25. Juli 2012, 16:20 Uhr

"Das Ende dieses Regimes ist unausweichlich"

UN-General Robert Mood warnt vor heftigen Konsequenzen nach dem möglichen Fall Assads. Syrien könne auseinanderbrechen. Derweil scheint das Militär wieder die Oberhand gegen die Rebellen zu gewinnen.

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Kenner der Region: Der 53-jährige Norweger Robert Mood sammelte bei mehreren UN-Einsätzen Erfahrung im Nahen Osten©

UN-General Robert Mood hat vor den Auswirkungen des Bürgerkriegs in Syrien gewarnt. Ein Kollaps des syrischen Staats hätte Folgen von ähnlicher Dimension "wie der Untergang des osmanischen Reichs", sagte Mood im Gespräch mit dem stern. Im einzigen Interview, das der Leiter der UN-Beobachtermission nach dem Ende seines dreimonatigen Einsatzes in Syrien gab, äußerte er offen seine Befürchtung, dass die Gegensätze in der Gesellschaft zum Auseinanderbrechen des Landes führen könnten. In den vergangenen 40 Jahren sei Syrien durch die Herrschaft des Assad-Clans zusammengehalten worden. "Die Spannungen gibt es immer noch, sie waren nur unterdrückt. Wenn das System kollabiert, sind sie nicht mehr unter Kontrolle", sagte der norwegische General. "Das Ende dieses Regimes ist unausweichlich, früher oder später", fügte Mood auf Nachfrage an.

Syriens Kollaps würde den Libanon betreffen und durch die Kurdenfrage auch die Türkei und den Irak und schließlich auch die besetzten Golanhöhen, sagte der 53-jährige General, der schon bei mehreren UN-Einsätzen im Nahen Osten Erfahrung gesammelt hat. Während seiner Syrien-Mission habe es auf lokaler und auf höherer Ebene immer wieder Kontakte und Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien gegeben, daran müsse unter einer mehr zivil orientierten Führung weitergearbeitet werden. Ein militärisches Eingreifen in den Konflikt hält Mood für falsch. "Am Ende stünde man an einem Punkt, den man nie anstrebte. Vor allem aber müssen jegliche Veränderungen vom syrischen Volk ausgehen und getragen werden. Es muss dessen eigener Prozess sein."

Regierungstruppen bekämpfen derweil die Aufständischen in den syrischen Metropolen Damaskus und Aleppo weiter mit rigoroser Härte. In der Hauptstadt beschossen Kampfhubschrauber das südliche Viertel Al-Hadschar al-Aswad, wie Aktivisten berichteten. Das Gebiet ist eine der letzten Hochburgen der Rebellen in Damaskus, nachdem sie in den vergangenen Tagen von den Truppen des Regimes von Präsident Baschar al Assad aus etlichen anderen Stadtvierteln verdrängt worden waren.

Türkei schloss Grenze nach Übergriffen auf türkische Lkw

In mehreren Bezirken der nordsyrischen Metropole Aleppo lieferten sich Regierungstruppen und Rebellen am Mittwoch heftige Gefechte. Umkämpft waren unter anderen das Einwohnermeldeamt und das lokale Hauptquartier der regierenden Baath-Partei, meldeten syrische Aktivisten. Auch in Aleppo hatte das Regime in den letzten Tagen Gebiete von den Rebellen zurückerobert.

Am Dienstag waren bei Kämpfen und Razzien der Regierungstruppen landesweit mehr als 160 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 119 Zivilisten. Das teilten die syrischen Menschenrechtsbeobachter in London mit.

Nach Übergriffen syrischer Oppositioneller auf türkische Lastwagen schloss die Türkei ihre Grenze zu Syrien für den Güterverkehr. Lastwagen, die Syrien nur als Transitland nutzen wollten, dürften weiterhin passieren, sagte Wirtschaftsminister Zafer Çaglayan am Mittwoch. Ausnahmen gebe es auch für Lastwagen aus Syrien, die Güter zur Versorgung der Bevölkerung aus der Türkei holen wollten.

Viele Flüchtlinge seien auf Spenden angewiesen

Am vergangenen Samstag hatten Angehörige der aufständischen Freien Syrischen Armee (FSA) 30 aus der Türkei kommende Lastwagen ausgeraubt und beschädigt. Neun Lkw wurden zudem in Brand gesteckt. An der 900 Kilometer langen Grenze der Türkei zu Syrien gibt es 13 Grenzübergänge.

Unterdessen wächst die Zahl der syrischen Flüchtlinge in den Nachbarländern. Mehr als 120.000 sind laut UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Jordanien, im Libanon, in der Türkei und im Irak registriert. Nach Angaben der Regierungen seien die Zahlen noch weitaus höher, erklärte das UNHCR am Mittwoch in Bonn. Viele Flüchtlinge seien auf humanitäre Hilfe und auf Spenden angewiesen. Drei Viertel von ihnen seien Frauen und Kinder.

Hans-Hermann Klare
 
 
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