Armee beendet Einsatz zur Geiselbefreiung

17. Januar 2013, 21:30 Uhr

Was ist los auf dem Gasfeld in Algerien? Die Regierung dementiert zunächst ein Ende der Militäraktion zur Geiselbefreiung. Dann heißt es, der Einsatz ist vorbei. Klar scheint, es gab viele Tote.

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Die Geiseln wurden an der Grenze zu Libyen genommen. Das Erdgasfeld liegt im traditionellen Gebiet der Tuareg.©

Nach dem blutigen Militärschlag zur Befreiung der Geiseln auf dem Erdgasfeld In Amenas in Algerien herrscht Unklarheit über die genauen Vorgänge vor Ort. Die Regierung in Algier widersprach am Donnerstagabend zunächst Berichten des staatlichen Rundfunks, wonach die Aktion beendet sei. "Die Armeeoperation dauert an", sagte Informationsminister Mohamed Said Belaid im staatlichen Fernsehen. Es habe Tote gegeben. Später berichtete die algerische Nachrichtenagentur APS unter Berufung auf Angaben der örtlichen Präfektur, der Einsatz sei beendet.

Frankreichs Präsident François Hollande hatte die Lage auf dem Gasfeld zuvor als "dramatisch" bezeichnet. Er verfüge aber noch nicht über genug Informationen, um eine Bewertung abzugeben. "Was in Algerien passiert, lieferte einen weiteren Beweis dafür, dass meine Entscheidung, in Mali einzugreifen, gerechtfertigt war", fügte er allerdings hinzu. Der britische Premier David Cameron sagte wegen der brisanten Lage seine für Freitag in Amsterdam geplante, mit Spannung erwartete Grundsatzrede zum britischen Verhältnis zur EU ab. Großbritannien müsse sich bei dem Geiseldrama auf weitere schlechte Nachrichten einstellen, hieß es von der britischen Regierung.

Medien berichten von 35 toten Geiseln

Hubschrauber und Bodentruppen der algerischen Armee hatten am Donnerstag das islamistische Terrorkommando angegriffen, das sich seit Mittwoch mit Dutzenden von ausländischen Gefangenen auf dem Gasfeld im Osten des Landes verschanzt hält. Dabei gab es Medienberichten zufolge viele Tote. Nach Darstellung der Terroristen wurden allein bei den Luftschlägen 35 Geiseln und 15 Kidnapper getötet.

Der erste Luftschlag sei erfolgt, als die Islamisten versucht hätten, mit einer Gruppe von Geiseln den Ort zu wechseln, berichtete die mauretanische Nachrichtenagentur ANI unter Berufung auf einen Sprecher der Islamisten. Ein algerischer Radiosender meldete, die Hubschrauber hätten die Terroristen angegriffen, als diese mit Geiseln in zwei Allradfahrzeuge gestiegen seien. Nach Angaben der algerischen Nachrichtenagentur APS konnten zunächst vier ausländische Geiseln befreit werden. Weitere sieben seien noch in der Gewalt der Entführer, hieß es am Nachmittag.

Rund 200 algerischen Arbeitern soll während der Angriffe die Flucht gelungen sein. 15 Ausländer, darunter ein französisches Paar, konnten laut dem Fernsehsender Ennahar schon vor der Attacke entkommen. Eine irische Geisel, ein 36 Jahre alte Familienvater, meldete sich am Nachmittag bei seiner Familie in Belfast, wie das irische Außenministerium in Dublin mitteile. Der Mann sei "sicher und wohlauf".

Die überlebenden Islamisten halten sich ANI zufolge mit mehreren Geiseln auf dem Gasfeld verschanzt. Die Armee versuche, das Gelände zu stürmen. Ein Sprecher der Islamisten drohte im Gespräch mit der NachrichtenagenturI damit, auch die verbliebenen Geiseln zu töten.

USA fordern Klarheit von Algier

Algerien startete den Militärangriff offenbar ohne Rücksprache mit westlichen Regierungen. Cameron kritisierte die algerische Informationspolitik. Auch Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg beklagte, man habe noch immer keine sicheren Informationen über das Schicksal der Geiseln. Die USA forderten ebenfalls "Klarheit" von Algier. Die Regierungen in den USA, Frankreich, Norwegen, Großbritannien, Irland und Japan hatten zuvor bestätigt, dass sich Bürger ihrer Länder unter den Geiseln befinden.

Die Terroristen hatten am Mittwoch das unter anderem von BP betriebene Gasfeld gestürmt und mehrere Dutzend westliche Arbeiter in ihre Gewalt gebracht. Die Gruppe, die laut algerischer Regierung von dem einäugigen Islamisten Mokhtar Belmokhtar angeführt wird, fordert ein Ende des französischen Einsatzes in Mali. Die algerische Regierung lehnt Verhandlungen aber strikt ab. Hinter der Geiselnahme steht nach algerischen Angaben die Organisation al Kaida im islamischen Maghreb (AQMI).

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Gilt als Extremist, der zu allem entschlossen ist: Mokhtar Belmokhtar soll der Anführer der Geiselnehmer in Algerien sein.©

"Das sind brutale Kriminelle"

Bundesaußenminister Guido Westerwelle zeigte sich "tief betroffen" über den Tod der Geiseln. "Diese Terroristen, das sind keine Freiheitskämpfer. Das sind brutale Kriminelle, die auch vor der Ermordung von Unschuldigen keinen Halt machen", sagte er in Brüssel nach Beratungen der EU-Außenminister. "Diese Geiselnahme zeigt die gesamte Brutalität und Skrupellosigkeit des Terrorismus."

Der britische Außenminister William Hague kritisierte die Terroraktion als "kaltblütigen Mord". Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) warnte vor der Terrorgefahr für Europäer. "Wir stehen im Fadenkreuz des islamistischen Terrors", sagte er beim Treffen der EU-Innenminister im irischen Dublin. Dies habe der Vorfall in Algerien wieder einmal bestätigt. "Die Bedrohungslage für Europa und auch für Deutschland ist immer hoch gewesen."

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