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Happy Birthday, Mr. President!

George Walker Bush, der 43. Präsident der Vereinigten Staaten, feiert heute seinen 60. Geburtstag. Als Geschenk dürfte er sich vor allem eines wünschen: dass die Geschichtsbücher ihn gnädiger beurteilen mögen als die garstig-kritischen Zeitgenossen.

Sein 60. Geburtstag, den George W. Bush an diesem Donnerstag feiert, macht dem US-Präsidenten sichtlich zu schaffen. Schon im Januar, in der Rede zur Lage der Nation, sprach er darüber: "Dieses Jahr werden die ersten der 78 Millionen 'Baby-Boomer' 60 Jahre alt, darunter zwei der wichtigsten Menschen für meinen Vater, ich und Bill Clinton", scherzte Bush damals.

Dabei spielte er sowohl auf die alternden, geburtenstarken Jahrgänge an als auch auf die zuweilen kuriose Männerfreundschaft zwischen seinem Vater, dem Ex-Präsidenten George Bush, und dessen früherem politischen Gegner Clinton. Der 60. Geburtstag sei "mehr als nur eine persönliche Krise, er ist eine nationale Herausforderung", schlug der Präsident den Bogen von sich zu den Problemen der Rentensysteme.

"60 ist nicht so alt, wirklich nicht"

"Als ich in Ihrem Alter war", sagte Bush kürzlich vor Studenten in Omaha, "dachte ich, dass jemand mit 60 richtig alt ist. Aber das ist nur eine Frage des Bewusstseins, 60 ist nicht so alt, wirklich nicht", versicherte er. Kein Zweifel: Bush ringt mit dem Älterwerden, bezeichnet den 60. als "Meilenstein". Wenn er mit seinem Mountainbike unterwegs sei, berichtet, er "stöpsele ich meinen I-Pod ins Ohr, und das hilft mir hoffentlich, mein Alter zu vergessen", sagte er vor Bürgern in Maplewood im US-Bundesstaat Minnesota seufzend.

Der sportliche, fast asketische Republikaner aus Texas wird wohl tun, was viele Menschen an solch runden Geburtstagen tun: eine erste Bilanz des Lebens ziehen. "Er sieht darin sicher eine Wegmarke, er wird nachdenken über seine Erfahrungen, seine Freunde und die Dinge, die er liebt", zitierte die "Washington Post" Bushs Freund und Politik-Berater Mark McKinnon.

Der schlechteste Präsident der US-Geschichte

Allerdings wird Bush bei der Betrachtung seines Lebens Optimismus brauchen. Nicht nur der liberale Geschichtsprofessor Sean Wilentz von der Elite-Universität Princeton mutmaßt, dass Bush als "schlechtester Präsident der USA" in die Geschichtsbücher eingehen wird.

Bush selbst hofft auf das Gegenteil. Historiker sollen einmal seine Angriffskriege rechtfertigen, seine neokonservativ geprägte Vision von Freiheit als Schlüssel für eine bessere Welt preisen. Die Hoffnung des US-Präsidenten auf den Respekt künftiger Generationen resultiert sicher auch aus der weltweiten Ablehnung und oft sogar dem Hass, der ihm gegenwärtig selbst im eigenen Lande entgegenschlägt. Dabei hat Bush durchaus - politisch und persönlich - auf Kritik reagiert. Seit seinem zweiten Wahlsieg 2004 umwirbt er vor allem jene Europäer, die ihm nicht in den Irak-Krieg gefolgt sind. Im Nuklear-Konflikt mit dem Iran setzt Bush wie von der EU gefordert bisher auf Diplomatie.

"Kriegsherr in historischen Zeiten"

Er spricht öffentlich von Fehlern, nennt die Gefangenen- Misshandlungen im US-Militärgefängnis von Abu Ghreib beschämend, distanziert sich von seiner "lockeren Zunge", als er beispielsweise in Wildwestmanier zur Jagd auf Terroristen ("tot oder lebendig") blies. Auch lernte Bush, dessen Berater stets seine berüchtigten Sprachschnitzer und rhetorischen Mängel fürchteten, immer besser frei zu sprechen. In diesem Jahr stellte er sich öfter als je zuvor kritischen Fragen von Journalisten und Bürgern.

In der Sache allerdings hielt Bush seinen umstrittenen Kurs. Er sieht den Westen herausgefordert vom Islamismus, der mit Terror die Welt verändern will. Sich selbst betrachtet er als globalen Führer in einem offensiven Kampf gegen die Feinde der Freiheit. Spätestens seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 spricht Bush über sich als Kriegsherren in "historischen Zeiten". Dabei deutete sein Lebensweg lange Zeit keineswegs darauf hin, dass er einmal Geschichte schreiben würde - und daran zweifeln nicht mal seine ärgsten Feinde.

Sein bester Freund hieß Jim Beam

Bush wurde 1946 in New Haven als Sohn von George Herbert Walker Bush geboren, der unter Ronald Reagan Vizepräsident und dann selbst Präsident war. Bush Junior wuchs in Texas auf. Nach dem Studium an der Elite-Universität Yale ging er 1968 zur Nationalgarde, später besuchte er die Harvard Business School. Bush versuchte sich dann im Ölgeschäft. 1977 heiratete er Laura Welch, 1981 wurden die Zwillinge Barbara und Jenna geboren.

Mitte der 80er Jahre brach Bush mit seinem bis dahin unsteten Leben, hörte auf zu trinken - "Jim Beam" galt bis dato als sein bester Freund - und konvertierte zum methodistischen Glauben seiner Frau. Er erwarb das Baseballteam "Texas Rangers", das er 1988 mit enormem Gewinn verkaufte. 1994 wurde er zum Gouverneur von Texas gewählt, 2000 siegte Bush bei umstrittenen Präsidentschaftswahlen gegen den Demokraten Al Gore.

Die meisten Amerikaner zweifeln

Im sechsten Jahr seiner Präsidentschaft ist Bush mit einem tief gespaltenen Land konfrontiert. Zwar boomt die Wirtschaft, aber die Staatsverschuldung ist enorm. Viele internationale Krisenherde und anhaltendes Blutvergießen im Irak lassen auch die meisten Amerikaner an der Politik des Republikaners zweifeln. Aber auch viele Demokraten betonen, dass das Urteil der Geschichte noch nicht gesprochen ist.

Die Deutschen haben in der kommenden Woche die Gelegenheit, das Geburstagskind vermeintlich nah zu erleben: Ab Mittwoch wird Bush zwei Tage lang Mecklenburg-Vorpommern und den Wahlkreis von Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchen.

Güss/Laszlo Trankovits, DPA/DPA

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