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15. Juni 2009, 21:14 Uhr

Behörden hoffen auf mehrere Überlebende

Verwirrung im Jemen: Nachdem zunächst der Tod aller neun Vermisster gemeldet worden war, hoffen die Behörden jetzt doch, mehrere Überlebende des Geiseldramas zu finden. Zwei deutsche Kinder sollen sie sogar schon lebend entdeckt haben. Keine Hoffnung mehr gibt es dagegen für zwei deutsche Frauen und eine Koreanerin.

Jemen, Entführung, Deutsche, Brite, Tote, Suche, verschleppte Ausländer

Jemenitische Soldaten in Sanaa: Die Suche nach vier verschleppten Ausländern geht weiter© Mohammed al Qadhi/AP

Die jemenitischen Behörden haben entgegen ersten Meldungen die Hoffnung noch nicht aufgegeben, Überlebende des Entführungsdramas in der Provinz Saada zu finden. Ein Sicherheitsbeamter sagte in Sanaa, den Behörden hätten Erkenntnisse, dass die noch vermissten Ausländer - ein deutsches Ehepaar, ein vierjähriger Junge und ein Brite - am Montagabend noch am Leben gewesen seien. Es sei unklar, ob sie sich noch in der Hand der Entführer befänden. Dagegen scheint es keinen Zweifel mehr zu geben, dass drei Frauen - darunter zwei Deutsche - von ihren Kidnappern getötet wurden.

Nach Angaben von Provinzbeamten und Stammesführern in der nordwestlichen Provinz Saada waren im Wadi al-Nuschur nahe der Ortschaft Akwan zunächst die Leichen von zwei jungen deutschen Helferinnen und einer südkoreanischen Lehrerin gefunden worden, die für eine Wohltätigkeitsorganisation in einem Krankenhaus von Saada gearbeitet hatten. Die Frauen seien erschossen und mit Messern traktiert worden, hieß es. Die Opfer waren laut Innenministerium zwischen 22 und 27 Jahre alt. Der Ort, an dem laut Sicherheitskräften die Leichen der Frauen gefunden wurden, liegt nicht weit von der Jawf-Region entfernt. Dort sind Al-Kaida-Terroristen bereits häufig untergetaucht. Deshalb, und wegen der Handschrift der Tat, glauben Beobachter, dass Al Kaida hinter der Entführung stehen könnte.

Zwei deutsche Kinder lebend entdeckt

Kurze Zeit später seien unweit des Fundortes der Leichen zwei Töchter des verschleppten deutschen Ehepaares lebend entdeckt worden. Die Kinder sollen zwei und drei Jahre alt sein. Zu Gerüchten über mögliche Verhandlungen mit den Kidnappern wollte die Regierung in Sanaa bis zum Abend nicht Stellung beziehen. Die neun Ausländer waren am Freitag nördlich von Sanaa verschleppt worden. Sie hatten alle im Auftrag der in den Niederlanden registrierten Wohltätigkeitsorganisation Worldwide Services am Al-Dschumhuri-Krankenhaus in der Stadt Saada gearbeitet. Das hat ein Sprecher der Organisation in den Niederlanden bestätigt.

Nach den Eltern und dem vierjährigen Bruder der kleinen Mädchen sowie einem Briten wird nun den Angaben zufolge weiter gesucht. Zu der Entführung und der Ermordung der Frauen bekannt hat sich bislang niemand. Die jemenitische Regierung bezichtigt als Täter die schiitischen Houthi-Rebellen, die ihre Hochburg in Saada haben. Die Rebellen streiten jedoch jede Beteiligung an der Bluttat ab, die sie als "barbarisch und schändlich" bezeichneten.

Auch aus dem Auswärtiges Amt in Berlin gab es bisher keine Bestätigung der Berichte aus dem Jemen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte lediglich: "Wir kennen diese Meldungen. Wir gehen dem nach." "Die Lage ist extrem verworren, es kursieren wilde Gerüchte über angebliche Geheimverhandlungen", sagte ein jemenitischer Beobachter.

Helfer seit Jahren im Jemen aktiv

Das deutsche Paar - ein 35 Jahre alter Haustechniker und eine 30 Jahre alte Krankenschwester - war schon seit Jahren für die niederländische Hilfsorganisation Worldwide Services im Jemen tätig. Die beiden getöteten deutschen Frauen und die Koreanerin waren später hinzugekommen. Britische und niederländische Angehörige der Wohltätigkeitsorganisation waren 1999 von Stammesangehörigen nördlich von Sanaa verschleppt worden. Sie kamen damals nach 17 Tagen Geiselhaft frei. Die jemenitische Regierung bezahlte seinerzeit nach Angaben der Kidnapper Lösegeld.

Im Dezember 2002 hatte ein islamischer Religionsstudent in der südjemenitischen Stadt Dschibla drei amerikanische Mitarbeiter eines christlichen Missionskrankenhauses erschossen. Entführungen von Ausländern durch Stammesangehörige im Jemen sind nicht selten und gehen in der Regel unblutig aus. Meist missbrauchen die Entführer die Ausländer, um die Regierung zu erpressen. In dem südarabischen Land gibt es aber auch Al-Kaida-Terrorzellen, die schon mehrfach Ausländer getötet hatten. Der letzte Selbstmordanschlag auf Touristen liegt nur drei Monate zurück. In der mehrheitlich von Schiiten bewohnten Provinz Saada gab es allerdings bislang keine bekannte Präsenz der sunnitischen Terrorgruppe.

Jemen, Entführung, Deutsche, Brite, Tote, Suche, verschleppte Ausländer

© stern.de-Infografik

DPA
 
 
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