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1. April 2009, 15:30 Uhr

Randalierer stürmen Bank

"Stürmt die Bank" und "Schande über Euch" - die Wut der Straße auf die Banker hat sich im Vorfeld des Weltfinanzgipfels in London entladen: G20-Gegner belagerten die Bank von England und drangen schließlich in ein Gebäude der Royal Bank of Scotland ein. Die Polizei setzte Schlagstöcke gegen die Randalierer ein.

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G20-Protest in London: Demonstranten versuchen die Bank of England zu stürmen, die Polizei stemmt sich gegen die Masse© Chris Radburn/AP

Bei den Protesten gegen den G20-Gipfel ist es am Mittwoch in London zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Tausende Gipfel-Kritiker zogen durch die City der britischen Hauptstadt. Einige versuchten, die Zentralbank, die Bank von England, zu stürmen. Der Polizei gelang es nur mit Mühe und dem Einsatz von Schlagstöcken, das Gebäude abzuschirmen. Später drangen Vermummte in ein nahe gelegenes Gebäude der Royal Bank of Scotland ein. Sie zerschlugen erst Fenster und bahnten sich dann ihren Weg in die Bank. Drucker und andere Gegenstände flogen aus dem Fenster. Sie schmierten das Wort "Thieves" ("Diebe") an eine Wand und bewarfen Polizisten mit Eiern und Obst. Scotland Yard schickte nach den Ausschreitungen die Bereitschaftspolizei in die Londoner City.

Ein Sprecher der Bank erklärte, in dem Gebäude sei kein Mitarbeiter gewesen. Das Gebäude sei vorsichtshalber geschlossen worden. Die Royal Bank of Scotland steht im Zentrum der Finanzkrise, nachdem sie im vergangenen Jahr einen Rekordverlust in der britischen Firmengeschichte verbucht hatte und der damalige Chef dennoch eine riesige Pension erhielt.

Rund 4000 Gegner des Weltfinanzgipfels protestieren seit dem Vormittag gegen Kapitalismus, Kriege und Umweltzerstörung. Mit Sprüchen wie "Bestraft die Plünderer" und "Wir brauchen sauberen Kapitalismus" zogen die Gipfel-Kritiker geleitet von zahlreichen Polizisten durch das Bankenviertel. Die Londoner City glich einer Festung: An U-Bahnstationen trafen die Demonstranten auf außerordentliche Polizeipräsenz, zahlreiche Straßen und Eingänge zu Bahnhöfen wurden gesperrt. Ziel der Märsche war die Notenbank. "Stürmt die Bank" und "Schande über Euch", skandierten sie lautstark.

Der Sender BBC berichtete, dass elf Demonstranten festgenommen wurden. Die Protestierenden machten sowohl ihrem Unmut über das Finanzsystem als auch über Jobverluste Luft. Einer rief, alle Banker seien "Diebe" und sollten ins Gefängnis geworfen werden. Die Anarchisten-Gruppe "G20 Meltdown" plant auch einen "Karneval" vor der Bank von England. Auch vor der US-Botschaft soll es eine Demonstration geben.

Die Polizei ist mit 5000 Beamten im Einsatz und befürchtet, dass Anarchisten friedliche Proteste stören könnten. Banken und Geschäfte wurden bereits an den Vortagen verbarrikadiert. Jeremy Batstone-Carr vom Börsenmakler Charles Stanley in der City sagte, er sei "auf das schlimmste vorbereitet". Viele Mitarbeiter im Bankenviertel kamen am Mittwoch ohne Anzug und Krawatte, sondern in unauffälliger Kleidung zur Arbeit. Andere gingen aus Angst vor Übergriffen erst gar nicht ins Büro. Am Donnerstag, dem eigentlichen Gipfeltag, sind mehrere Demonstrationen um den Tagungsort in den Londoner Docklands geplant.

Gewalt auch in Straßburg

Drei Tage vor Beginn des Nato-Gipfels hat es auch in Straßburg erste Zusammenstöße zwischen Gipfel-Gegnern und Polizisten gegeben. Nach Angaben der Polizei im Elsass kam es in der Nacht zum Mittwoch zu Auseinandersetzungen, als rund 150 Nato-Gegner in der Nähe ihres Protestcamps im Süden der Stadt im Elsass gegen Polizeikontrollen protestierten. Sie hätten dabei Steine auf Hubschrauber und Fahrzeuge der Einsatzkräfte geworfen, sagte ein Polizeisprecher. An die hundert von ihnen seien "vermummt und aggressiv" gewesen. Verletzte habe es nicht gegeben. Nach Angaben der Organisatoren des Lagers setzte die Polizei Tränengas und "Schockgranaten" ein.

Die im Protestlager versammelten Nato-Gegner werfen den französischen Behörden zahlreiche Einschüchterungsversuche vor. Nach ihren Angaben wurde das Lager mehrfach nachts von Hubschraubern mit starken Scheinwerfern überflogen. Entgegen den Zusagen der Präfektur seien auch Polizisten mit ihren Autos in das Camp gefahren, sagte ein Sprecher.

