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30. Januar 2009, 06:32 Uhr

"Sie haben meine Töchter getötet!"

Er ist Palästinenser und setzt sich für Versöhnung ein: Izz al Din Abu al Aisch. Während des Krieges berichtet er telefonisch für einen Fernsehsender aus dem Gaza-Streifen. Als israelische Granaten sein Haus treffen und seine kleinen Töchter töten, gelangt seine Trauer und Verzweifelung direkt in israelische Wohnzimmer.

Er war die Stimme aus Gaza im israelischen Privatsender "Channel 10" gewesen: der palästinensische Arzt und Friedensaktivist Izz al Din Abu al Aisch aus dem Flüchtlingslager Jabaliya. Da Israels Regierung bei ihrem Vergeltungsangriff keine unabhängigen Berichterstatter nach Gaza einreisen ließ, war der hebräisch sprechende Arzt, der überdies seit Jahren in israelischen Krankenhäusern arbeitete und sich für Versöhnung einsetzt, ein gefragter Interviewpartner.

Fast jeden Abend rief Moderator Schlomi Eldar bei ihm an, ließ den Arzt von der Lage, der Angst erzählen, von der dramatischen Situation in den Krankenhäusern und davon, dass sich keiner mehr vors Haus traue, weil die israelischen Soldaten auf alles schössen, was sich draußen bewegt.

Am Freitag, dem 16. Januar, lassen die israelischen Bombardements nach, ein Waffenstillstand scheint in greifbare Nähe gerückt. Doch bevor Eldar anrufen kann, meldet sich der Arzt: schluchzend, in abgehackten, halben Sätzen auf Arabisch und Hebräisch um Hilfe flehend, weil kurz zuvor zwei Granaten sein Haus, seine Töchter getroffen haben. Eldar schaltet das Gespräch auf Sendung, will Hilfe organisieren, Dr. Abu al Aisch Mut zusprechen, der antwortet: "Ich will sie retten, aber sie sind tot! Tot! Sie starben sofort, Schlomi, mein Gott, was haben wir getan, Gott? Was haben wir denen getan?! Sie haben meine Töchter umgebracht!"

Dreieinhalb Minuten lang lässt Schlomi Eldar das israelische Publikum spüren, dass in Gaza nicht nur Terroristen sterben - sondern Menschen. Wir zeigen Ihnen auf stern.de einen Ausschnitt dieses schier unerträglichen Gesprächs, das schon jetzt Fernsehgeschichte geschrieben hat.

Christoph Reuter
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