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Überlebende schildern dramatischen Angriff

Noch ist die Geiselnahme auf dem Gasfeld in Algerien nicht beendet. Doch inzwischen konnten zahlreiche Geiseln ihren islamistischen Entführern entkommen. Sie erzählen von Angst, Gewalt und Tod.

  Hoher Besuch im Krankenhaus: Ein überlebender Philippiner berichtet dem algerischen Energieminister von den Erlebnissen der Geiselnahme

Hoher Besuch im Krankenhaus: Ein überlebender Philippiner berichtet dem algerischen Energieminister von den Erlebnissen der Geiselnahme

Nach dem Angriff islamistischer Geiselnehmer auf eine Gasförderanlage in #link;www.stern.de/reise/service/algerien-90268079t.html;Algerien# haben die ersten Überlebenden über ihre Erlebnisse berichtet. "Plötzlich Explosionen. Sie brachen die Türen auf und schrien: 'Wir suchen nur die Ausländer'", schilderte ein algerischer Ingenieur, der anonym bleiben will, den Überfall vom Mittwoch per Telefon der Nachrichtenagentur AFP. Ein Ire, der fliehen konnte, berichtete, den Geiseln sei Sprengstoff umgebunden worden. Ein Franzosen überlebte 40 Stunden versteckt unter seinem Bett.

Es sei gegen 5.30 Uhr auf der Gasförderanlage von Tiguentourine gewesen, sie hätten sich gerade für den Schichtwechsel vorbereitet, sagte der algerische Ingenieur. "Plötzlich gab es Schüsse, Explosionen, wir verstanden nichts, der Alarm wurde ausgelöst." Als die Angreifer kamen, hätten sie alle Algerier laufen gelassen. "Die Ausländer aber nahmen sie mit, umringten sie, fesselten sie. Sie wurden nahe der Kantine zusammengetrieben", berichtete der Ingenieur.

Die Geiselnehmer, die die Anlage überfielen, forderten den Stopp der französischen Militärintervention gegen islamistische Milizen im Norden Malis. Algerien lehnte jede Verhandlung mit den Angreifern ab und griff am Donnerstag militärisch ein. Am Freitag dauerte der Einsatz in dem ausgedehnten Industriekomplex in der Wüste unweit der Grenze zu Libyen noch an. Dutzende Ausländer waren offenbar weiter in Geiselhaft.

"Extrem gut bewaffnet"

Laut dem algerischen Ingenieur waren die Angreifer 30 bis 35 Jahre alt, "extrem gut bewaffnet", mit algerischem oder libyschen Akzent. Ein anderer algerischer Angesteller sagte, er habe während des Angriffs auf den Industriekomplex, der in einer besonders gesicherten Zone liegt, "mehr als zweieinhalb Stunden" Schüsse gehört. Als die Armee in Stellung ging, hätten die Angreifer die Ausländer von den anderen getrennt und seien mit ihnen verschwunden.

Die irische Geisel Stephen McFaul war unter den Ausländern, die in mehreren Fahrzeugen fortgebracht werden sollten. Ihm gelang jedoch die Flucht, berichtete der irische Außenminister Eamon Gilmore nach einem Gespräch mit McFauls Frau. "Die Entführer versuchten, ihre Gefangenen im Konvoi fortzubringen. Die algerischen Behörden, so scheint es, versuchten das Geschehen zu stoppen und in der anschließenden Verwirrung entkam Stephen McFaul", sagte Gilmore.

"Mir wurde gesagt, dass an ihnen zur Zeit ihres Transports Sprengstoff befestigt war", sagte der Minister. Auch andere Geiseln, darunter Briten, Japaner, Philippiner und Malaysier hätten Sprengstoff tragen müssen. Es habe insgesamt fünf Fahrzeuge gegeben, McFaul sei in dem einzigen Wagen gewesen, der bei der Intervention der algerischen Streitkräfte nicht getroffen wurde.

"Tote Terroristen, Ausländer, Einheimische"

Ein Franzose berichtete, er habe sich unter seinem Bett versteckt und sei so den Geiselnehmern entkommen. "Ich habe mich fast 40 Stunden lang in meinem Zimmer versteckt", sagt der französische Leiter des örtlichen Cateringbetriebs, Alexandre Berceaux, dem Sender Europe 1. Drei Briten seien ebenfalls gerettet worden, die sich in der Kantine über einer Zwischendecke versteckten. "Es gibt tote Terroristen, Ausländer, Einheimische", sagte Berceaux.

"Das war ein Albtraum, eine schreckliche Situation, es gab Tote", sagte auch der Algerier Belhadj der Zeitung "Le Monde". Als am frühen Morgen die algerische Militärintervention begann, seien rund 15 vermummte Angreifer in das Kantinengebäude eingedrungen, wo er sich mit 60 anderen versteckte. "Sie sagten uns: 'Algerische Brüder, habt keine Angst, geht in Frieden, kehrt nach Hause zurück, wir sind alle Brüder, wir sind alle Muslime.'"

Zu dem Zeitpunkt hätten sie sich auf dem Dach befunden. Einer der beiden US-Mitarbeiter, die bei ihnen waren, sei unbemerkt vom Dach gesprungen, doch den anderen hätten die Islamisten angeschossen. Offenbar sei er verblutet, sagt Belhadj. Mit seinen Kollegen und dem überlebenden US-Bürger, den die Islamisten offenbar nicht erkannt hätten, sei er schließlich mit einem Bus in Sicherheit gebracht worden.

sas/AFP/AFP
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