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11. März 2010, 06:59 Uhr

Tausende protestieren gegen Sparpläne

Während massive Streiks das öffentliche Leben in Griechenland praktisch zum Stillstand bringen, gehen in der EU Überlegungen weiter, wie der Schuldenkrise im Mitgliedsland begegnet werden kann. Ein Europäischer Währungsfonds könnte in Zukunft helfen, käme für Griechenland aber wohl zu spät.

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Konfrontation in Athen: Der Sparzwang in Griechenland führt zu einer explosiven Stimmung im Land© Vassil Donev/EPA

Mit einer Streikwelle haben die griechischen Gewerkschaften das Land praktisch lahmgelegt. Sie protestieren am Donnerstag gegen die Sparpläne der Regierung zur Überwindung der Schuldenkrise. Nach Schätzungen der Gewerkschaften gingen allein in Athen rund 50.000 Menschen auf die Straße. Vereinzelt kam es zu Ausschreitungen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Randalierer auseinander zu treiben.

Die Demonstranten skandierten Sprüche wie "Recht ist das Recht des Arbeiters" und forderten das griechische Volk zum "Aufstand" auf. Rund 200 Autonome lösten sich aus der Demonstration und schlugen mehrere Schaufensterscheiben nahe des Archäologischen Museums von Athen ein. Besonders betroffen von den Streiks ist der Verkehr. Da auch die Fluglotsen streiken, wurden bereits seit Mitternacht sämtliche Flüge von und nach Griechenland gestrichen. Gestrandete Reisende gab es jedoch nicht, die Fluglinien hatten ihre Passagiere rechtzeitig informiert. Auch die Fähren zu den griechischen Inseln und die Eisenbahn wurden bestreikt. Im Radio und Fernsehen gibt es keine Nachrichten, da auch die Journalisten für 24 Stunden in den Ausstand treten.

Die Streikenden machen mobil gegen ein 4,8 Milliarden Euro schweres Sparprogramm der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou. Es sieht unter anderem einen Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst und Gehaltskürzungen für Beamte sowie erhebliche Einsparungen im Sozialbereich vor. Zudem wurde die Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte erhöht. Indirekte Steuern auf Tabak, Spirituosen und Treibstoffe wurden sogar gleich zweimal innerhalb weniger Wochen um rund 20 Prozent angehoben. Ministerpräsident Giorgos Papandreou äußerte Verständnis für den Unmut der Bürger, es gebe aber einfach "kein Geld", sagte er.

Währungsfonds könnte Staatspleiten auffangen

Unterdessen gehen die Diskussion um einen Europäischen Währungsfonds (EWF) weiter, mit dem künftig drohende Staatspleiten wie in Griechenland aufgefangen werden könnten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) finde den Gedanken gut und interessant, sagte Vizeregierungssprecher Christoph Steegmans am Mittwoch. "Aber da sind tatsächlich noch viele Fragen offen." So müsse geklärt werden, wer wieviel in einen solchen Finanztopf einzahle und wie unabhängig der Fonds von der EU-Kommission sei. Auf keinen Fall dürften die Euro-Stabilitätskriterien aufgeweicht werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Idee prüfen.

"Zum jetzigen Zeitpunkt hat der EZB-Rat noch keine Meinung dazu, wir müssen uns das anschauen", sagte Zentralbankpräsident Jean-Claude Trichet. Um den Vorschlag bewerten zu können, bedürfe es präziserer Informationen. "Wir weisen diese Idee zum jetzigen Zeitpunkt nicht zurück", sagte er. Der EWF könne "eine Ultima Ratio" sein, der "auch die Insolvenz eines Staates vernünftig ordnet", sagte Steegmans. "Vorher aber, und das ist der Kanzlerin sehr wichtig, muss es eine Kaskade von Sanktionen geben, die noch überdacht werden müssen." Merkel selbst hatte sich am Vortag ähnlich geäußert.

Bei den Überlegungen gehe es um eine langfristige Perspektive, die eine Weiterentwicklung und Änderung der Verträge von Maastricht notwendig machten, sagte Steegmans. Dies setzt Einstimmigkeit in der EU voraus. "Wir wissen durchaus, wie schwierig das ist", zitierte der Regierungssprecher die Kanzlerin. Der Stabilitätspakt dürfe aber nicht als "erstarrendes System" gesehen werden.

