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14. Juni 2007, 18:36 Uhr

Hanija ignoriert Amtsenthebung

Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija will seine Entlassung durch Präsident Mahmud Abbas nicht akzeptieren. Abbas hatte den Notstand ausgerufen, nach die Hamas im Gazastreifen den "Beginn der islamischen Herrschaft" proklamiert hatte.

Das übliche Ritual: Vermummte Hamas-Kämpfer feuern Freudensalven ab© Abid Katib/Getty Images

Nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al Dschasira sagte Hanija bei einer Pressekonferenz in der Nacht zum Freitag, seine Regierung werde als Regierung der nationalen Einheit im Amt bleiben. Seine Amtsenthebung und die Ausrufung des Notstands durch Abbas seien "hastig" gewesen. Abbas habe offensichtlich nicht die Konsequenzen seines Schrittes bedacht. Der Präsident habe "voreilige Entscheidungen" getroffen.

Abbas hatte angesichts der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen die Einheitsregierung aufgelöst und den Notstand ausgerufen. Sein Sprecher Tajeb Abdel Rachim erklärte am Donnerstagabend im Hauptquartier in Ramallah, Abbas plane die Bildung einer Notstandsregierung.

Brüchiger Kompromiss

Fatah und Hamas hatten die Koalition im März geschlossen, um einen monatelangen blutigen Machtkampf der beiden rivalisierenden Organisationen zu beenden. Bei den letzten Gefechten wurden binnen einer Woche mehr als 85 Menschen getötet.

Die Hamas wolle keinen separaten Staat im Gazastreifen ohne eine Einbeziehung des Westjordanlandes ausrufen, sagte Hanija. Die Hamas werde im Gazastreifen für Sicherheit sorgen. Er rief die Polizei und die Sicherheitskräfte der Hamas auf, ab sofort Recht und Ordnung durchzusetzen. Sie sollten privates und öffentliches Eigentum schützen, sagte Hanija. Er rief die Hamasmitglieder auf, gnädig mit gefangenen Fatah-Anhängern umzugehen, berichtete der israelische Onlinedienst ynet von der Pressekonferenz.

Der Gazastreifen ist eine der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt - und ist dabei nur 360 Quadratkilometer groß. Hier ein Größenvergleich mit Hamburg© stern.de-Infografik

Die Hamas kontrolliert nach Angaben von Augenzeugen und des Hamas- Rundfunks seit der Nacht zum Freitag den Amtssitz von Abbas in der Stadt. Fatah-Anhänger, die das Gebäude gehalten hatten, hätten sich kampflos ergeben, hieß es. Damit brachte Hamas den gesamten Gazastreifen unter ihre Kontrolle.

Beginn der islamischen Herrschaft

"Dies ist der Beginn der islamischen Herrschaft", erklärte Hamas- Sprecher Sami Abu Suhri. Hamas-Sprecher Suhri sprach von einer "zweiten Befreiung" des Gazastreifens. Zuerst habe man die israelischen Siedler und nun die "Verräter" vertrieben.

Nach palästinensischen Angaben kam es am Donnerstag auch zu sporadischen Angriffen von Fatah-Anhängern auf Geschäfte und Büros von Hamas-Mitgliedern im Westjordanland. Politische Beobachter befürchten ein Überschwappen der Gewalt auf das Westjordanland, wo die Fatah politisch und militärisch die Oberhand hat.

Sitzung der Arabischen Liga

Der "Bruderkrieg" der Palästinenser löste rund um den Globus Initiativen zur Krisenbewältigung aus. Die Arabische Liga berief für heute eine Sondersitzung in Kairo ein und forderte die Palästinenser "im Namen aller Araber" auf, das Töten einzustellen. Liga-Generalsekretär Amre Mussa erklärte nach einem Vorbereitungstreffen, die Mitgliedstaaten hätten die Palästinenser "im Namen aller Araber" aufgefordert, das Töten einzustellen.

Die Vereinten Nationen in New York erhielten den Ruf nach einer Friedenstruppe für den Gazastreifen. Abbas und Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hätten einen internationalen Einsatz telefonisch bei ihm angesprochen, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in New York. Es gebe aber viele Fragen zu klären, unter anderem den Einsatzort und die Aufgabe einer möglichen Truppe. Ban: "All das ist unklar."

Die Hamas lehnte Forderungen nach einer internationalen Friedenstruppe für den Gazastreifen strikt ab. "Wir werden mit einer solchen Truppe wie mit einer Besatzungstruppe umgehen", sagte Suhri. Bis auf weiteres betrachte Hamas die Stationierung einer internationalen Truppe als Versuch, in dem Machtkampf eine Seite auf Kosten der anderen Seite zu stärken.

