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29. Dezember 2008, 14:15 Uhr

Israel will "Krieg bis zum bitteren Ende"

Im Nahen Osten stehen die Zeichen weiter auf Eskalation: Nach drei Tagen Krieg und mehreren Hundert Toten deutet sich gar eine Bodenoffensive der Israelis an. Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte, sein Land führe gegen die Hamas einen "Krieg bis zum bitteren Ende".

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Die israelische Armee hat dutzende Panzer an der Grenze zum Gaza-Streifen zusammengezogen© Menahem Kahana/AFP

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak hat der radikalislamischen Hamas einen "Krieg bis zum bitteren Ende" angekündigt. Vize-Generalstabschef Dan Harel sagte am Montag ergänzend: "Das Schlimmste ist noch nicht ausgestanden, es steht uns noch bevor." Israelische Kampfflugzeuge flogen am dritten Tag in Folge mit unverminderter Härte neue Angriffe auf Ziele der Hamas im Gazastreifen. Bei den blutigsten Luftangriffen auf das Palästinensergebiet seit 40 Jahren starben bislang mindestens 345 Menschen, wie die palästinensische Gesundheitsbehörde mitteilte. 1600 Menschen wurden verletzt.

Barak sagte im Parlament, die bisherige Operation werde ausgedehnt, wenn dies notwendig sei. Die Armee erklärte das Gebiet um den Gazastreifen herum gleichzeitig zur militärischen Sperrzone. Dies wurde in israelischen Medien als Hinweis auf eine Bodenoffensive gesehen. Zuvor waren bereits Kriegsschiffe in die Militäroperation einbezogen worden. Seit Beginn der Operation am Samstag hat die israelische Luftwaffe mehr als 300 Angriffe geflogen.

Im Gegenzug feuerten militante Palästinenser binnen drei Tagen nach Armeeangaben mehr als 200 Raketen und Mörsergranaten auf israelische Grenzstädte. Allein am Montag schlugen mehr als 60 Raketen ein. Ein israelischer Araber starb dabei durch die Explosion einer Grad-Rakete in Aschkalon. Bereits am Samstag war ein Israeli in der Grenzstadt Netivot bei einem Raketenangriff getötet worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gab der Hamas die alleinige Schuld an der Eskalation. "Die Bundeskanzlerin legt Wert darauf, dass bei der Beurteilung der Situation im Nahen Osten Ursache und Wirkung nicht vertauscht werden oder Ursache und Wirkung nicht in Vergessenheit geraten", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg.

In zahlreichen arabischen Ländern kam es erneut zu anti- israelischen Protesten. In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa demonstrierten 9000 Frauen mit Spruchbändern, auf denen stand: "Der Heilige Krieg ist die Lösung" und "Holt die Waffen raus". Proteste gab es auch in Syrien, Oman, Ägypten, dem Libanon und Mauretanien. In der iranischen Hauptstadt Teheran gingen zehntausende Menschen in einer vom Staat organisierten Kundgebung auf die Straße. In Berlin demonstrierten mehr als 1000 Menschen nach Polizeiangaben gegen die israelischen Militäraktionen im Gazastreifen. Veranstaltet wurde der friedliche Protestzug von mehreren arabischen Organisationen. In der griechischen Hauptstadt Athen setzte die Polizei Tränengas gegen hunderte Protestierer ein.

Hamas lehnt Dialog ab

Ein Sprecher der Hamas lehnte derweil den Aufruf von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ab, in einen Dialog zu treten, um eine Lösung zu finden. Abbas wolle "den palästinensischen Widerstand bloß überzeugen, nicht mehr auf die Verbrechen der Zionisten gegen die standhaften Menschen im Gazastreifen zu antworten", sagte Hamas- Sprecher Fausi Barhum.

Die israelische Luftwaffe hatte am Montag - dem dritten Tag in Folge - ihre Angriffe fortgesezt. Zu den Zielen gehörten unter anderem Waffenfabriken, Schmugglertunnel sowie ein Gästehaus der Hamas. Nach Augenzeugenberichten wurden bei einem Luftangriff in Dschebalia fünf Töchter einer Familie getötet. Die jüngste war vier Jahre alt.

Die Lage im Gazastreifen wird nach Augenzeugenberichten immer verzweifelter. Im Schifa-Krankenhaus von Gaza werden Verletzte inzwischen auf dem Boden behandelt, weil keine Tragen oder Betten mehr frei sind. Die radikalislamischen Muslimbrüder in Ägypten forderten Präsident Husni Mubarak auf, unverzüglich den Grenzübergang zum palästinensischen Gazastreifen zu öffnen.

Der israelische Armeesprecher Hauptmann Benjamin Rutland sagte, Israel habe die 6500 Reservisten, deren Mobilisierung das Kabinett am Sonntag beschlossen hatte, noch nicht zum aktiven Dienst beordert. "Dieser Prozess dauert einen halben bis einen Tag", sagte er.

Angesichts von Protesten israelischer Araber vom Vortag gegen die Militäroffensive drohte Oppositionsführer Benjamin Netanjahu, Israel werde mit "eiserner Hand" gegen Hamas-Unterstützer innerhalb der arabischen Minderheit vorgehen.

Israel will nach eigenen Angaben mit den Luftangriffen die Hamas schwächen und den Raketenbeschuss auf Grenzgemeinden soweit wie möglich minimieren. Die militanten Palästinensergruppen wollen Israel mit dem Beschuss zwingen, die Blockade des Gazastreifens zu beenden und die Grenzübergänge für immer zu öffnen.

joe/AFP/AP/DPA/Reuters
 
 
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