Kontrollen an deutschen Grenzen verschärft

Nach Auskunft von Sprechern der Bundespolizei in Weil am Rhein und Offenburg wurden an den deutschen Grenzen bisher keine mutmaßlich gewaltbereiten Nato-Gegner identifiziert. Die Kontrollen würden von nun an deutlich verstärkt, sagte ein Sprecher.

Gegen den Gipfel, der am Freitag und Samstag in Baden-Baden, Kehl und Straßburg stattfindet, haben rund 600 Gruppen aus 33 Ländern zu Demonstrationen und anderen Protestaktionen an allen drei Tagungsorten aufgerufen. Die Polizei rechnet mit bis zu 20.000 Demonstranten. Auf deutscher Seite sind rund 15.000 Polizisten und 600 Bundeswehrsoldaten mobilisiert, auf französischer Seite mindestens 10.000 Polizisten und Gendarme.

Zu dem Gipfel werden Staats- und Regierungschefs aus 28 Ländern erwartet, unter ihnen US-Präsident Barack Obama. Gastgeber sind Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatschef Nicolas Sarkozy.

joe/DPA/AP/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 46)
 
simple (04.04.2009, 09:54 Uhr)
polizei verursacht chaos
Hallo, Ich bin ein deutscher und feier dieses Jahr mein 20stes jahr in London.
Ich ware an der G 20 DEMO und habe photographiert!
Bin nach der Liverpool Street gefahren, dann mitgelaufen mit den protestern, 11am, dann kurz vor dem platz der bank haben die englische polizei die demonstrierer geblockt, 12am, auf den platz zu gehen.Viele waren schon auf dem platz vor der bank. Ich bin an der seite vorbei und auf den platz gekommen. von 12 bis 3 habe ich KEINE gewalt auf dem kleinen platz vor der bank gesehen, aber viele leute wollten schon gegen 1pm wieder weg und haben es 4 bis 5 verschiedenen strassen versucht, doch die polizei hat alle strassen blockiert und die leute nicht vom platz rausgelassen. Angeblich eine regulierung von der Polizei/Scotland Yard hier in england, viele Leute haben sich hingesessen und gewarted, viele haben sich angestellt um rauszukommen, viele maenner haben die tueren von der bank Nat West als toilette benuzt, weil sie so lange warten mussten. Dann haben die polizei eine strasse aufgemacht, und alle sind dann in diese richtung losgelaufen. nach 700 meter wurde die Strasse ploetzlich wieder blockiert. Dann sind die leute wuetend geworden, das sie nich rauskonnten ( im english: we have been penned - wie Tiere im Stall). Ich habe aber geschafft da gerade rauszukommen und habe es dann von aussen verfolgt, auch den Polizei Wagen, den sie geschuettelt haben. Die Leute wollten raus, konnten aber nich, alle riefen push, push, doch die meisten haben sich gut benommen. ich habe keine schwere gewalt gesehen, bin dann aber so um 4 nach hause gefahren. Die Englische polizei hat darum viel chaos gemacht !!!
n8g8 (04.04.2009, 05:25 Uhr)
@Juris1: Grundgesetz am Stammtisch ist ein Fortschritt!!!
Werter Kollege, es ehrt Sie ja in gewisser Hinsicht, dass Sie die Gewerkschaften so vehement verteidigen, aber leider klammern Sie bei Ihrer "kritischen Denke" den Status Quo der letzen 20 Jahre aus: Systematische Wahlkampfhilfe für die Arbeitnehmer-Killer-Partei SPD. Und der Grund? Ganz einfach: Die Gewerkschaftsbosse sind von ihrem Verdienst her und auch ihrem restlichen Habitus "auf Augenhöhe" mit der Managerkaste. Da haben schon mehr deshalb ne Systemkrise bekommen!!!
Und angesichts dessen plädieren Sie weiter für 100 Jahre Gewerkschaftsarbeit, die diese Herrschaften willfähirg mit den anderen selbsternannten Eliten in den letzten 15 Jahren mal so locker in die Mülltonne getreten haben?!?!!!
Btw., Sie beziehen sich auf einen anderen Kommentar von mir, sind also auch formell absolut OFF TOPIC...
Dennoch: Solidarische Grüße!!! Vielleicht fällt ja auch bei Ihnen der (letzte) Groschen/Cent.-
Juris1 (02.04.2009, 12:41 Uhr)
@ n8g8 "Kritische Denke"
Ekelhaft ist einzig und allein Ihre Welt der Realität.
Wo wären wir denn ohne Gewerkschaften? - Arbeitnehmer würden noch mehr abgezockt. Sicherlich ist nicht alles Gold bei den Gewerkschaften. Aber dämliche Stammtischparolen helfen hier nicht weiter.
kralli19 (01.04.2009, 23:36 Uhr)
Seht sie doch an....
Seht sie doch an...die Hilfspakete und Rettungsschirme werden gerade an der Börse und in den Chefetagen verteilt...und da wundert sich wirklich jemand über diese Proteste ?
@ gaga
Ich bin sicher, ihnen wird das lachen noch vergehen....
Liberté, Egalité, Fraternité....
Aquarius2 (01.04.2009, 22:05 Uhr)
Gewalt oder Notwehr ?
Gewalt ist zumeist ungeeignet, Probleme zu lösen.
Wenn jedoch einige Hasardeure durch Wetten und Spekulationen die Existenzgrundlage für Millionen Menschen gefährden, dann muss mit Notwehr gerechnet werden.
Wer hat denn die Verursacher (und Gewinnler) der aktuellen Weltwirtschaftskrise bisher zur Verantwortung gezogen? Die Herrschaften dürfen ungehindert weitermachen!
Wir wissen es doch: Unser Geld ist nicht weg - es ist nur woanders ..
n8g8 (01.04.2009, 21:48 Uhr)
Gewalt ist reine Defintionssache
In Artikel 20 Grundgesetz steht:
"(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist."
In Anbetracht von § 20 Grundgesetz Absatz 4 kann Gewalt heute beispielsweise definiert werden als Existenzvernichtung oder Awacs-Überwachung.
Gewalt kann (und darf nach unserer Rechtsordnung) aber andererseits auch derjenige ausüben, der sein Notwehrrecht geltend macht und sich mit den mildesten Mitteln (!!!) gegen Repression und Ausbeutung wehrt:
Kapitalismus erfüllt die erste Variante, die zweite allerdings bedauerlicherweise NICHT.-
Anders dagegen die Demonstranten: Sie bleiben trotz all der Unterdrückung doch massenhaft friedlich und erfahren dennoch keine ehrliche Berichterstattung, etwa bei den Zahlenangaben zu den Teilnehmern (im TV sind ca. 10.000 Demonstranten allein vor der Zentralbank zu sehen gewesen und dennoch aus der Berichterstattung "herausgehext" - WIE IMMER BEI DEMOS!!!).
SEHR SCHADE!!! Eventuell sollte sich die Berichterstattung sich endlich einmal nicht mehr bei Leni Riefenstahl orientieren.-
Ich erkläre mich voll solidarisch mit allen Demonstranten und hoffe, dass DIESE Woche als eine Woche des Protestes in die Geschichte eingeht.
Systemkritisch? Systemkritisch!!!
Falls die Woche nicht solche Folgen hat, wie ich mir persönlich erhoffe, wähle ich trotz Forsa-Umfragen im September die Linke, um die soziale Marktwirtschaft in Deutschland zu re-etablieren!!!
Bei einem effizienten Protest, habe ich gute Lust, mich schon vorher rechtzeitig anzuschließen. Sollte es so laufen, womit ich rechne, nehme ich sogar rechtzeitig Urlaub. :-)
Hoch die internationale Solidarität!!!
chatahootchee (01.04.2009, 21:28 Uhr)
WAS SOLL DAS THEATER?
Seht Euch doch mal die Photos an: 3-4 vermummte Randalierer und 40 Pressefritzen.
Motzerator (01.04.2009, 20:01 Uhr)
Warm anziehen...
...dürfen sich diese Verbrecherischen Zocker in den Banken. Sollte die Wirtschaftskrise noch schlimmer werden, war das sicher erst der Anfang.
horst.pachulke (01.04.2009, 19:27 Uhr)
@ gaga:
Sie haben es voll erfasst. Nur eine "Unbekannte" fehlt Ihnen noch in Ihrer Gleichung: Gewalt ist in ihren Auswirkungen verdammt teuer. Wenn man zu lange blöde Sprüche reißt, kann es passieren, dass man das Auftreten von Gewalt mit dem Leben bezahlt. Sie können ja mal nachsehen, ob Sie einen Hänlder finden, der es im Regal hat.
.
Ich glaube, Sie werden nicht fündig.
.
Ich hoffe, dass "das Kapital" sich rechtzeitig von seinem Ausflug in die Überheblichkeit einfängt - bevor unbescholtene Bürger ihr Leben riskieren müssen, um das Leben von Verbrechern mit großer Klappe oder Anzug und Krawatte zu sichern. Ich fände es ärgerlich, wenn es soweit käme, dass diese Herrschaften mir und meinesgleichen dankbar sein müssten. Sehr sogar.
gaga007 (01.04.2009, 19:09 Uhr)
Malt (1.4.2009, 17:59 Uhr) ...
... "jetzt würde mich aber doch interessieren, was a) ein "Argument" wäre, auf das das Kapital Ihrer Meinung nach hören würde und b) welche Seite der Gesellschaft denn Ihrer Meinung nach die "richtige" ist?" Ganz einfach - es zählen nur die Zahlen einer betriebswirtschaftlichen Bilanz - das sind die Argumente des Kapitals ! Die richtige Seite der Gesellschaft ist die Seite, die das Kapital und die Macht hat ! Das Leben kann so einfach und so schön sein :-))
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