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25. Juni 2010, 22:22 Uhr

Angie und die dicken Bretter

Der erste Tag des G8-Gipfels in Kanada war für Angela Merkel kein guter. Ihre Forderung nach einer globalen Finanztransaktionssteuer wurde abgelehnt. Aber die Bundeskanzlerin bleibt stur.

G8, G20, Gipfel, Kanada, Merkel, 1. Tag

Bereits bei der Begrüßung durch Kanadas Premierminister Stephen Harper ahnt Merkel, das sie ihren Willen nicht bekommt© DPA

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auf dem G-8-Gipfel in Kanada mit ihrer Forderung abgeblitzt, eine globale Finanztransaktionssteuer einzuführen. Nach der ersten Arbeitssitzung der führenden Industriestaaten sagte sie am Freitag in Huntsville: "Ich muss sagen, dass die Bereitschaft, hier etwas zu machen, nicht vorhanden war. Man muss das so hart sagen." Diese Ablehnungsfront dürfte sich am Samstag auf dem G-20-Treffen noch verfestigen, wenn die Schwellenländer dazustießen, sagte Merkel. Beigelegt wurde nach Merkels Darstellung hingegen der Streit zwischen den USA und Deutschland über die beste Wachstumsstrategie für die Weltwirtschaft. "Die Diskussion war nicht kontrovers, sondern von gegenseitigem, großen Verständnis geprägt", sagte Merkel. "Die Vereinigten Staaten von Amerika haben hier keinen Gegensatz aufgebaut."

Die US-Regierung hatte vor dem Gipfel mehrmals öffentlich den Vorwurf erhoben, Deutschland und die EU drosselten ihre Staatsausgaben derzeit zu drastisch und gefährdeten mit diesem Sparkurs die globale Konjunkturerholung. Merkel sagte: "Ich habe in diesen Diskussionen deutlich gemacht, dass wir nachhaltiges Wachstum brauchen. Das ist auch auf große Zustimmung gestoßen." Intelligentes Sparen und Wachstum müssten keine Gegensätze sein. Die Vertreter Europas hätten angesichts der jüngsten Euro-Krise deutlich gemacht, dass die EU ein geschlossenes Signal aussenden müsse, dass die EU-Länder ihre Defizite nun reduzieren und ihre Budgets in Ordnung bringen. Gerade in Deutschland hätten die Menschen besonderes Interesse an soliden Staatsfinanzen und seien dann sogar eher bereit, wieder zu konsumieren, sagte sie.

Von langen und dicken Bretter, die zu bohren wären

Zuvor hatte Merkel gesagt, dass sie auch für eine globale Bankenabgabe kaum noch Chancen sehe. Die Situation sei ähnlich schwierig wie beim Klimaschutz. "Man muss lange und dicke Bretter bohren, damit man hier vorankommt." Topthemen des zweitägigen Gipfels im Hotelkomplex "Deerhurst Resort" in der Ferienregion Muskoka nördlich von Toronto sind neben Wirtschaftsfragen die Lage im Nahen Osten und insbesondere in Gaza, der Konflikt um das iranische Atomprogramm sowie die Entwicklung in Afghanistan und die Beziehungen der beiden koreanischen Staaten.

Nach dem Mittagessen der Staats- und Regierungschefs war ein sogenanntes Outreach-Treffen der G-8-Gruppe mit den Regierungschefs der afrikanischen Staaten Malawi, Äthiopien, Algerien, Nigeria, Senegal und Südafrika geplant. Im Mittelpunkt steht dabei die Initiative der kanadischen G-8-Präsidentschaft, zusätzliches Geld für den Kampf gegen die Sterblichkeit von Müttern und Kindern in Entwicklungsländern zu mobilisieren. Deutschland hat weitere Hilfe zugesagt, aber noch keine konkrete Summe genannt. Auf der Tagesordnung stand außerdem eine Begegnung der G-8-Gruppe mit den mittel- und südamerikanischen Regierungschefs aus Haiti, Kolumbien und Jamaika. Im Zentrum steht die besorgniserregende Verzahnung von Drogenhandel und Terrorismus.

Wichtig ist vor dem Fernseher

Aber gleich, welches Signal der G20-Gipfel am Sonntag in die Welt senden wird - für 90 Minuten wird Merkel nicht am Tisch der Mächtigen sitzen - sondern vor dem Fernseher: Deutschland gegen England bei der Fußball-WM in Südafrika. "Erstens werde ich am Sonntag das Spiel angucken." Und sie wünschte der Mannschaft von Trainer Joachim Löw, dass sie "gute Nerven sammelt". Gute Nerven hat Merkel schon oft bewiesen. Sie würde sich das Achtelfinalspiel auch mit dem britischen Premierminister David Cameron gemeinsam ansehen. Er war sich am Freitag noch nicht sicher, ob das eine gute Idee ist.

swd/APN/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 17)
 
Laramie (26.06.2010, 15:10 Uhr)
ihr habt sie doch gewaehlt
Ich weis garnicht worueber ihr euch alle beschwert. Ihr habt diese Regierung doch selbst gewaehlt. Haettet ihr euch vor der Wahl mal besser informiert. Jetzt habt ihr halt den Salat dass ihr von ein paar unfaehigen Egomanen in eurer Plutokratie schlecht regiert und vertreten werdet.
Lazarus09 (26.06.2010, 13:58 Uhr)
Heinerich (26.06.2010, 03:36 Uhr)
Merkel und Konsorten zaehlen eben zu den Menschen, die schon glauben, SIE würden sparen, wenn sie anderen die Mittel zum Leben kürzen und durch hausgemachte Inflation entwerten, die sich aber gerade wieder einmal - ohne den geringsten öffentlichen Aufschrei die eigenen Bezuege schamlos erhoeht haben.... That is it
Lauterbach (26.06.2010, 08:22 Uhr)
Die Dame hat diesmal recht!
Ben Bernanke wird uns nun mit einem 5 Trillionen Spiel erfreuen.

Hierzu die Nachricht: ECRI Leading Economic Index Plunges At -6.9% Rate, Back To December 2007 Levels When Recession Officially Started.

Merkel und Europa - hart bleiben. Es reicht langsam was auf der anderen Seite des Atlantiks so getrieben wird. Man haette das Spiel zur Rettung der chinesischen Dollar-Reserven und den damit verbundenen Euro Fall erst gar nicht aufnehmen sollen.
sternennebel (26.06.2010, 07:56 Uhr)
Europa? jetzt erst recht.
Wenn die Europäer sich über die Bankenmaßnahmen einig sind sollten sie sie durchsetzen. Daß die amerikanische Überschuldung die Weltwirtschaft ein 2.tes Mal in die Krise reißt, wird an den Börsen offen vertreten.
Da aber auch amerikanische Banken in D tätig sind und von den Bankenmaßnahmen betroffen würden, ist zu klären mit welchem Schutz sie rechnen können wenn die amerikanische Mutter-Bank einen Milliardenverlust hinlegt aber der europäische Bankenfond dann nur anteilig einspringen muß.

Ich hoffe nur inständig, daß die kommenden Bankenregelungen äußert professionell ausgearbeitet werden und nicht wieder von vasallenhaften Lobbyisten.

Apropo China ... Wie kann es sein, daß ein so reaktionärer Staat von uns Entwicklungshilfe in Millionenhöhe erhält und jetzt im IWF die Schalthebel in die Hand kriegen möchte wo auf der Rückseite jedes Yuan Blut klebt?
mikelmd (26.06.2010, 06:40 Uhr)
Ich bin Euer Herbergsvater (Mutter)
Lang ist es her wo dieser Titel in aller Munde war und lang ist es her als Deutschland noch Politiker mit Format hatte und in der Welt Respekt vor uns herrschte! Unsere Mutti hat ihn verspielt!!! Wer glaubt dass WIR noch eine andere Rolle außer als Bezahlweltmeister spielen der irrt sich gewaltig.
Doshi (26.06.2010, 04:35 Uhr)
@Broeselbub
Oh weh. Kein Wunder, wenn das Land solche seltsamen Mitbewohner hat.....da muss ja alles zerbröseln.
Johann58 (26.06.2010, 04:34 Uhr)
Tja,
man will ja die Hoffnung nie aufgeben, aber je laenger es dauert um so schlimmer wird es, das hilft kein schoenreden oder schoentrinken!
Johann58 (26.06.2010, 03:25 Uhr)
sehr geehrter tempelhofer
ich hatte die Hoffnung, dass es so ca. am 28. oder 29. 6. die Headlines bestimmt, dass sich diie Bundeskanzlerin nicht mit ihren Vorstellungen durchsetzen kann. Heute ist der 25.6. ca, 9:-00 pm Eastern standard time und die Welt , na ja nicht die Welt aber die andern 7 der G8 schuetteln den Kopf ueber unsere Bundeskanzlerin. Die starke Frau ist die Lachnummer der Welt und die Wahrscheinlichkeit dass sich das aendert geht gegen Null.

Deutschland hat Besseres verdient als unsere derzeitige Kanzlerin samt ihrer Regierung. Ich versuche noch mal bei CNN ob der Name ueberhaupt erwaehnenswert ist. Die Kanzlerin einer der fuehrenden Industrienationen aber man nimmt sie einfach nicht war, so ernst wird sie genommen.
immerNett (26.06.2010, 02:52 Uhr)
Wer
nimmt denn diese Chaosmutti noch ernst? Der Countdown läuft. Bald sind die deutscen Bürger befreit von der unfähigsten Besetzung des Kanzleramtes in der Geschichte der Bundesrepublik.
Broeselbub (26.06.2010, 00:30 Uhr)
die will Deutschland
vertreten. Die kann sich ja selber nicht vertreten. Sowas unfähiges führt eine Industrienation wie Deutschland. Das kann doch nur schief gehen. Meine Güte wer hat sowas gewählt? Hoffentlich ist mit diesem Elend bald ein Ende. Oder müssen wir erst richtig am Boden liegen damit die Nation erwacht?
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