EWF kommt für Griechenland zu spät

Zur Lösung der Griechenland-Krise werde ein EWF nach dem Muster des Internationalen Währungsfonds (IWF) noch nicht zur Verfügung stehen, sagte Steegmans. Das betonte auch der Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Dieser hatte den EWF angeregt. "Wir glauben, dass das insgesamt eine gute Initiative war, einen Europäischen Währungsfonds vorzuschlagen und dass dies auch einen wichtigen Stein ins Rollen gebracht hat", sagte der Sprecher. Der Vorschlag solle langfristig die bisherigen Regeln ergänzen und verbessern. Auch Schäuble sehe einen EWF als "letztes Element in einer Handlungskette, um das europäische Währungssystem stabilisieren zu können". Das Finanzministerium werde die Vorschläge in nächster Zeit konkretisieren und prüfen, welche Maßnahmen ohne Änderung der EU-Verträge möglich seien. So werde geprüft, ob vorhandene Überwachungs- und Präventionsinstrumente konsequenter genutzt werden könnten.

Auch Frankreichs Regierungschef François Fillon forderte eine Anpassung der Kontrollmechanismen im Euroraum. "Uns müssen entsprechende Mittel zur Verfügung stehen, damit wir im Falle wirtschaftlicher oder finanzieller Schwierigkeiten eines Mitgliedstaats der Eurozone reagieren können", sagte er bei einem Vortrag an der Berliner Humboldt-Universität. Als Ergänzung zu einem möglichen europäischen Währungsfonds (EWF) verlangte Fillon eine starke politische Wirtschaftsregierung der 27 EU-Mitglieder.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
Onzapintada (12.03.2010, 18:07 Uhr)
Streik auch in Industrie
@knilch: Auch in Industrie und Transportwesen betrug Streikbeteiligung bis zu 90 Prozent.

Und nur wenn auch der oeffentliche Dienst mitstreikt, hat der Generalstreik die volle Wirkung. Wen will die Klassenjustiz denn dann noch gegen die Streikenden losschicken?
jetrabbit (12.03.2010, 15:55 Uhr)
liebe griechen
auch in der BRD wurden 800 milliarden euro an steuergeldern den bankstern überreicht, ohne das volk zu fragen. gemeinsam sollten wir als mündige bürger, diesen verbrechern das handwerk legen. politik und kapital müssen endlich getrennt werden.
trespuntos (12.03.2010, 12:18 Uhr)
Die Deutschen wissen nicht
um was es hier geht, aber reden trotzdem darüber. Die Griechen lassen sich von der Regierung nicht für Dumm verkaufen! 2004 wurde Karamanlis Präsident, er hat Griechenland mit 80 Mrd. schulden übernommen, 5 Jahre später sind die Schulden auf 280 Mrd. gewachsen! Das Volk muss jetzt dafür gerade stehen. Steuern wurden erhöht, und das gilt nicht nur für die Beamten sondern für alle. Natürlich muss die Korruption bekämpft werden, aber die Regierung unternimmt auch hier nichts, warum? Nur mit Steuererhöhungen wird hier nichts erreicht, genau das gegenteil sogar, die Bevölkerung wird weniger ausgeben. Das Volk wehrt sich jetzt dagegen. Und nicht nur Griechenland trifft hier die Schuld sondern auch die Europäische Banken tragen hier die Verantwortung. Wieso geben die Banken Griechenland immer so viele Kredite? Hätte man das nicht vorher vermeiden können? Ich bin selber Grieche und ich beobachte das ganze schon seit längerer Zeit, ich sage dazu nur eins, Griechenland ist ein Pulverfass! In Griechenland gibt es mittlerweile schon Panik Einkäufe, die Menschen haben Angst das sich das ganze hier extrem zuspitzt.
knilch_59 (12.03.2010, 10:39 Uhr)
@sternenhagel: geht?s noch?
Hier so zu tun, als ob die griechischen Arbeiter streiken?!
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Dort streiken weitgehend die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes. Und weil die Griechen noch mehr davon haben als andere Länder, fällt es eben noch mehr auf.
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Der "Generalstreik" war ein Streik derjenigen, die nichts zum gesamtwirtschaftlichen Wohlstand beitragen, sondern mit ihren Dienstleistungen daran partizipieren, dass irgendwo anders doch noch jemand Werte schafft. Im öffentlichen Dienst herrscht ein Lohnniveau, das weit über dem steht, das Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, leisten können.
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Das kann eine Nation ja machen: sich einen teuren öffentlichen Dienst leisten - solange die eigene Bevölkerung das durch ihre Steuern und Abgaben bezahlt. Hat man aber dort nicht, sondern sich hierzu auf den Kapitalmärkten das Geld zusammengepumpt. So kann man prima eine Zeitlang Wohlstand vorspielen. Und wenn man dann noch diejenigen, die aus der produktiven Wirtschaft wegen Erreichens der Altergrenze von 55 (!) ausscheiden, ähnlich privilegiert (Achtung: Wort enthält "Gier"), kauft man ein hohes Maß an Zufriedenheit mit ungedeckten Schecks.
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Ich will für diesen Kram nicht gerade stehen. Deshalb: keinen Cent für Athen. Das hat nämlich NICHTS mit der "Krise des Kapitals" zu tun.
sternenhagel (12.03.2010, 05:04 Uhr)
Griechenland voran
Die griechischen Arbeiter streiken dagegen für die Krise des Kapitals bezahlen zu sollen, sie streiken somit für uns alle. Denn wie lange wird es dauern, bis die Aasgeier des Finanzkapitals über weiteren kleinen Ländern kreisen, weitere Banken und Konzerne nach öffentlcher Hilfe schreien. Sozialisierung der Verluste und Privatisierung der Profite war schon immer das Motto des Kapitals.
Drehen wir den Spieß um. Auch deutsche Arbeiter sollten den politischen Streik erwägen, die Diskussion in der IG Bau kann hierfür nur ein kleiner Anfang sein.
Wir zahlen nicht für eure Krise .
Onzapintada (11.03.2010, 22:25 Uhr)
Aufstand in Griechenland
Griechischen Aufstand kennt ihr nicht? Macht nichts, eeerklär ich euch.

Sagen die Griechen: Wir koennen unsere Schulden nicht mehr zahlen.
Sagt die deutsche ?Elite?: Ihr seid griechisch-dekadent. Geht doch Schneeschippen. Was ihr braucht, sind Billigloehne.
Sagen die Griechen zu den Deutschen: Wegen euren Billigloehnen macht ihr die grossen Exportueberschuesse, und wir die grossen Schulden.
Sagen die deutschen Gewerkschaften: Billigloehne machen den Binnenmarkt kaputt. Ohne Binnenmarkt kein Wachstum.
Sagt die deutsche "Elite": Egal. Niedrige Löhne sind gut für die Gewinne! In Deutschland klappt das. Widerstand? Gibts bei uns nicht.
Sagt die deutsche Regierung: Die Griechen sollen zahlen: Lohnsenkung auch in Griechenland.
Freut sich die Finanzelite: Toll!
Sagen die Griechen: Billiglohn ist Moppelkotze.
Sagt der deutsche Politiker: Dann wollen wir die griechischen Inseln.
Freut sich der Stammtisch.
Sagen die Griechen: Jetzt gibts Kleinholz. Wir machen Generalstreik.
Sagt die deutsche Elite: Generalstreik gibts auch nicht. Ist bei uns verboten.
Sagen die deutschen Arbeiter: Na gut. Wenn das nicht erlaubt ist, dann eben nicht.
Sagen die Griechen: Ihr habt doch den Schuss nicht gehoert. Dann wieder Generalstreik.
Sagen die deutschen Banken: Dann zahlen die ja nie! Die deutsche Regierung muss uns retten.
Sagt die deutsche Regierung: Na gut.
Aquarius2 (11.03.2010, 20:47 Uhr)
Tausende protestieren gegen Sparpläne
Da fasst man sich doch an den Kopf.
Was wollen Die?
Sollen etwa die Verursacher der Krise für die Folgen einstehen?
Unfassbar!
Garnet (11.03.2010, 13:26 Uhr)
Irgentwie hab ich jetzt Probleme.
Vor ein paar Tagen hat unsere Politik den Griechen noch zu dem " Sparvorhaben" gratuliert. Natuerlich bevor irgend etwas ueberhaupt umgesetzt wurde. Jetzt muss ein Fond hergerichtet werden um solchen Kandidaten zu helfen. Da leiern die Duemmsten immer noch die Sprueche der Bankenrettung herunter, waehrend die Stalinisten im Forum generel alle Besitzenden fuer die Misere verantwortlich machen. Die Griechen streiken. Warum nicht? Schliesslich geht es um mehr als um das sparen. Es geht um den Umbau der Gesellschaft von Schmarotzerkleptokratischkorrupt zu wenigstens halbwegs zivilisiert. Das die das nicht schaffen werden ,ist klar. Warum denn auch? Man wird es schon irgentwie richten.
also_ne... (11.03.2010, 12:01 Uhr)
@ Corazito3333 (11.03.2010, 11:50 Uhr)
Schon wieder links außen...
Glauben Sie tatsächlich, dass diese Menschen 55 Mrd. aufm Konto haben? Als bspw. Allein-Eigentümer einer Firma, die 55 Mrd. schwer ist, kann er wohl kaum einfach 5 Mrd. spenden, ohne Teile der Firma zu verkaufen und somit Mitarbeiter zu entlassen. man man man.
GR hat die Suppe eingebrockt, solln se die auch selber auslöffeln. Und zwar die oberen, wie die unteren, die schon mit 55 und fast vollem letzten Gehalt in Ruhestand gehen.
Corazito3333 (11.03.2010, 11:50 Uhr)
4,8 Milliarden Schulden und noch mehr
es gibt Menschen die 53 Milliarden zusammengerafft haben.................. wäre mal einer großzügig - könnte er locke die 4,8 Milliarden an Griechenland spenden......
warum nicht???????
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