. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
6. Juli 2008, 20:28 Uhr

Europa hilft Afrikas Bauern

Die globale Lebensmittelkrise ist neben der Energiepolitik das zentrale Thema des G8-Treffens in Japan. Die EU ist dabei vorgeprescht: Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso will Bauern in Afrika Geld aus ungenutzten Agrarhilfen zur Verfügung stellen.

Diskutierten bereits den Klimaschutz: US-Präsident George W. Bush (l.) und Japans Ministerpräsident Yasuo Fukuda© Summit Photo Japan/Getty Images

Zu Beginn des größten G8-Gipfels aller Zeiten in Japan sind die explodierenden Lebensmittelpreise und der Klimaschutz in den Fokus gerückt. Ein erstes Zeichen kommt dabei von der Europäischen Union: Sie will afrikanischen Bauern ungenutzte Agrarsubventionen von einer Milliarde Euro zur Verfügung stellen. Damit solle ihnen bei der Bewältigung der weltweiten Nahrungsmittelkrise geholfen werden, sagte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso am Rande des G8-Gipfels in Japan. Die EU könne der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern damit einen Schub verleihen. Früheren EU-Angaben zufolge sollen den Bauern in Afrika die Mittel bis Ende 2009 unter anderem für Saatgut und Düngemittel zufließen.

Nach Schätzungen der Weltbank benötigen die armen Länder kurzfristig mehr als sechs Milliarden Euro an Soforthilfe, um der Lebensmittel- und Ölkrise begegnen zu können. Barroso zeigte sich überraschend zuversichtlich, dass die USA und andere reiche Nationen einer deutlichen Senkung ihres Treibhausgas-Ausstoßes zustimmen könnten. Er werde mit Nachdruck konkrete mittelfristige Verpflichtungen fordern. "Und ich glaube, dass auch all meine europäischen Kollegen darauf bestehen werden. Das ist eine Frage des Prinzips", sagte Barroso kämpferisch kurz nach seiner Ankunft auf der Insel Hokkaido.

Die ersten G8-Mitglieder waren bereits am Sonntag am hermetisch abgeriegelten Hotel Windsor am Ufer des 625 hoch gelegenen Kratersees Toya eingetroffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde am Montagmorgen vom japanischen Ministerpräsidenten Yasuo Fukuda empfangen. Sie hatte vor ihrer Abreise klar gemacht, dass der Kampf gegen die steigenden Lebenspreise für sie in Japan Priorität haben wird.

Keine Problemlösung ohne China und Indien

US-Präsident George W. Bush sagte, er wolle sich beim Thema Klima konstruktiv verhalten. "Ich bin immer dafür eingetreten, dass es eine gemeinsame Verständigung geben muss, und das fängt mit einem Ziel an", sagte er nach einem Treffen Japans Ministerpräsident Yasuo Fukuda. Er sei aber auch realistisch genug, zu sagen, "dass wir das Problem nicht lösen, wenn China und Indien dieses Bestreben nicht teilen". Vertreter beider Länder werden in Toyako dabei sein, wenn es um den Klimaschutz geht. Sie fordern gemeinsam mit anderen Entwicklungs- und Schwellenländern mehr Anstrengungen von den reichen Nationen. Die wiederum vertreten zum Teil höchst unterschiedliche Ansichten, wie der Kampf gegen die Erderwärmung vorangetrieben werden kann. Auf dem Gipfel in Heiligendamm konnten sich die G8-Staaten lediglich auf die Formulierung einigen, eine Halbierung der Emissionen bis 2050 "ernsthaft in Erwägung zu ziehen".

Die USA lehnen es ab, sich auf konkrete Klimaschutzziele festzulegen, so lange aufstrebende Wirtschaftsboomländer wie Indien und China nicht auch entsprechende Schritte unternehmen. Kritiker werfen insbesondere Bush eine Blockadehaltung vor. Experten und Diplomaten gingen daher auch im Vorfeld des Gipfels in Japan davon aus, dass mit echten Fortschritten frühestens ab dem kommenden Jahr zu rechnen sei, wenn ein neuer Präsident im Weißen Haus sitzt. Von Toyako sei höchstens eine schwammige Erklärung zu erwarten, damit Fukuda sein Gesicht bewahren könne. Der Gipfel-Gastgeber hat den Kampf gegen den Klimawandel zur Chefsache erklärt.

