Nach Tagen massiver Angriffe hat Israels Ministerpräsident Ehud Olmert den Menschen im umkämpften Gaza-Streifen einen "humanitären Korridor" für Hilfslieferungen zugesagt. Einen genauen Termin nannte er jedoch nicht. Ägyptens Präsident Husni Mubarak präsentierte unterdessen einen Plan für eine Waffenruhe, der auch von den USA unterstützt wird.

Fast zwei Wochen nach Beginn der Offensive will Israel einen "humanitären Korridor" für die Menschen im Gaza-Streifen öffnen. Auch diese obdachlosen Kinder könnten davon profitieren© Abid Katib/Getty Images
Israel will einen "humanitären Korridor" für die Menschen im Gaza-Streifen öffnen. Ministerpräsident Ehud Olmert wolle so eine humanitäre Krise in dem Palästinensergebiet verhindern, teilte Olmerts Büro in der Nacht zum Mittwoch mit. Es gehe um die zeitlich begrenzte Öffnung bestimmter Sektoren, "damit die Bevölkerung Hilfsgüter empfangen kann". Die Einzelheiten würden vom Verteidigungsministerium ausgearbeitet. Ein Termin wurde zunächst nicht genannt.
Zuvor hatte der ägyptische Präsident Husni Mubarak eine unverzügliche Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas vorgeschlagen, damit der Zivilbevölkerung geholfen werden kann. Die israelische Regierung wollte sich zu der Initiative Mubaraks bislang nicht äußern. "Wir werden zunächst einmal abwarten", sagte Regierungssprecher Mark Regev der Nachrichtenagentur AP. Im UN-Sicherheitsrat wurde die ägyptische Initiative von US-Außenministerin Condoleezza Rice hingegen ausdrücklich unterstützt.
Die USA seien erfreut über den Vorstoß Mubaraks und wollten ihn weiter verfolgen, sagte Rice in New York bei einer Sondersitzung des Weltsicherheitsrats. Zugleich warnte sie jedoch vor einer übereilten Lösung. "Wir brauchen eine dauerhafte und tragfähige Waffenruhe, die Sicherheit für Palästinenser wie Israelis gleichermaßen garantiert", sagte sie. Bedingung für eine Waffenruhe ist Rice zufolge ein sofortiges Ende des Raketenbeschusses der Hamas auf Israel. Zudem sei zu gewährleisten, dass der Waffenschmuggel in den Gaza-Streifen gestoppt werde und die Hamas dort ihr Tunnelsystem nicht wieder nutzen könne.
Israelis und Palästinenser warben in der hochkarätig besetzten Sitzung des Rates mit dramatischen Appellen für ihre Positionen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas rief das höchste UN-Gremium zum sofortigen Eingreifen auf. "Beenden Sie diesen Völkermord und diese Zerstörung", appellierte er an die 15 Mitgliedsstaaten. Die israelische UN-Botschafterin Gabriela Shalev verwies auf die im Gaza-Streifen herrschende radikal-islamische Hamas: "Wir müssen uns verteidigen, nicht gegen die Palästinenser, sondern gegen die Terroristen, die sie als Geiseln genommen haben."
Nach einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy im Sinai-Badeort Scharm el Scheich hatte Mubarak am Abend vorgeschlagen, dass auf eine sofortige Waffenruhe Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern folgen sollten, mit dem Ziel, die Blockade des Gaza-Streifens aufzuheben und Sicherheit an der Grenze zu Israel zu garantieren. Außerdem wolle Ägypten zu neuen Gesprächen zwischen den verfeindeten palästinensischen Fraktionen - der im Gaza-Streifen herrschenden radikalislamischen Hamas und der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas - einladen, um eine Versöhnung herbeizuführen.