist das nun wieder für ein Wahlk(r)ampf? Ausgerechnet DIE ZWEI als Zügler der Finanzjongleure??? Das ich nicht lache!!! Naja, wenigstens sind beide inzwischen so "ehrlich", dass sie nicht so radikale Verbesserungsmaßnahmen wie ein Totalverbot der Luftblasen-Anlagen und eine satte Besteuerung von Aktienverkäufen fordern. Das war nämlich noch so, als es vor ein paar Monaten um das Bankster-Rettungspaket ging. Inzwischen sind einige Bankster-Partys im Bundeskanzleramt gestiegen, das Steuerzahlergeld auf Pump (gepumpt übrigens eben bei diesen Bankstern!!!) verteilt und anscheinend auch neue Pöstchen bei den Bankstern für beider Post-Amt-Aera. So etwas nennt man wohl in einschlägigen Kreisen einen ?gesunden? Finanzkreislauf.
Jetzt schmeißt man dem geschundenen und durch die Finanzjonglage und ihren politischen Verdeckern vor dem RUIN stehenden Wahlvolk noch ein paar populistische Brotkrumen als Boni hin - die dann vermutlich in gediegenem Ambiente in Pittsburgh verspeist werden. Natürlich NACH Sonntag. Dann ist wieder der berühmte bornierte ?Kuchen? für das Volk angesagt, was?!? Inzwischen sind die politischen Verhältnisse schon so absurd, dass es beinahe fast wieder zum Lachen ist? Ich lache am Sonntag und zwar kräftig!
hardius (24.09.2009, 14:56 Uhr)
Wie denn?
Das Merkel wird verständisvolle Kritik ernten. Ist sie doch im Wahlkampf. Längst tun die Regierungen nur noch reagieren statt zu agieren. Diese Witschaftskrise ist doch nicht von Gott vorgegeben. Nein sie wurde von den verantwortlichen Bankern verschleppt und willkürlich terminiert.
Bedauerlich, daß Regierungen keine Übersicht über Geldhandel besitzen (wollen) und nicht bereits im Vorfeld eingreifen.
Die Macht entgleitet den Demokratien und wird immer mehr von anderen ausgeübt!
Johann58 (24.09.2009, 14:46 Uhr)
Deutscher Alleingang
was soll das? 'am Deutschen Wesen soll die Welt genesen' oder wie ist das zu verstehen? Alleine die Idee von einem Alleingang ist so was von absurd.Schon die Besitzverhaeltnisse der Banken verhindern einen Alleingang und wenn Deutschland als Finanzstandort ueberhaupt eine Rolle spielen soll, dann mit Sicherheit nicht auf diese Art und Weise. Enteignen ist dann der naechste Schritt und unsere FDJ Kanzlerin hat ja Erfahrung mit Staatsbetrieben.
setus (24.09.2009, 14:01 Uhr)
Deutsche sagen der Gier den Kampf an
Zitat: "Deutsche sagen der Gier den Kampf an "

Ist man da sicher, dass es "Deutsche" sind ?
Das wäre ja was ganz Neues. Deutsche kommen heraus aus ihrem Duckmäuserdasein ? Deutsche haben eine abweichende Meinung von der grossen Hammelherde ?
Ist es da sicher, dass es sich in dem Bericht tatsächlich um Landskeute handelt ?

Habe grosse Zweifel

setus (Deutscher)
Sternchen2020 (24.09.2009, 13:47 Uhr)
Ach... das Duo...!
Es wäre besser, beide würden von der politischen Bühne verschwinden. Mangels Alternativen wird es nicht geschehen...soweit sind wir in der BRD schon, dass wir keine Wahl mehr haben
leboz (24.09.2009, 12:49 Uhr)
Jajaja
"Finanzmarkt braucht Kontrolle". Daran glauben die Politiker doch selbst nicht - es wird weiter gezockt und die Bürger bezahlen es. Wenn die Wahl vorbei ist kommen die Steuer- und Abgabenhämmer raus. Die Banken brauchen Geld für ihre Spielbanken.
Corazito3333 (24.09.2009, 12:37 Uhr)
Jahrhunderkrise - Jahrhundertreform
man redet schön - es wird weitergezockt bis alles zusammenbricht und dann.... die "Reichen" die "Grundbesitzer" - die bleiben reich.... ..... die Gier wird siegen!!!
rynaldo (24.09.2009, 12:15 Uhr)
...Weltregierung
Ich glaube Pater Browns Vorschlag einer G20 "Weltregierung" ist reine Strategie, nach dem Motto: Um vom eigentlichen Problem abzulenken, nämlich dass England von diesem "Casino" überduchschnittlich profitiert,, stelle ich einfach ein sowieso unerfüllbares Giga-Konzept vor.
facilidad_de_ser (24.09.2009, 11:53 Uhr)
Das ist kein Witz !
Ihr müsst Euch mal langsam darüber klar werden, aus welchem Grund dieser Gipfel überhaupt existent ist.

Der Spiegel hatte vorgestern Grossbritaniens Premier Brown zitiert, der fordert, das Gremium der G-20-Staaten zu einer "Weltregierung" umzuformen. Das ist kein Witz und darauf wird es wohl hinaus laufen.

spiegel.de/politik/ausland/0,1518,650429,00.html

tarpan8 (24.09.2009, 11:48 Uhr)
Jahrhundertkrise
Irgendwo habe ich den schönen Satz gelesen, "Auf eine Jahrhundertkrise muss
eine Jahrhundertreform folgen."
Leider fehlt mir der Glaube daran
das wirklich etwas entscheidenes passiert.
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