Merkel warnt vor Lebensmittelkrise

Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte derweil eindringlich vor den Gefahren durch die andauernde Lebensmittelkrise. Diese könne "Staaten destabilisieren und sich zu internationalen Sicherheitsproblemen auswachsen", zitierte "Der Spiegel" aus einem Papier, das Merkel vor dem Gipfel an ihre Kollegen geschickt habe. Merkel habe zudem angekündigt, dass Deutschland in diesem Jahr 750 Millionen Dollar für die Lebensmittelversorgung in armen Ländern bereitstellen werde. In ihrer wöchentlichen Videobotschaft im Internet sagte Merkel: "Wir werden darüber beraten, wie die Industrieländer den afrikanischen Ländern bei der Stärkung ihrer eigenen bäuerlichen Landwirtschaft helfen können." Auch werde über Standards beim Anbau von Biokraftstoffen gesprochen, damit keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion entstehen könne. Einer Weltbankstudie zufolge hat die Produktion von Biosprit die Lebensmittel weltweit um bis zu 75 Prozent verteuert.

Der britische Premierminister Gordon Brown forderte seinerseits die G8-Staaten auf, in ihrem Kampf gegen Armut und Klimawandel trotz der angespannten Weltwirtschaft nicht nachzulassen. "Die gegenwärtige Wirtschaftskrise bedeutet vielmehr, dass wir unsere Bemühungen verstärken müssen", sagte er in einem Zeitungsinterview. US-Präsident George W. Bush und Gastgeber Japan wiesen Vorwürfe zurück, die Industriestaaten rückten von ihren Versprechen ab. Es sei jetzt an der Zeit, dass die besser gestellten Länder etwas gegen das Leid auf dem afrikanischen Kontinent unternähmen, sagte Bush. Japan wehrte sich gegen einen Medienbericht, wonach die sieben führenden Industrienationen und Russland (G8) hinter ihre Zusagen zurückfielen. "Das ist vollkommen falsch und unbegründet", sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

Abschlusserklärung schon vor dem Gipfel umstritten

Die britische Wohltätigkeitsorganisation Oxfam nährte jedoch Zweifel an der Hilfsbereitschaft der G-8. Sie berief sich auf einen Entwurf für die Abschlusserklärung des Gipfels. Darin komme ein klares Abrücken von den vor drei Jahren im schottischen Gleneagles vereinbarten milliardenschweren Zusagen zum Ausdruck. Damit deutet sich schon vor Beginn des Gipfels eine hitzige Diskussion an. Zum Auftakt des Gipfels stehen Gespräche der G-8-Staats- und Regierungschefs mit ihren Kollegen aus Algerien, Äthiopien, Ghana, Nigeria, Senegal, Südafrika und Tansania auf der Agenda. Dabei dürfte es auch um die explodierenden Lebensmittel- und Energiepreise gehen, die die Armut in Afrika noch verschärfen.

Wie bei vorangegangenen G8-Gipfeln rief das Treffen auch in Japan bereits am Wochenende Tausende Demonstranten auf den Plan. Die Polizei richtete sich auf einen Großeinsatz ein: 21.000 Beamte wurden abgestellt, um die Staats- und Regierungschefs zu beschützen.

