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10. Juli 2009, 14:57 Uhr

20 Milliarden Dollar für Bauern in armen Ländern

Die führenden Industriestaaten ändern ihre Entwicklungshilfe-Strategie: Künftig soll vor allem auf nachhaltigere Hilfe zur Selbsthilfe gesetzt werden, statt direkt Lebensmittel zu liefern. Die G8-Staaten wollen dafür 20 Milliarden Dollar in den kommenden drei Jahren bereitstellen - immer noch zu wenig, wie Hilfsorganisationen bemängeln.

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Schwenk bei der Entwicklungshilfe: Kanzlerin Merkel und die anderen G8-Staatschefs wollen Bauern in den ärmsten Ländern der Welt mit 20 Milliarden Dollar unter die Arme greifen© Michel Euler/DDP

Mit Finanzhilfen für Bauern in Höhe von 20 Milliarden Dollar wollen die führenden Industrie- und Schwellenländer der Landwirtschaft in den ärmsten Ländern der Welt unter die Arme greifen. Dieses Paket schnürten die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) sowie weiterer Staaten am Freitag zum Abschluss des G8-Gipfels im italienischen L'Aquila.

Sie leiteten damit einen Strategienwechsel im Kampf gegen den dramatisch wachsenden Hunger auf der Welt ein. Statt Nahrungsmittel in Hungergebiete vor allem in Afrika zu liefern und so lokale Märkte kaputt zu machen, soll die einheimische Landwirtschaft wieder in Schwung gebracht und wettbewerbsfähig gemacht werden. Allerdings handelt es sich bei den 20 Milliarden Dollar (14,38 Milliarden Euro) nur zum Teil um "frisches Geld".

"Es gibt keinen Grund, warum Afrika sich nicht selbst mit Nahrungsmitteln versorgen kann", sagte US-Präsident Barack Obama, der die Initiative maßgeblich mit angeschoben hatte. Zunächst war lediglich von 15 Milliarden Dollar Finanzhilfen die Rede gewesen.

Die ärmsten Länder, insbesondere in Afrika, leiden massiv unter der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Laut Welternährungsorganisation überschreitet die Zahl der Hungernden aufgrund der Krise in diesem Jahr erstmals die Milliarden-Schwelle.

Die Finanzhilfen sollen innerhalb von drei Jahren fließen. Das Geld kommt vor allem von den USA, Japan und der EU. Obama betonte in der Gipfel-Runde nach Angaben des Weißen Hauses aber auch die Mitverantwortung Afrikas für die Probleme auf dem Kontinent. So habe er auch auf die weit verbreitete Korruption und den Mangel an effizienter Verwaltung verwiesen.

Geld reicht nicht

Südafrikas Präsident Jacob Zuma sprach von einem ersten wichtigen Schritt. Das Geld reiche aber noch nicht aus. Der Chef des Agrar-Entwicklungsfonds IFAD, Kanayo F. Nwanze, betonte, die Betroffenen in den armen Ländern warteten nur auf die Einhaltung der Zusagen. Staffan de Mistura vom Welternährungsprogramm (WFP) forderte, die 20 Milliarden Dollar müssten unbedingt "frisches Geld" sein.

Hilfsorganisationen nannten den Beschluss überfällig. Zugleich warfen sie den G8 vor, Entwicklungshilfe-Zusagen nicht einzuhalten. Der Chef der Organisation "Global Call for Action Against Poverty" (GCAP), Kumi Naidoo, sprach sogar von unterschwelligem Rassismus einiger G8-Staaten, weil die Notleidenden vor allem Schwarze seien. Für die Rettung von Banken gebe es Geld, aber nicht für die Armen. Zusagen sollen eingehalten werden In dem Gipfel-Dokument bekennen sich die G8 und andere Länder dazu, gemachte Zusagen an die armen Länder einzuhalten und die Entwicklungshilfe-Zahlungen wie angekündigt zu erhöhen. Die Tendenz, die Zahlungen zurückzufahren, müsse umgekehrt werden, heißt es.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Industrieländer wollten trotz Wirtschaftskrise die Entwicklungshilfe nicht kürzen. Die G8 stünden zu ihren Verpflichtungen. Großbritanniens Premier Gordon Brown sagte, Hilfe für Afrika sei ein "strategisches Interesse für uns und andere Länder auf der Welt". Italien hatte seine Zahlungen allerdings zuletzt deutlich gekürzt.

Beim G8-Gipfel 2005 im schottischen Gleneagles hatten die G8-Staaten versprochen, die Entwicklungshilfe allein für Afrika bis 2010 um 25 Milliarden Dollar im Jahr zu erhöhen. Bis zum Jahr 2015 wollen sie 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungshilfe zur Verfügung stellen. Dieses Ziel hatten die G8-Staats und Regierungschefs schon am Mittwoch zum Auftakt des dreitägigen Gipfels noch einmal bekräftigt. Am Freitag berieten sie mit ihren Kollegen aus wichtigen afrikanischen Staaten, darunter auch Libyen, das derzeit den Vorsitz der Afrikanischen Union innehat.

Nach Angaben von entwicklungspolitischen Organisationen sind die G8-Staaten allerdings dabei, ihre Entwicklungshilfe-Zusagen klar zu brechen. Nach Daten der Organisation ONE wurden die Zusagen bislang nur zu einem Drittel erfüllt.