DPA
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
sachsenwini (15.06.2007, 17:09 Uhr)
USA fachen Nahost-Konflikte weiter an

Aus einem sehr interessanten Kommentar der Tagesschau:
von Carsten Kühntopp ARD-Hörfunkstudio Amman
Die Kämpfe zwischen Fatah und Hamas im Gaza-Streifen, die Kämpfe zwischen der Armee und Islamisten im Libanon und die Kämpfe zwischen den Konfessionen im Irak - diese Konflikte haben nicht sehr viel miteinander zu tun. Bis auf die Tatsache, dass die USA und ihre Verbündeten jeweils aktiv eingreifen - mit Waffen, Geld und politischer Unterstützung. Und die Dinge damit noch viel schlimmer machen.
In den palästinensischen Gebieten hat Fatah nie ihre Wahlniederlage von Anfang 2006 akzeptiert. Amerikaner, Jordanier und Ägypter bestärkten Fatah in ihrer Haltung, lieferten ihr Waffen und boykottierten Hamas. Die Islamisten sollten so um die Früchte ihres Wahlsiegs gebracht werden. Kein Wunder, dass dieser Machtkampf nun zum Bürgerkrieg geworden ist.
Hier der ganze Kommentar:
http://www.tagesthemen.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6927372_NAV_REF1,0
Prometheus90 (15.06.2007, 14:19 Uhr)
Lösung?
Ich habe eine Idee, warum Sperren wir nicht alle palästinensischen Männer ab 16 Jahren ein, wie die deutschen Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg, in der Zeit wo die Männer, die die Gewalt sähen, weg sind könnte sich eine neue Gesellschaft bilden, wo es keine Imame die einen fundamentalistischen Islam lehren mehr gibt, Frauen endlich auf die Straße gehen können, ohne einen männliche Verwandten dabei haben zu müssen. Die Jungs, die ohne das Typische Rollenbild der arabischen Welt aufwachsen, werden Frauen ungefähr so behandeln wie wir im Westen. Selbst wenn ein Junge seine Mutter dann bevormunden will, wird ihm das nicht mehr gelingen, weil der Westen inzwischen Polizistinnen ausgebildet hat, es Ärztinnen, Richterinnen gibt und viele weitere weiblich besetzte Posten, die so ein Verhalten nicht mehr tolerieren werden. Noch was, was macht eine palästinensischer Mann wenn er ein Gewehr findet?
Ich denke das eine Frau es abgeben würde...
Die Männer würden auf ihre Gesinnung überprüft, wie die Nazis nach dem Krieg und könnten in die Entfundamentalisierte Gesellschaft zurückkehren.
Meine kleine, harte Idee, um den Konflikt zu lösen, weil ich der Meinung bin, dass selbst gebildete Männer in Arabien(Dubai,Saudi Arabien)trotz dem vorhandenen Geld und Wohlstand ziemlich krass drauf sind und man das Problem mit Geld(EU Gelder) alleine nicht in den griff bekommt.
Frei_Talk (15.06.2007, 11:11 Uhr)
Johnny
He Johnny
nicht übertreiben, gell. Wer an sowas denkt ist meistens näher dran. Bist du Engländer oder wie kommst du zu dem Thema...Poposex, unter Männern....iiiiiiiiiigiht.
john_maclayne (15.06.2007, 10:57 Uhr)
@freitalk
ich glaub eher dir tut der hintern weh. (von vom zu viel popo-sex)
Frei_Talk (15.06.2007, 10:12 Uhr)
Fakten schaffen
ich bin kein Freund des Islam und der Palestinenser und Araber. Aber insgeheim kann ich mir eine gewisse Art von Achtung für die Hamas nicht verkneifen. Die schaffen Fakten. Die reden nicht die machen. Bevor im Westen eine Thema zigmal diskutiert wird um es dann in einem dummen Kompromiss abzusegenen schaffen diese Gruppen Fakten. Sie machen und wir reden und reden und reden und reden. Dann kommt dann nach mindestens 4 jahren ein Auftrag heraus die Gruppen zu bekämpfen, militärisch, was dann total zu spät ist und nur noch mehr Chaos verursacht. Das dann erstmal wieder diskutiert werden muss. Während die Fakten schaffen. Und so weiter und so weiter..
Es sei mir ein kleiner Schwenk Richtung EU-Verfassung erlaubt. Wenn es dann mal so aussieht das es eine Lösung geben könnte um dieses Reden zu verkürzen um Entscheidungen zutreffen, dann stellt sich ein kleiner Popanz dahin und motzt.(Dem tut noch der Hintern weh von vor 60 Jahren). Und wieder wird geredet...
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