Reuters/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Garnet (07.07.2008, 10:29 Uhr)
Wieder eine
Milliarde auf den Konten der afrikanischen Despoten in Europa.
Wenn es denn hilft.
gmathol (07.07.2008, 10:29 Uhr)
Reklame Rummel...
Europa gibt die USA geben nichts, es sei den Waffen. Schon vor 2 Jahren gab es mal eine aehnliche Aktion, damals wollte Tony Blair die Armut eindaemmen. Die ausgelobten Betraege wurden nie von Grossbritannien oder anderen Staaten gezahlt.
Diesmal will man uns wieder erneut beluegen. Wenn die Europaeer oder die Amis den Afrikanern wirklich helfen wollten, dann wuerden sie saemtliche Exporte der Erzeugnisse die Afrika selbst erbringen kann einstellen. Das ist aber nicht der Fall. Statt dessen geht das erbaermliche Spiel weiter und obendrein wird von den Fischereiflotten der EU wichtiges Protein fuer den afrikanischen Kontinent einfach weggefischt und in Form von Viehfutter in Europa verwendet.
...kann man einfach nicht mehr hoeren.
sweetkim (07.07.2008, 10:12 Uhr)
Seit Jahrzehnten
wird in Afrika Geld hineingepumpt. Und wo ist es geblieben? Richtig, dafür wurden und werden zur Freude der Tötungsindustrie Waffen gekauft. Das bedeutet, das dieses Geld nicht da ankommt, wo es benötigt wird. Und Knuffiman hats schon gesagt, hier in diesem Land geht es steil bergab, und die stillen Milliarden, die eigentlich hier benötigt werden, irgendwo hingeschaufelt. Aber ist das ganze nicht irgendwie sehr seltsam, das man anfängt, anderen, die leiden, das zu missgönnen? Ursache: Dieses Land, was im Grunde reich ist, ist es nicht mehr. Wir werden bald, wenn diese Wichtigtante da oben nicht bald den Schalter umlegt, selber Hilfe benötigen. Die Vorstellung ist irgendwie absurd, aber bald Realität.
ecomoc4u (07.07.2008, 10:06 Uhr)
warum nicht vollkommen verarschen,
und einfach die lebensmittel lieferungen komplett auslassen, und dafür nur noch raps kraftstoffe ernten.
.
warum schämen wir uns eigentlich nicht brei pampe runterzufliegen, und kraftstoffe mitzunehmen. weil die politik uns erklären will, das futter hinfliegen und kraftstoff abholen besser ist als nachhaltig infrastruktiur zu schaffen.
.
wiedermal durchschaut eu merkel.
whismerh2 (07.07.2008, 09:38 Uhr)
Kann
den Vorrednern nur Recht geben.
Ich möchte nicht bestreiten das Afrika Hilfe braucht, aber diese Finanzspritzen die eh nur bei Despoten landen, der vollkommene Falsche Weg.Anstatt geziehlt die Infrastruktur aufzubauen, wird einfach das Geld sinnlos in den Wind geschossen.
Unere Märchentante kann sich jetzt wieder auf unsere Kosten wichtigmachen, wärend hier mittlerweile auch genug Menschen nicht mehr wissen wie es weiter gehen soll.
Tendenz steigend.
Aber Hauptsache unser Geld verprasst
chrgue (07.07.2008, 08:59 Uhr)
Zahlen, zahlen, zahlen!
Nun ja, es ist ja unbestritten, dass die ärmsten Länder Afrikas auswärtige Hilfe benötigen. Doch wie sieht die aus? Gelder, die hier dem Steuerzahler abgepresst werden, landen in den ohnehin proppevollen Töpfen der Diktatoren. Um den tatsächlichen Verbleib der Gelder kümmert sich kein Mensch! Wie lange noch ist Deutschland der Zahlmeister der Welt? Bis hierzulande vollends alles den Bach runtergegangen ist?
Countryjoe (07.07.2008, 08:50 Uhr)
Supermerkel?
Hier geht es rasant bergab, aber Supermerkel wirft mit Millionen um sich als ob es kein Morgen gibt. Jeder Euro der uns abgepresst wird und ins Ausland verschwindet ist ein Tritt ins Gesicht der Steuerzahler die dieses Geld sauer verdienen müssen!
mupfeline (07.07.2008, 08:46 Uhr)
Ach Leute
nun meckert doch nicht über unsere Frau Wichtig. Sie spielt doch nunmal allzugerne Vorreiter. Kunststück - sie bezahlt es ja von den Steuern der Bürger. Nicht wahr! Da braucht man es nicht so genau zu nehmen.
Knuffiman (07.07.2008, 08:42 Uhr)
ungenutzte Agrarsubventionen..
das schlägt dem fass den boden aus. wir reißen uns hier tag für tag den arsch auf und zahlen steuern für jeden pups den wir lassen und da liegt mal ungenutzt ne milliarde in der ecke herum. und hier im land gibt es leute die nichts zu essen haben und täglich in der innenstadt die mülleiemr durchsuchen. es macht langsam aber sicher keinen spass mehr.
traldors (07.07.2008, 08:31 Uhr)
Und weiter (...)
wird Afrika durch unsinnige Zahlungen destabilisiert.
Das Geld stützt lokale Despoten, kommt selten oder nie in Form von Lebensmitteln bei den Notleidenden an und zerstört durch westliche Lebensmittel deren Ernährungsgewohnheiten.
Gebt das Geld lieber den "Ärzten ohne Grenzen" aber verschont den Kontinent mit "tödlichem" Geld.
MEHR ZUM ARTIKEL
Minister-Treffen G8 fürchten Preisexplosionen

Zum Auftakt ihrer Beratungen haben die G8-Finanzminister vor steigenden Preisen für Öl und Nahrungsmittel gewarnt: Die Entwicklung sei eine Bedrohung für die Weltwirtschaft. Bei einem anderen Thema werben die Minister für mehr Geld. mehr...

Energiekosten Ölpreis heizt Atom-Debatte neu an

Der Ölpreis sorgt für das Wiederaufleben einer Debatte, die eigentlich schon beendet schien: die um den deutschen Atomausstieg. Und während die Union mit Energiekosten und der Klimaveränderung argumentieren, spricht die SPD von Terrorgefahr und einem ungelösten Problem. mehr...

Französische Ratspräsidentschaft Sarkozys Pläne für Europa

Präsident Nicolas Sarkozy hat zum Auftakt der französischen EU-Ratspräsidentschaft vier Prioritäten benannt: Klimaschutz, Agrarpolitik, Einwanderung und Verteidigung. Trotz dem Nein der Iren hält er am Reformvertrag fest. Die Blockade des polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski, letzteren zu unterschreiben, erschwert die Situation jedoch. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe