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7. Juli 2008, 10:13 Uhr

USA setzen Merkel unter Druck

Im Kampf gegen den Klimawandel dringen die USA auf den Neubau von Atomkraftwerken in großem Stil und setzen Angela Merkel damit auf dem G8-Gipfel in Japan massiv unter Druck. Doch die Bundeskanzlerin hielt dagegen.

US-Präsident George W. Bush beim Auftakt des G8-Gipfels im japanischen Toyako. Die USA fodern den Bau neuer Atomkraftwerke© Jim Young/Reuters

In der Klimadebatte gerät Deutschland wegen des geplanten Atomausstiegs der Bundesrepublik international immer stärker unter Druck. Auf dem G8-Gipfel der führenden Industrienationen in Toyako forderte die USA aus Klimaschutz-Gründen die intensive Nutzung der Atomkraft. Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte einen massiven Ausbau der Kernenergie ab, sprach sich aber erneut für längere Laufzeiten der bestehenden Reaktoren in Deutschland aus. Allerdings will Merkel dafür die Große Koalition mit der SPD nicht aufs Spiel setzen.

Eine Änderung des Atomausstiegs werde es vor Ende der laufenden Wahlperiode im Herbst 2009 nicht geben, sagte Regierungssprecher Thomas Steg. Merkel setze aber angesichts "einer neuen Dynamik" in der Atomenergie-Diskussion im eigenen Land auf einen Stimmungsumschwung. Die SPD wies dagegen den Vorschlag ihres früheren Spitzenpolitikers Erhard Eppler über längere Laufzeiten für die jüngeren Reaktoren nachzudenken, scharf zurück.

Deutschland international isoliert

Auf dem G8-Gipfel der sieben führenden Industrieländer und Russlands ist Deutschland bei der Atomenergie inzwischen isoliert, seit auch Italien nach dem Regierungswechsel vor wenigen Monaten umgeschwenkt ist.

Der Umweltberater von US-Präsident George W. Bush, Jim Connaughton, bezeichnete in Toyako die Nutzung der Atomkraft als "Lackmustest für die Ernsthaftigkeit" beim Kampf gegen die Klimaerwärmung. Wer wirklich Treibhausgase verringern wolle, komme an der Atomkraft nicht vorbei. "Ein Land, dass die Fähigkeiten hat, Atomkraft verantwortlich zu nutzen, hat aus meiner Sicht die Pflicht, das zu tun, ... nicht nur, um die Treibhausgase zu beschränken, sondern auch um mit verminderter Luftverschmutzung die öffentliche Gesundheit zu verbessern", erklärte er.

Weltklimarat befürwortet Atomkraft

Später betonte Connaughton in einem "Tagesschau"-Interview, er habe keineswegs Deutschland ansprechen wollen. Deutschland leiste in seiner Umweltpolitik "ausgezeichnete Arbeit"; Tatsache aber sei, dass auch der Weltklimarat der Vereinten Nationen die nukleare Energiegewinnung als eine Option bezeichne, Treibhausgase zu vermeiden.

Die Kernenergie wird in vielen Ländern trotz der ungelösten Entsorgung des radioaktiven Atommülls als klimafreundliche, CO2-freie Energie betrachtet. So planen Länder wie die USA und Großbritannien den Bau neuer Reaktoren.

Diese Position geht aber auch Merkel offenbar zu weit. "Ich bin bekanntermaßen jemand, der sagt, man sollte die Kernkraftwerke in Deutschland nicht frühzeitig abschalten", sagte sie zu Beginn des dreitägigen G8-Gipfels, bei dem die Klima- und Energiepolitik eines der zentralen Themen ist. Allerdings werde sich an der Kernkraft auch nicht die Zukunft des Klimaschutzes entscheiden, schränkte sie ein und plädierte für Investitionen in erneuerbare Energien, mehr Energieeffizienz oder neue Antriebstechnologien. Hier müssten die Industrieländer ihren Vorsprung nutzen.

SPD wirft CDU Lobbyismus vor

CDU und CSU sehen sich aber spätestens seit der Preisexplosion beim Öl in der Forderung nach längeren Laufzeiten der 17 deutschen Reaktoren bestätigt. Die Energiekonzerne sollen die zusätzlichen Gewinne dann zum Teil zur Senkung der Strompreise einsetzen.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil warf der Union vor, sie lasse sich vor den Karren der Stromkonzerne spannen. Der Anstieg der Energiepreise habe nichts zu tun mit dem Atomausstieg. Die Union müsse klarstellen, ob sie neue Reaktoren wolle. Der Präsident des CDU-Wirtschaftsrates, Kurt Lauk, forderte in der "Bild"-Zeitung, die Entwicklung neuer Kernkraftwerke dürfe kein Tabuthema sein.

Das Umweltministerium erklärte, Ressortchef Sigmar Gabriel (SPD) habe bereits vor einem Jahr vorgeschlagen, modernere Reaktoren länger als bis zum jetzigen Enddatum 2021 laufen zu lassen, wenn im Gegenzug ältere früher vom Netz genommen werden. Die Energiekonzerne hätten dies bisher abgelehnt.

DPA/AP/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 46)
 
chatahootchee (07.07.2008, 23:07 Uhr)
DRECK AM STECKEN
hat jeder: die Politiker mit dem Geschwafel, die Mineraloelfirmen mit dem Umschichten des Geldes, damit am Ende nur 10% Profit bleiben, die verdammten Spekulanten und Wirtschaftsexperten, die immer neue Preisspiralen herbeireden, und die Automobilindustry, welche glaubt, mit einem Hybrid alles zu retten.
Bleibt der total verunsicherte Verbraucher.
Es ist meines Erachtens falsch, zu sagen, dass Benzin hier in den US immer noch zu billig ist. Wir haben andere Ausgaben und ein Preis von 4$/gallon ist schon extrem teuer. Es ist arrogant zu sagen, dass nun der Druck auf den Verbraucher weiter erhoeht werden muss, d.h. das Benzin noch teurer werden soll, damit ein Umdenken beginnt. So'n Quatsch faselt auch BHO. Natuerlich dauert es jahre, bis ein Markteinfluss durch neue Bohrungen, Kraftwerke entsteht. Aber man soll doch um Himmels willen anfangen. Wir fahren laengere Strecken = mehr Benzin. Wir haben mehr Trucks = mehr Diesel = hoehere Kosten. Sollen doch die tree hugger demonstrieren, wie es umweltfreundlicher und besser geht. Aber Mr. Gore ist im Moment auffallend ruhig. Ist er doch immer noch der groesste Energieverschwender im Lande:
- sein Energieverbrauch stieg um 10%
- Gore 'used'. besser verbrannte 213,000KWH letztes Jahr. Rechnet aus, wie lange Ihr damit leben koenntet.
- Gore made 100 Million $ with Sprecherhonorars etc.
042020 (07.07.2008, 22:28 Uhr)
@Johann58
Johann, hier musst du das alles sagen, nicht in einer deutschen
zeitung.
und am Nov. konnen wir das ja "war-scheinlich" andern.
so wie ich, ein bischen Geld fur
McCain oder Obama zum wahlkampf.
bischen helfen an wahlburo usw.
bumper sticker am auto.
so, McCain 008.
ecomoc4u (07.07.2008, 22:17 Uhr)
@minihami86
"...Vielleicht sollte man sich eher Gedanken darüber machen, wie man solcherlei Situationen vermeiden und in den Griff bekommen kann."
.
dazu: 20-80000 jahre haltbarkeit. wir sollen uns gedanken machen?. sind wir gott?. da halte ich mich raus, und setze auf alternativen(längerfristig und kontrolliert).
Johann58 (07.07.2008, 19:50 Uhr)
@042020
Bin immer noch nicht im Deutschen Club gewesen, werde ich mir auch nicht antun, da ich Besseres zu tun habe. Zum Thema; 'love it or leave it' Nirgends auf der Welt gibt es Perfektionismus und das gilt fuer die USA wie fuer Deutschland und jedes andere Land auf der Welt. Nur weil es Dinge gibt, die man verbessern kann und dies auch noch sagt, meckert man ja nicht. Das ist wohl eine Frage der Interpretation. Wer behauptet, dass es in den USA nichts gibt, was nicht besser werden kann, lebt in genau dem Sinne nach mir die Sintflut. Warum bauen eigentlich die USA seit 30 Jahren keine Kernkraftwerke mehr? Warum werben die Staaten Virginia und West Virginia mit sauberer Steinkohle? Denken Sie mal darueber nach. Und jetzt noch mal gemeckert! McCain will temporaer die Benzinpreise senken, damit die amerikanische Mittelklasse ueberlebt,dass er nur Waehlerstimmen will ist eine Sache, aber wie bringt man die Buerger der USA dazu endlich mit Benzin sparsamer umzugehen? Doch nur ueber den Preis denn lernen ohne Druck etwas an seinen Angewohnheiten zu aendern ist nicht jedermanns Sache auch nicht in Amerika also love it or leave it oder besser gesagt lerne Spritsparen oder habe eine monatliche Spritrechnung von tausend Bucks oder mehr.
Johann58 (07.07.2008, 19:24 Uhr)
@minihami86
Ich bin einiger massen erschuettert ueber Ihren Beitrag, der offensichtlich voellig ohne jede Art von Wissen ueber Bau und Betrieb eines AKW's geschrieben wurde. In vielem fehlen uns natuerilch verlaessliche Zahlen ueber die tatsaechlichen Risiken von Erkrankungen, da auf der einen Seite damatisiert und auf der anderen verniedlicht wird. Eines ist klar, dass nicht ploetzlich die Bewohner in der Naehe eines AKW tot umfallen. die Risiken sind langfristig und u.U. erst ein einigen Generationen wirklich zu erfasssen. Die Zukunft gehoet jedenfalls nicht der Atomenergy und die Konzentration auf Alternativen sollte jedenfalls Vorrang vor der Reaktivierung eine letztendlich nur schwer zu beherschenden Energieerzeugung haben. Im uebrigen gehen weder in deutschland noch sondst wo in den naechsten 6 Monaten die Lichter aus und Kerzenschein dominiert, wobei ein Candle light dinner durchaus romantisch sein kann.
042020 (07.07.2008, 19:12 Uhr)
@Johann58
bist mal wieder dabei uber das land in dem du lebst nur schlechtes zu sagen. nun das in eine Deutsche
zeitung zu bringen hat wenig zweck.
schreib doch mal zu "Letters to the
Editor" an eine zeitung in Atlanta ?
und mal abwarten ob die das bringen.
teueres Benzin, immer noch die halfte was es in "D" ist.
meckern, meckern und doch hierbleiben. Bin mir 100% sicher
bist auch jedes wochenende im deutschen club in Atlanta und sagst
was alles so besser ist is "D".
America, love it or leave it.
eslipart (07.07.2008, 18:12 Uhr)
@minihami86
Haben sie sich schon mal damit beschäftigt, wo und wie der Uranabbau vor sich geht?Beim Abbau an der Erdoberfläche (Tagbau) können bloss 5 Prozent des Uranerzes für die spätere Energieerzeugung genutzt werden. Die Abraumhalden enthalten noch immer bis zu 85 Prozent der ursprünglichen Radioaktivität des Gesteins. Die Halbwertzeit der Uran-Atome (U-238) beträgt ca. 4,5 Milliarden Jahre, sodass nun radioaktives Material durch Erosion in die Luft, in das umliegende Erdreich und in die Gewässer ge­langt. Zudem breitet sich das ebenfalls freigesetzte Gas Radon-222 als radioaktiver Niederschlag über weite Gebiete aus. Er wird während 80'000 Jahren festzustellen sein. Die Leute in den Regionen sterben an Lungenkrebs, an Leukämie, an anderen Vergiftungen.Man rechnet mit 20 000 Toten aufgrund des Uranabbaus.
minihami86 (07.07.2008, 17:44 Uhr)
Immer auf Atomkraft schimpfen...
Oh man, immer schön auf Atomkraft schimpfen. Vielleicht sollte man sich eher Gedanken darüber machen, wie man solcherlei Situationen vermeiden und in den Griff bekommen kann. Atomkraft ist in der Theorie eine wirklich sinnvolle Alternative. Kohlekraftwerke und Ähnliches sind natürlich viel besser - dort werden beim Abbau genauso CO2 ausgestoßen und Giftstoffe produziert. Der Unterschied ist, dass dabei auch noch während der Energiegewinnung sehr viele Giftstoffe entstehen. Das eigentliche Problem besteht darin, Atomkraft mit seinen Risiken so ernst zu nehmen, dass man entsprechende Sicherheitsvorkehrungen trifft - und zwar beständig und regelmäßig, mit mehrfachen Kontrollen usw. Vorgaben für einen Bau von Atomkraftwerken, bei denen Kosteneinsparungen unterbunden werden, die die Sicherheit heruntersetzen könnten usw. Das Problem ist bei weitem nicht die Atomkraft an sich, sondern der Umgang mit ihr.
.
Des Weiteren weiß ich nicht, woher diese Aussagen wie "tausende Tote und Verstrahlte beim Uranabbau" kommen. Da sollten einige Leute wirklich noch mal drüber nachdenken, zumal da der Vergleich zu den anderen Energiegewinnungsmöglichkeiten fehlt, die natürlich alle komplett umweltfreundlich Erfolgen. Soweit ich weiß, ist die Herstellung von Solarzellen alles andere als umweltfreundlich!!! So viel zum Thema "Auf jedes Dach Solarzellen druff und gut ist". Genauso verhält sich dies mit Elektroautos. Jeder sagt, Elektroautos sind super, viel umweltfreundlicher als Benzinautos usw. Dass aber nach schon relativ kurzer Zeit (nur wenige Jahre) die Batterie erneuert werden muss und die alte entsorgt wird, darüber wird kein Wort verloren. Denn während der Nutzungszeit ist die Technik ja umweltfreundlicher. Vielleicht sollte man bei solcherlei Themen und Diskussionen einfach mal ALLE Aspekte berücksichtigen und hinterfragen, bevor man gegen alles mögliche wettert.
.
Viel verheerender finde ich zum Beispiel das Zurückhalten von Wasserstoffantrieben und anderen alternativen Antrieben durch die großen Ölkonzerne. Naja, aber erstmal schön meckern gegen alles, anstatt sich ernsthaft mit allen Möglichkeiten auseinanderzusetzen und wirklich sinnreich abzuwägen - nur weiter so ^^
eslipart (07.07.2008, 17:13 Uhr)
@Wenn das Licht ausgeht
Sorry, aber wieviel Tote akzeptieren sie pro Jahr durch den Uranabbau?
Wieviel Fehler dürfen "Experten" machen, siehe Asse II?
Der Ausstieg bis 2021 ist schon ein Kompromiß.
Die Betreiber haben Nilliarden an Rückstellungen für die Endlagerung. Auf dem Papier, zur Steuerminderung. Warum wird das Geld nicht in einen Fond überführt, zur Forschung nach Lösungen?

ramteid (07.07.2008, 17:05 Uhr)
Wenn das Licht ausgeht
Dann sind die zartgrünen Bedenken weg. Jetzt wird in vielen Kommentaren auf Bush geschimpft, aber in einem gutem halben Jahr werden vielleicht ein paar die ersten Kerzen anzünden und sich wundern, wie´niedrig ihre Stromrechnung geworden sind. Im Moment ist ihr Blick getrübt, weil Sie die Ursachen vor lauter Windkrafträdern nicht sehen. Durch die Herstellung dieser Anlagen wird selbstverständlich kein CO2 Ausstoß erzeugt. An KKW führt kein Weg vorbei und schon gar nicht ab sofort. Wenn man da die Forschung nicht vorantreibt, für die Sicherheit, zur Entsorgung etc. dann hat man nicht mehr viel Zeit zum nachdenken.
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