Die Internet-Überwachung der Nachrichtendienste

27. Juni 2013, 10:03 Uhr

Der Versuch der Geheimdienste, das Internet großflächig zu überwachen, gleicht dem Vorhaben, Wasser aus einem Feuerwehrschlauch zu trinken. Dennoch werden weiterhin gigantische Datenmengen abgefangen.

0 Bewertungen
Geheimdienst, Snowden, Carnivore, Internet, Daten, NSA, FBI, Big Data

Die Zentrale der NSA - mit ihrem Projekt Prism ist der Geheimdienst in den Fokus der Weltöffentlichkeit gerückt. Der Informant Edward Snowden hatte zuvor das Ausmaß der Internet-Überwachung durch Nachrichtendienste publik gemacht.©

Projekt "Carnivore": Ihren ersten Anlauf zur Überwachung von Internet-Verbindungen von Strafverdächtigen und potenziellen Terroristen starteten die USA im Jahr 1997. Schon am Projektnamen ("Fleischfresser") wurde deutlich, dass dieses Vorhaben nicht nur Unterstützer finden würde. Schaut man jedoch auf die technischen Details, wirkt "Carnivore" im Vergleich zu dem aktuellen Projekten der anglo-amerikanischen Geheimdienste geradezu niedlich. Damals versuchten das FBI und andere Organisationen, mit einem Windows-Rechner die Daten bei Internetanbietern abzufangen. Heute stehen den Geheimdiensten ganz andere Mittel zur Verfügung.

Die Technologie hat sich rasant weiterentwickelt. Die Anschläge des 11. September 2001 haben zudem die Bedrohung durch Terrorgruppen in den Vordergrund gerückt. Seitdem sind nicht nur die USA bereit, deutlich höhere finanzielle Mittel für den Ausbau der Überwachung bereitzustellen, um mögliche Täter früher aufzuspüren. Alleine der US-Militärgeheimdienst NSA soll über einen Etat zwischen acht und zehn Milliarden Dollar verfügen und 40 000 Angestellte haben.

Nach einem Bericht des US-Magazins "Wired" wird die NSA im September ein gigantisches Rechenzentrum im US-Bundesstaat Utah in Betrieb nehmen, das alleine zwei Milliarden Dollar gekostet haben soll. Schon heute sollen NSA und der britische Geheimdienst GCHQ Daten im Exabyte-Größenordnungen verarbeiten können. Ein Exabyte sind eine Milliarde Gigabyte.

Geheimdienste filtern gigantische Datenmengen

Was bei den aktuellen Projekten Prism der NSA und Tempora des GCHQ jedoch genau passiert, wissen selbst Fachleute nicht. "Wir kennen aber Details aus dem Fall Mark Klein aus dem Jahr 2007", sagt der Berliner Informatik-Professor Volker Roth. Der Techniker Klein hatte damals enthüllt, wie die Telefongesellschaft AT&T mit der NSA zusammengearbeitet hat. "Damals wurden Abhörgeräte der Boeing-Tochter Narus mit einem "Splitter" in eine Glasfaserleitung eingeklinkt, um eine so genannte "Deep Packet Inspection" zu ermöglichen." Die NSA konnte also die Inhalte von Datenpaketen einsehen, die über Glasfaserkabel verschickt wurden.

In anderen Angriffsszenarien müssen die Geheimdienste nicht einmal die Glasfaserkabel auftrennen, sondern können sie von außen belauschen. Wenn ein Glasfaserkabel stark gebogen wird, kann das Lichtsignal mit Hilfe von speziellen "Biegekopplern" auch außerhalb des Kabels ausgelesen und abgefangen werden, warnte Thomas Meier, Chef der Firma InfoGuard, unlängst in der Fachzeitschrift "KES".

Haben die Dienste sich erst einmal einen Zugriff auf den Datenstrom verschafft, können sie mit der "Deep Packet Inspection" auch aus den gigantischen Datenmengen bestimmte Informationen aus E-Mails, dem Web-Surfen oder Telefonanrufen herausfiltern. "Die Briten scheinen das noch weitergetrieben zu haben", sagt Informatik-Professor Roth. "Wenn die Berichte von Snowden stimmen, wurde dort der Netzverkehr für eine gewisse Zeit voll zwischengespeichert." Der GCHQ habe damit die Möglichkeit, alle Daten zu analysieren und Teile davon dauerhaft zu speichern.

Seite 1: Die Internet-Überwachung der Nachrichtendienste
Seite 2: Mit "Big Data" Gefahrenquellen ermitteln
 
 
MEHR ZUM THEMA
Legen Sie Ihr Geld richtig an! Legen Sie Ihr Geld richtig an! Der Ratgeber Geldanlage gibt Ihnen Tipps, wie Sie mehr aus ihrem Geld machen. Zu den Ratgebern
 
stern Investigativ
Anonymer Briefkasten: Haben Sie Informationen für uns? Anonymer Briefkasten Haben Sie Informationen für uns? Hier können Sie uns anonym Mitteilungen und Dateien zukommen lassen. Wir behandeln sie vertraulich.
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (18/2014)
Die vegane Versuchung