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
jetrabbit (11.07.2009, 03:47 Uhr)
warum wird nicht berichtet
wer die lebensmittel und das saatgut liefert. darum dreht sich doch der ganze schwindel. monsanto und co. können mittlerweile alles auf knopfdruck ausschalten. nicht umsonst wurden zig milliarden in gen saat investiert. jeder grössere bauer in asien und afrika hat die gentec multis zu spüren bekommen. warum wird der artikel nicht aus sicht der bauern dargestellt, warum wohl...gähn.
gmathol (10.07.2009, 23:29 Uhr)
Die meinen 20 Milliarden fuer Waffenlieferungen oder Bombardierungen.
1 Milliarde Menschen werden in den naechsten 2 Jahren verhungern! Die Antwort der G8 erschoepft sich in wilden Drohungen gegen den Iran und Ausweitung der Kriegsaktivitaeten in Afghanistan.
jetrabbit (10.07.2009, 20:01 Uhr)
frodo
hat den ring nicht mehr.
jsmooth (10.07.2009, 17:41 Uhr)
Chaos ist erwünscht
denn sonst hätten "wir", also unsere Eliten, keine Macht über diesen Kontinent, der sehr reich an Rohstoffen ist.
Und mal angenommen es werden wirklich 20 Mrd. gezahlt, die versinken entweder, wie andere schon geschrieben haben, in der Korruption oder die Bau- und andere Aufträge werden an westliche Unternehmen gegeben, so dass das Geld doch bei uns bleibt.
Was viele auch nicht wissen: Die damalige Grenzziehung durch die Kolionalmächte trägt viel zu den Unruhen bei, da bspw. viele verfeindete Stämme gezwungen sind, unter den gleichen Bedingungen zu leben. Das gibt eine Menge Spannungen.
Dazu natürlich noch unsere Missionare, von denen die ganze dortige Kultur zerstört wird.
Wie soll sich dieser Kontinent dann beruhigen? Durch unsere sogenannte Hilfe sicherlich nicht.
AttaTroll (10.07.2009, 16:26 Uhr)
Dilemma Afrika
Grundsätzlich finde ich es richtig, wenn die EU bzw. Deutschland den hungernden Menschen in Afrika hilft. Allerdings sollte man sich - nach bereits zig gezahlten Millarden einmal fragen, was dort schief läuft, und warum die afrikanischen Länder einfach nicht auf die Beine kommen.
Sicher, der Kontinent ist von diversen Kolonialmächten unterdrückt und gnadenlos ausgeplündert worden. Das ist schlimm und darf nicht beschönigt werden. Aber: das passierte mit den meisten asiatischen Länder auch, und diese Länder haben inzwischen größtenteils Anschluß an Wohlstand gefunden und sind auf gutem Wege.
- wenn überhaupt nur abwärts zu bewegen; selbst der bisherige Vorzeigestaat Südafrika ist spätestens seit Zumas Machtübernahme wiedereher unsicherer als stabiler geworden.
abei haben viele afrikanische Staaten Staaten begehrte Rohstoffe (Erdöl, Gold, Diamanten etc. etc.), die sich jedoch großteils unter der Kontrolle von zwielichtigen Diktatoren und Despoten befinden, die sich selbst bereichern.
Wie oft wurde schon in den Medien von Hilfslieferungen berichtet, die von korrupten Erfüllungsgehilfen der dortigen Machthaber beschlagnahmt wurden. - Nein, nur mit Geld überweisen ist es nicht getan; Das man jetzt mehr Hilfe zur Selbsthilfe leisten will ist ein guter Anfang. Aber die EU muß auch alle ihre verfügbaren Mittel einsetzen, um die Korruption in Afrika zu bekämpfen und den Einfluß geltend machen, um barbarische Kriege und Genozide zu beenden. Hier haben bisher alle Länder versagt - nicht nur die in der EU.
SoistdasLeben (10.07.2009, 16:10 Uhr)
Hilfe zur Selbsthilfe
Die mit Abstand beste Hilfe, die ich je gesehen habe wurde von einem Fruchtimporteur gemacht. Dort wurde den Menschen eine Perspektive gegeben, Gesundheits- und know how Schulungen eingeführt, die Eigenversorgung untersützt und das Land nachhaltig nutzbar gemacht. Die Projekte von www.biotropic.com haben für mich Beispielcharakter. Absolut sehenswert das Projekt an der Elfenbeinküste. Arbeit mit ehrlichen lokalen Menschen und mit gesundem Maß an Support (know how, Maschinen...) Wandelt die ganze Welt in ein fruchtbares ökologisches Land das ist nachhaltig für Mensch und Erde.
Vincent_Vega (10.07.2009, 16:09 Uhr)
Entwicklungshilfe....
Einfachh mal eben Gelder bereitstellen bringt nicht viel. Wo die Korruption blüht, wird man sich die Hände reiben und unten kommt wieder nix an. Oder die Hilfe kommt als Kredit daher, deren Rückzahlung die Haushaltsbudgets der armen Länder dann über Jahre lähmt.
Erstaunlich: die Pantherstaaten Asiens bekamen die geringste Entwicklungshilfe und stehen wirtschaftlich besser da als jene Länder, die massiv mit Wirtschaftshilfe beworfen wurden.
Vielleicht liegt der Fehler ja im System der Entwicklungshilfe?
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