Startseite

Genfer Flughafen entlässt rund 30 Mitarbeiter mit arabischen Namen

Der Flughafen Genf entließ nach den Paris-Anschlägen gut 30 Mitarbeiter. Eine offizielle Begründung dafür gibt es bislang nicht. Dass jedoch fast alle einen französischen Pass haben und Muslime sind, lässt Raum für Spekulationen.

Genf: Ein bewaffneter Sicherheitsmann sichert den Eingang zum Flughafen

Nach den Anschlägen in Paris wurden auch am Flughafen in Genf die Sicherheitsvorkehrungen verschärft - einigen Mitarbeitern kostete das offenbar den Job

Nach den verheerenden Terroranschlägen von Paris mit 130 Todesopfern verschärften viele europäische Städte ihre Sicherheitsvorkehrungen aus Sorge, selbst Ziel eines Attentats zu werden. Weil sich ein Teil der IS-Terroristen nach Belgien abgesetzt hatte, galt in der Hauptstadt Brüssel gar tagelang der Ausnahmezustand. Auch die Behörden im schweizerischen Genf erhöhten kurz vor Weihnachten die Alarmbereitschaft, nachdem unter anderem die Boulevard-Zeitung "Blick" Hinweise auf einen möglichen Giftgas-Anschlag publik gemacht hatte.

Am Flughafen der zweitgrößten Stadt des Alpenlandes kosteten die verschärften Sicherheitsbedingungen damals rund 30 Männer ihre Jobs, wie unter anderem die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Warum man den teils langjährigen Mitarbeitern kündigte, ist demnach bis heute unklar. Das zuständige Genfer Department für Sicherheit und Wirtschaft (DSE) erklärte dem Bericht zufolge bislang lediglich, die Behörden hätten nach nicht-öffentlichen Kriterien gehandelt. Herkunft und Religion der Gekündigten hätten die Entscheidung nicht beeinflusst, versicherte man. Ein genauerer Blick auf die Liste der Männer lässt anderes vermuten. Zumindest haben die gut 30 Ex-Mitarbeiter bis auf zwei Ausnahmen alle etwas gemein: Sie besitzen einen französischen Pass und einen arabischen Namen. Zudem seien fast alle Muslime, schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

Entlassung aus Furcht vor Radikalen am Gepäckband?

Jamshid Pouranpir vom Schweizerischen Verband des Personals öffentlicher Dienste (VOPD) will die Maßnahme daher so nicht akzeptieren. Er vertritt die Geschädigten als Anwalt. "Sie haben von einem Moment auf den anderen ihren Job verloren, ohne das ihnen mitgeteilt wurde, warum das passiert", wird der Jurist in dem Bericht zitiert. Unterdessen wird vermutet, die Kündigungen könnten im Zusammenhang mit einem früheren Gepäckträger des Flughafens stehen. Dieser war entlassen worden, nachdem französische Sicherheitsbehörden ihn mit islamistischem Terror in Verbindung gebracht hatten. Offenbar wuchs damals am Airport die Sorge, es könnten sich weitere Radikale unter den Gepäck-Mitarbeitern befinden - zumal diese Zugangsrechte zu nicht-öffentlichen Zonen des Flughafens besitzen.

Das Department sieht sich laut "Süddeutscher Zeitung" rechtlich abgesichert. Tatsächlich müssen Mitarbeiter demnach unterschreiben, dass ihnen der freie Zugang ("Badge") jederzeit aus Sicherheitsgründen entzogen werden kann. Im Fall der 30 Männer geschah dies laut Informationen der "Neuen Zürcher Zeitung" aufgrund von Sicherheitsbedenken der französischen Behörde. Demnach teilte Pierre Maudet, Polizeidirektor von Genf, der Zeitung mit, aufgrund der schärferen Kontrollen sei man auf Fälle gestoßen, die problematisch seien. 

Anwalt fordert Wiedereinstellung und Entschädigung

Pouranpir findet das Vorgehen dennoch nicht in Ordnung. Nicht nur wüssten die Entlassenen nicht, warum man ihnen gekündigt habe. Auch seien ihnen ökonomische Probleme entstanden. "Sie haben seit Dezember kein Gehalt mehr bekommen", moniert der Anwalt und Gewerkschafter. So lang keine Gründe für den Rauswurf genannt würden, müssten die Männer wieder eingestellt werden und darüberhinaus eine Gehaltsentschädigung erhalten , fordert er.

mod
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools