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24. Oktober 2011, 18:17 Uhr

Wikileaks stoppt Enthüllungen

Leere Kassen bei Wikileaks: Die "Blockade" durch Finanzdienstleister bedrohe die Existenz der Plattform, teilte Gründer Julian Assange mit. Die Veröffentlichungen würden deshalb ausgesetzt. Staatdessen plane man "aggressives" Fundraising.

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"95 Prozent unseres Einkommens zerstört": Wikileaks-Gründer Julian Assange in London© Leon Neal/AFP

Wikileaks steckt in Geldnöten: Die Enthüllungsplattform werde bis auf Weiteres kein neues Material mehr veröffentlichen und sich stattdessen auf das Aufbessern ihrer Finanzen konzentrieren, kündigte Gründer Julian Assange am Montag in London an. Eine finanzielle "Blockade" durch mehrere Kreditinstitute habe Wikileaks in den vergangenen elf Monaten mehrere zehn Millionen US-Dollar gekostet. Sollte der Finanzengpass nicht bald behoben werden können, müsse die Arbeit eingestellt werden.

"Der Angriff hat 95 Prozent unseres Einkommens zerstört", sagte Assange. Die monatlichen Spenden seien von rund 100.000 US-Dollar (rund 72.300 Euro) auf rund 7000 US-Dollar gefallen, ergänzte Wikileaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson. Während der "vorübergehenden" Aussetzung weiterer Veröffentlichungen wolle man sich deshalb auf "aggressives" Fundraising konzentrieren.

Klage bei der Europäischen Kommission eingereicht

Nur zehn Tage nach Beginn den Veröffentlichungen geheimer US-Depeschen im Winter vergangenen Jahres habe eine Blockade durch die Kreditkartenriesen Visa und Mastercard sowie Finanzinstitute wie die Bank of America, PayPal und Western Union begonnen, sagte Assange Der Boykott sei unrechtmäßig, die Verantwortung dafür trügen politische Kräfte in den USA. Wikileaks habe bei der Europäischen Kommission Klage wegen Verstoßes gegen das Kartellrecht eingereicht und erwarte eine Entscheidung bis Mitte November. Außerdem bereite die Plattform Prozesse gegen die Blockade in Island, Dänemark, Großbritannien, der EU, den USA und Australien vor.

Wikileaks hatte im April 2010 ein schockierendes Video veröffentlicht, das die tödlichen Schüsse einer US-Kampfhubschrauber-Besatzung auf Zivilisten in Bagdad zeigt. Später machte die Plattform 77.000 Dokumente zum Afghanistankrieg sowie rund 400.000 geheime Unterlagen des Pentagons zum Irakkrieg und zum Afghanistaneinsatz zugänglich. Damit zog sie den Ärger von USA und Nato auf sich.

Mittagessen mit Assange versteigert

In den letzten Monaten haben Assange und Co. bereits mit einer Reihe von Aktionen versucht, Geld in die leeren Kassen zu spülen. Im September versteigerten die Aktivisten im Internet Erinnerungsstücke wie ein geschmuggeltes Kaffeepäckchen, eine handsignierte Diplomatendepesche oder ein Notebook, mit dem die Veröffentlichung der US-Depeschen vorbereitet worden war. Im Juli veranstaltete Wikileaks ein Mittagessen mit Assange in London. Die acht verfügbaren Plätze wurden ebenfalls im Internet Ebay versteigert.

Faktisch läuft die Arbeit von Wikileaks schon seit Langem auf Sparflamme. Die Aktivisten veröffentlichten in den vergangenen Monaten ausschließlich US-Depeschen aus dem Fundus, der ihnen in die Hände gefallen war. Spätestens nachdem die gesamte unverschlüsselte Datei mit der Korrespondenz in Umlauf gekommen war, erübrigten sich weitere Publikationen dieser Art. Assange hängt seit Monaten unter Aufsicht in Großbritannien fest, während über seine Auslieferung nach Schweden entschieden wird. Dort wird ihm sexueller Missbrauch vorgeworfen.

Auch das Zerwürfnis zwischen Assange und dem einstigen Weggefährten Daniel Domscheit-Berg hatte die Arbeit der Enthüllungswebsite weitgehend paralysiert. Domscheit-Berg nahm bei seinem Ausstieg noch unveröffentlichtes Material mit, weil es bei Wikileaks und Assange nicht mehr sicher sei.

mad/DPA/AFP
 
 
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