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Israel zerstört Häuser der Hamasführer

Trotz zahlreicher Aufrufe zu einer Feuerpause setzt Israel seine Angriffe auf den Gaza-Streifen fort. Am siebten Tag der Kämpfe zerstörte die Luftwaffe auch 20 Häuser von Hamas-Verantwortlichen. Dennoch weist Israel Berichte zurück, wonach die Armee Führer der islamistischen Organisation gezielt töten soll. Die Hamas wiederum plant Angriffe auf israelische Ziele in aller Welt.

Auch nach sieben Tagen und zahlreichen Friedensappellen aus aller Welt setzt Israel seine Offensive im Gaza-Streifen mit aller Härte fort. Die Luftwaffe bombardierte am Freitag rund 20 meist verlassene Häuser von Hamas-Führern. Auch eine Moschee wurde zerstört, die nach Militärangaben als Waffenlager diente. Bei den Angriffen wurden mindestens fünf Palästinenser getötet, darunter drei Kinder und ein Jugendlicher.

Allerdings wies die israelische Armee Berichte zurück, wonach sie zu der umstrittenen Politik der gezielten Tötung von Hamas-Führern zurückgekehrt sei. Die Luftwaffe greife Häuser an, die zur Hamas- Infrastruktur gehörten und in denen Raketen oder große Mengen an Sprengstoff gelagert würden, sagte eine Armeesprecherin.

Einigen der Angriffe vom Freitag gingen telefonische Warnungen voraus, was Beobachter als neue Militärtaktik werteten. In einigen Fällen wurden zunächst auch Schockbomben ohne Sprengwirkung abgeworfen, um die Bewohner zu warnen. Nach israelischen Angaben gab es auch vor dem Angriff auf das Haus von Hamas-Führer Nisar Rajan am Donnerstag eine Warnung, die aber nicht beachtet worden sei. Bei dem Abwurf einer Bombe mit einem Gewicht von einer Tonne kamen Rajan und 20 weitere Menschen ums Leben, darunter die vier Ehefrauen des Hamas-Führers und elf seiner Kinder. Tausende Palästinenser versammelten sich am Freitag an den Trümmern von Rajans Haus zu einer Trauerfeier für die Getöteten.

Unterdessen erlaubte Israel rund 300 Menschen die Ausreise aus dem Gaza-Streifen. Palästinenser im Besitz eines ausländischen Passes konnten das Gebiet über den Grenzübergang Eres verlassen. "Es gibt kein Wasser, keinen Strom, keine Medizin. Es ist schwierig zu überleben. Gaza ist zerstört", berichtete die 14-jährige Jawaher Haggi, die auch die amerikanische Staatsbürgerschaft hat.

Israel betonte, die Entscheidung zur Ausreisegenehmigung habe nichts mit einer möglicherweise bevorstehenden Bodenoffensive zu tun. Die Streitkräfte haben seit Beginn der Kämpfe tausende Soldaten an der Grenze zusammengezogen.

Insgesamt wurden seit Beginn der israelischen Offensive mehr als 400 Palästinenser getötet und 1700 verletzt. Mindestens 100 Tote waren nach Angaben der Vereinten Nationen Zivilpersonen. Bei Raketenangriffen der Hamas auf Israel kamen vier Menschen ums Leben.

Auch am Freitag feuerten Kämpfer der Hamas wieder mindestens 30 Raketen in Richtung Israel. In der südlichen Stadt Aschkelon wurden nach Polizeiangaben vier Bewohner verletzt. Darüber hinaus kündigte die Hamas an, auch Selbstmordanschläge und weltweite Angriffen auf israelische Ziele ins Kalkül ziehen.

Aus Sorge vor Protesten von Palästinensern in Jerusalem wurde der Zugang zur Al-Aksa-Moschee am Freitag eingeschränkt. Nur Männer über 50 Jahre sowie Frauen durften die Sperren passieren. Im Westjordanland bekundeten wieder tausende Palästinenser ihre Solidarität mit den Menschen im Gaza-Streifen. Die von Fatah-Aktivisten dominierte Polizei hinderte die Demonstranten daran, Parolen zur Unterstützung der Hamas zu skandieren. Drei Hamas-Anhänger werden festgenommen.

Nach den Freitagsgebeten kam es auch in zahlreichen muslimischen Ländern zu neuen Protesten gegen Israel. Mehr als 10.000 Menschen demonstrierten vor der US-Botschaft in Jakarta. Auf Plakaten hieß es "Rettet Palästina vor Israel, dem Terroristen". Auch in Khartum, Kabul, Teheran, Kairo und Damaskus gab es Demonstrationen. In Deutschland gingen ebenfalls tausende Menschen auf die Straße: In Hamburg beteiligten sich nach Angaben der Polizei knapp 4000 Menschen an den Protesten. In Stuttgart demonstrierten etwa 3500 Menschen mit Sprechchören, Flaggen und Transparenten. In Berlin kamen etwa 1000 Demonstranten zusammen. Der Protest richtete sich auch gegen die Haltung der deutschen Bundesregierung zu den am 27. Dezember begonnenen Luftangriffen.

Israel will mit seinem Militäreinsatz erreichen, dass der Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen aufhört. Die militanten Palästinenser wollen Israel damit zwingen, die Blockade des Gaza-Streifens aufzuheben und alle Grenzübergänge für einen freien Warenverkehr zu öffnen.

EU will vermitteln

Trotz aller Rückschläge bemühen sich die Europäische Union sowie der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy weiter um einen Waffenstillstand. Sarkozy will nach dem Auslaufen seiner EU-Ratspräsidentschaft die neue Mittelmeerunion für eine Verhandlungsmission nutzen. Dazu reist er am Montag in den Nahen Osten, um zunächst in Ägypten und dann im palästinensischen Autonomiegebiet sowie in Israel, Syrien und im Libanon für eine Friedenslösung zu werben. Bereits am Sonntag bricht eine EU-Delegation zu Vermittlungsgesprächen in die Region auf.

AP/DPA/AP/DPA
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