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1. November 2007, 13:49 Uhr

Feinstaub bedroht Da Vinci-Gemälde

Das berühmteste Bild von Leonardo Da Vinci ist in Gefahr: Messungen ergaben, dass sich eine schwarze Feinstaub-Schicht über das berühmte Letzte Abendmahl legt. Experten streiten nun über Wege zum Schutz des berühmten Gemäldes. Von Luisa Brandl

Das Fresko von Leonardo da Vinci ist angegriffen: Die Besuchermassen wirbeln Feinstaub vor dem Gemälde auf© Antonio Calanni/AP

Immer mehr Menschen besichtigen das Letzte Abendmahl und tragen auf ihren Mänteln und Jacken für das Kunstwerk gefährlichen Feinstaub mit sich. Der Staub wird von den Besuchermassen aufgewirbelt, lagert sich auf der Bibelszene von Leonardo da Vinci ab und richtet unwiederbringliche Schäden an. Um das Wandbild zu schützen, müsste man den Saal für Besucher schließen.

Das Messgerät in dem berühmten Refektorium des Konvents Santa Maria delle Grazie in Mailand gab den Feinstaub-Alarm. Nach dem Erfolg des Thrillers und Filmtitels „The Da Vinci Code“ haben die Besucherzahlen einen Rekord erreicht. 350.000 Touristen bestaunen jedes Jahr das 4,60 x 8,80 Meter große Wandbild und rätseln mitunter, ob zur Rechten Jesu nicht der Jünger Johannes, sondern eine Frau sitzt und zwar Maria Magdalena, wie der Autor Dan Brown behauptet. Mit dem Publikumsansturm auf das Letzte Abendmahl steigt auch die Gefährdung für das Meisterwerk. Die Konzentration des Feinstaubs nimmt permanent zu und ist hat sich seit 2006 verdreifacht.

Wert dramatisch gestiegen

Bis vor zwei Jahren schien er unter Kontrolle, der im Fachjargon PM10 genannte Wert, der für „National Air Quality Standard For Particulate Matter“ steht. Der Smog im Saal des Letzten Abendmahls blieb im Durchschnitt unterhalb von täglich 15 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Anfang 2006 erreichte er auf einmal Spitzen von 40 Mikrogramm und pendelte sich im Mittel bei knapp 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft ein. Seither ist der Wert dramatisch gestiegen.

Für das zuständige Kunstamt in Mailand ist der Feinstaub ein altes Problem. Schon bei der Restaurierung des Werkes, das Leonardo in vier Jahren von 1494 bis 1498 vollendete, schlugen die Experten Alarm, weil der Staub sich in die raue und unebene Oberfläche frisst und dort eine schwarze hartnäckige Schicht bildet, die man fast mehr nicht entfernen kann, ohne das Bild zu beschädigen. Fachleute sprechen von dem so genannten „blackening“, bei dem das im Staub enthaltene Karbon das Gemälde schwärzt. Der Leiter des Kunstamts Alberto Artioli sieht nur eine Lösung, um das angegriffene Fresko vor seiner Zerstörung zu bewahren: Das Letzte Abendmahl müsse unter Verschluss gehalten werden, denn die Gefährdung ginge zum größten Teil von der vorbeiziehenden Besucherschar aus, so Artioli.

Um der Publikumsnachfrage entgegen zu kommen, sind die Öffnungszeiten jedoch erweitert worden. Früher konnte man Leonardo von acht bis 13.30 Uhr besichtigen. Heute strömen die Touristen bis 20 Uhr in das Refektorium. Es gibt keine Garderobe, wo man staubende Mäntel und Schirme abgeben könnte, bevor man sich dem Kunstwerk nähert. Und so staubt Leonardo weiter ein. Auch wenn eine Schließung im Moment unwahrscheinlich erscheint, ringen die Experten nun um Schutzmaßnahmen. Einige wollen das Letzte Abendmahl hinter Glas bringen, andere fordern, die Besucherzeiten drastisch einzuschränken.

Von Luisa Brandl
 
 
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