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Das Ende der Schikanen

Für die Palästinenser im Gazastreifen sind die jüdischen Siedlungen, die nun von Israel einseitig geräumt werden, die Ursache für Einschränkungen und Schikanen.

Vor allem nach dem Ausbruch des zweiten Palästinenseraufstands vor fünf Jahren ordnete das israelische Militär das gesamte Leben der 1,4 Millionen Palästinenser den Sicherheitsbedürfnissen von 8000 Siedlern unter.

Die Grenzen zu Israel und Ägypten sind für die Palästinenser seitdem nur sehr schwierig passierbar. Bewegungen innerhalb des gerade mal 30 Kilometer langen Gazastreifens werden durch israelische Kontrollpunkte erschwert. Waren müssen an der Grenze zu Israel umständlich umgeladen werden. Die Fischer dürfen nicht weiter als 30 Kilometer aufs Meer hinausfahren. All dies lässt die Palästinenser von sich selbst als Insassen des "größten Freiluftgefängnisses der Welt" sprechen.

Die eindrücklichen Fernsehbilder von der Räumung, als radikale jüdische Abzugsgegner zuweilen von israelischen Soldaten weggetragen werden mussten oder diese mit Farben bewarfen, lösten deshalb bei den Menschen im Gazastreifen große Genugtuung aus. Die meisten politischen Parteien und Gruppen haben schon ihre "Siegeskundgebungen" abgehalten. In den Hochburgen der radikal- islamistischen Hamas-Bewegung hängen grüne Banner mit der Aufschrift "Heute Gaza, morgen Jerusalem".

Hoffnung auf ein normales Leben

"Ich war glücklich, als ich die Fernsehbilder sah", sagt der 20- jährige Mahmud Abu Chosa aus dem Beduinendorf Al-Siafa am Nordende des Gazastreifens. "Glücklich wie jemand, der sein Land zurückbekommt, das ihm einst gestohlen wurde." - "Glücklich, wie jemand, der ein Prozent von dem zurückbekommt, was ihm gehört", wirft sein Vater Zidan Abu Chosa (54) ein. Die anderen 99 Prozent - das sind für ihn das Westjordanland, Ost-Jerusalem und Millionen palästinensischer Flüchtlinge und Vertriebene, deren Rückkehrrecht fraglich ist. "Aber schauen wir in die Zukunft", sagt der alte, graubärtige Beduine in seiner weißen Dschalabija (Kaftan). "Die Räumung wird nichts ändern, wenn nicht die Grenzsperre aufgehoben wird." Sein Sohn, der Jeans und ein T-Shirt trägt und in Gaza-Stadt Wirtschaft studiert, hofft wiederum darauf, Arbeit zu finden, wenn die palästinensische Autonomiebehörde, wie von ihr angekündigt, auf den zurückerhaltenen Siedlergebieten große Investitionsvorhaben startet.

Auch die Fischer am Strand von Gaza-Stadt sehen mit viel Hoffnung und ein wenig Skepsis in die nahe Zukunft. Die israelische Seeblockade hat ihre Fangerträge auf zehn Prozent reduziert. "Das ist hier wie ein Teich", klagt der 52-jährige Mohammed al-Hissi. "Wir fangen die paar Fische, die sich in die erlaubte Zone verirren." Mit der Räumung der Siedlung besteht aber nun Aussicht auf Normalisierung. Al-Hissi ist skeptisch. "Wenn der Frieden hält", ist seine Vorsichtsfloskel, wenn er über die nächste Zeit nachdenkt.

Doch ohne Hoffnung ist auch er nicht. Auf dem Trockendock liegt ein 18 Meter langes Boot, noch im Rohbau, unlackiert, ein paar Planken fehlen noch. Es wird das vierte Schiff sein, das er zusammen mit seinem Bruder besitzt. "Bis November ist es fertig", sagt Al- Hissi. "Bis dahin werden wir hoffentlich wieder frei aufs Meer hinausfahren können." Einen Namen hat das Boot noch nicht. Dem zwölffachen Vater Al-Hissi bereitet das aber kein großes Kopfzerbrechen: "Es wird nach dem nächsten Kind von mir oder von meinem Bruder benannt."

Gergor Mayer/DPA

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